# taz.de -- Weitere Geflüchtetenunterkunft geplant: Wieder ein Stück Tempelhofer Feld weniger
       
       > Die Grillwiese und ein Kunstprojekt sollen neuen Unterkünften weichen.
       > Der Senat will dreistöckige Blocks bauen. Die Feldkoordination schlägt
       > Alarm.
       
 (IMG) Bild: Soll weg: Minigolf auf dem Tempelhofer Feld
       
       Auf dem Tempelhofer Feld hat ein Ingenieurbüro begonnen, das Gelände neben
       der Containersiedlung für Geflüchtete zu vermessen. Die für die Fläche
       zuständige Verwaltung Grün Berlin gibt sich ahnungslos. Doch die gewählten
       Bürger*innen aus der Feldkoordination sind alarmiert. Offenbar finden
       hier bereits die ersten Schritte für den Bau dreistöckiger Wohnblocks
       statt, in denen der Senat langfristig weitere 1.100 Menschen unterbringen
       will.
       
       „Unabhängig davon, dass wir die Schaffung von Unterkünften für Geflüchtete
       grundsätzlich als eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe anerkennen, ist
       die Art und Weise der Umsetzung in diesem Fall nicht hinnehmbar,“ schreiben
       Mitglieder des Gremiums an Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). Die
       Feldkoordination sei weder informiert noch in die Entscheidungsprozesse
       einbezogen worden. Das sei ein „gefährlicher Präzedenzfall“.
       
       Schon zum zweiten Mal in dieser Legislatur will der schwarz-rote Senat das
       Tempelhofer-Feld-Gesetz ändern. Die geltende Fassung vom März 2024 lässt
       eine befristete Bebauung auf einem Flurstück am Columbiadamm bis Ende 2028
       zu. Im Herbst verabschiedete der Senat eine Novelle, der zufolge die
       Gebäude bis 2038 „und gegebenenfalls noch darüber hinaus“ erlaubt werden
       sollen. Allerdings hat das Abgeordnetenhaus den Plänen noch nicht
       zugestimmt. Die beiden zuständigen Ausschüsse waren bisher noch nicht
       einmal damit befasst.
       
       Trotzdem legt der Senat offenbar schon los. Nicht nur die beliebte
       Grillwiese soll dort verschwinden. Der von internationalen
       Künstler*innen gestalteten Minigolfplatz nuture ART, der vertragsmäßig
       mit einem Verbleib bis zum Oktober hatte rechnen können, bekam Anfang des
       Jahres eine außerordentliche Kündigung.
       
       ## Warum keine Unterkünfte auf dem Vorfeld?
       
       Projektvertreter Christoph Ernst berichtet von hinhaltenden und extrem
       nervenaufreibenden Verhandlungen, besonders wegen der ständig wechselnden
       Voraussetzungen. Der avisierte Ersatzstandort konnte trotz langwieriger
       Planungen nicht termingerecht bereitgestellt werden. Eine Beteiligung an
       der Finanzierung des Umzugs ist immer noch nicht abschliessend geklärt.
       Offenbar sollen die 18 interaktiven Kunstwerke nun einen versteckten Platz
       hinter den Neubauten bekommen.
       
       Mareike Witt hat den Volksentscheid zur Nichtbebauung des Tempelhofer Felds
       mit initiiert, der Grundlage des Gesetzes von 2014 ist. Bis heute engagiert
       sie sich bei der Initiative 100% Tempelhof. Im aktuellen Vorgehen des
       Senats sieht sie einen erneuten Vertrauensbruch. Laut der ersten
       Gesetzesänderung aus dem Jahr 2016 sollte die Containersiedlung für
       Geflüchtete nur drei Jahre lang bestehen – aber sie existiert bis heute.
       
       „Damals haben CDU und SPD gesagt, dass wir spinnen und Horrorszenarien
       verbreiten. Aber unsere Prognose ist eingetreten“, so Witt. Deshalb hält
       sie es auch jetzt für völlig unglaubwürdig, dass die dreistöckigen Gebäude
       irgendwann wieder verschwinden. Vielmehr gehe es dem Senat offensichtlich
       darum, das von der Berliner Bevölkerung entschiedene Bauverbot auf dem
       Tempelhofer Feld auszuhöhlen.
       
       „Der Senat könnte die Gebäude ja auch gut 50 Meter in die andere Richtung
       auf dem Vorfeld errichten“, so Witt. Das mit Betonplatten belegte Gelände
       vor den Flughafenhangars ist schließlich nicht Teil des
       Tempelhofer-Feld-Gesetzes.
       
       Das sieht auch der bündnisgrüne Abgeordnete Julian Schwarze so, der eine
       Anfrage an den Senat gestellt, aber noch keine Antwort bekommen hat.
       Michael Efler von den Linken spricht von einer „eventuellen Salamitaktik“
       des Senats, um eine Gewöhnung der Bevölkerung an Gebäude auf dem Feld zu
       erreichen.
       
       12 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Annette Jensen
       
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