# taz.de -- Ölpreis über 100 Dollar: Alternative Routen, weniger Nachfrage
       
       > Der Ölpreis steigt weniger explosiv als befürchtet, auch weil
       > verschiedene Länder Lieferengpässe ausgleichen. Doch die Spritpreise
       > ziehen weltweit an.
       
 (IMG) Bild: Iranische mittelgroße Öltanker warten weiterhin vor der Küste von Bandar Abbas in der Straße von Hormus
       
       Der Krieg im ‌Nahen Osten treibt die Energiepreise weiter ‌an: Brent-Rohöl
       aus der Nordsee kostete am Mittwoch erstmals seit Juli wieder mehr als 100
       Dollar je Barrel (159 Liter). Der eskalierende Konflikt zwischen den USA
       und dem Iran schürt an den Börsen die Sorge vor Lieferausfällen.
       [1][Allerdings verläuft der Ölpreisanstieg eher allmählich und nicht so
       explosiv wie vielleicht erwartet.] Von seinem im April erreichten
       Jahreshoch von 126 Dollar ist der Brent-Preis noch weit entfernt. Dafür
       gibt es mehrere Gründe.
       
       Trotz des Krieges fließen weiterhin erhebliche Mengen Öl aus dem Nahen
       Osten auf den Weltmarkt. In den vergangenen Tagen wurden von dort ‌täglich
       rund 9 Millionen Barrel Rohöl und eine weitere Million Barrel an
       Ölprodukten exportiert, sagt Russell Hardy, Chef des weltgrößten
       unabhängigen Ölhändlers Vitol. Das ist zwar deutlich weniger als die rund
       20 Millionen Barrel vor Kriegsbeginn, zeigt jedoch, dass die Lieferungen
       nicht zum Erliegen gekommen sind. Die Produzenten am Golf haben zudem
       alternative Routen gefunden, [2][um die weitgehend blockierte Wasserstraße
       von Hormus] zu umgehen, etwa stiegen die Exporte über den ägyptischen Hafen
       Sidi Kerir im August auf mehr als das Doppelte des Volumens vom Juni.
       
       Ein Teil des Ausfalls wird von Ländern außerhalb der Opec ausgeglichen. So
       werden die USA, Kanada und die südamerikanische Republik Guyana ihre
       Produktion in diesem Jahr um zusammen 1,4 Millionen Barrel pro Tag
       steigern, sagt Jarand Rystad, Gründer von Rystad Energy. ‌Auch die
       russischen Rohölexporte hielten sich im Juli und August mit rund 5,5
       Millionen Barrel täglich stabil und lagen damit 23 Prozent über dem Niveau
       vom Februar. Dies liegt auch daran, dass russische Raffinerien nach
       ukrainischen Angriffen weniger Öl verarbeiten können und mehr Rohöl für den
       Export zur Verfügung steht.
       
       ## China importiert deutlich weniger
       
       Ein weiterer wichtiger Faktor ist ⁠der erhebliche Nachfrageausfall. Dieser
       beläuft sich laut Rystad im dritten Quartal auf 3,5 Millionen Barrel pro
       Tag. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf China. Der größte Ölimporteur
       der Welt hat seine Seeimporte im Juli und August auf 7 Millionen Barrel
       täglich reduziert, im Vergleich zu mehr als 11 Millionen im Februar. Gründe
       dafür sind die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs und der ‌Einsatz
       von Kohle zur ‌Herstellung von Chemikalien. Zugleich verfügt Peking über
       riesige Ölreserven, die von der Analysefirma Kpler auf 1,17 Milliarden
       Barrel geschätzt werden.
       
       Gleichzeitig sind die Preise für kurzfristig lieferbares Öl am Spotmarkt
       ‌gestiegen und haben den höchsten Stand seit April erreicht. „Das zeigt uns
       derzeit, dass die ‌Lage am physischen Markt unglaublich angespannt ist“,
       sagt David Fyfe, Chefvolkswirt bei Argus. „Noch wichtiger ist, dass sich
       auf dem Dieselmarkt eine Verknappung abzeichnet.“ Die jüngste Eskalation
       zwischen den USA und Iran dürfte die Exporte aus der Golfregion
       beeinträchtigen, während die ‌Nachfrage steigt, da Raffinerien ihre
       Dieselproduktion hochfahren – der Preis für den Kraftstoff ⁠hat in den USA
       ein Rekordhoch erreicht. Und auch in Deutschland zogen die Preise an den
       deutschen Tankstellen in den vergangenen Tagen weiter deutlich an. Aktuell
       koste ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 2,259 Euro und damit 7,6
       Cent mehr als in der Vorwoche, teilte der ADAC am Mittwoch mit. Diesel
       verteuerte sich demnach um fast 9 Cent auf 2,321 Euro pro Liter.
       (reuters/afp)
       
       9 Sep 2026
       
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