# taz.de -- Sachsen-Anhalt und AfD: Lasst sie einfach mal regieren!
> Es würde einen hohen Preis kosten. Mittelfristig könnte es aber
> vielleicht etwas bringen, wenn die AfD in die regionale
> Regierungsverantwortung käme.
(IMG) Bild: AfD-Fans im Wahlkampf in Magdeburg
Manuela Segger, AfD-Wählerin, sagt in einem von der New York Times
verlinkten Video: „Entweder es wird gut oder es wird nicht ganz so gut,
dann wählen wir sie wieder ab.“ Was die Frage aufwirft: Wäre es besser, die
AfD mitsamt dem ehemaligen Raumduftverkäufer Ulrich Siegmund käme im
kleinen Sachsen-Anhalt in die Regierungsverantwortung?
Wäre es besser, als wenn demokratische Parteien, die eigentlich für sehr
unterschiedliche Perspektiven stehen, in einer erzwungenen gemeinsamen
Abwehrhaltung erstarren, während sich ihre unterschiedlichen Identitäten
dabei auflösen?
AfD-Wähler:innen werden von den nicht AfD wählenden bürgerlichen Eliten
gerne klassifiziert, psychologisiert, pathologisiert und als Objekt
behandelt. Laut dem Politikwissenschaftler Philip Manow [1][spalten sich
die Milieus in Europa] auf in die sozial besser gestellten
„Integrationsfreunde“ und in die „Integrationsskeptiker“, die meistens,
aber nicht immer, aus eher schwächeren Milieus stammen. Wenn das so stimmt,
dann könnte man die AfD-Wähler:innen erst mal nur den zweiteren zuordnen,
ohne sie damit gleich zu verachten.
Die AfD-Wähler:innen kämen damit aus der Objektrolle heraus, könnten sich
dann aber auch nicht aus der Verantwortung stehlen, für eine rechtsextreme
Landesregierung verantwortlich zu sein, die ihr Leben nicht besser macht.
[2][Denn was würde passieren], wenn geduldete Geflüchtete unter einer
AfD-Regierung ihre Arbeitserlaubnis verlören, wenn Migrant:innen einen
Bogen um das kleine Bundesland machten und die Bevölkerung dann auf
Ärzt:innen, Pfleger:innen, Lieferant:innen, Kellner:innen verzichten
müsste?
Welcher Protest vor Ort würde erwachsen, wenn das erste gut integrierte
Kind mit Downsyndrom aus seiner Regelklasse genommen und in eine
Sonderschule gesteckt wird? Eine AfD-Regierung wäre auch ein Test für die
[3][Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt] und drumherum. Vielleicht sollte
man es darauf ankommen lassen. Trotz der hohen Risiken.
9 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Dribbusch
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