# taz.de -- Huthi-Miliz im Jemen: Jemenitische Armee nur ein Papiertiger
       
       > Wie konnten die Huthi-Rebellen so schnell im Jemen vorrücken? Analysten
       > gehen von Verrat aus. Und 80 Prozent der jemenitischen Armee soll nur auf
       > dem Papier existieren.
       
 (IMG) Bild: Huthi-Kämpfer nehmen am 12. September freigelassene Gefangene in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa in Empfang
       
       Innerhalb von nur einer Woche hat die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im
       Jemen mehrere strategisch wichtige Punkte eingenommen: Entlang der ans Rote
       Meer grenzenden Westküste [1][nahmen sie erst die Stadt Mokka ein] und
       zogen dann weiter Richtung Süden. Letztlich nahmen sie die Insel Mayyun,
       auch Perim genannt, ein, was ihnen die Kontrolle der Meerenge Bab al-Mandab
       ermöglicht.
       
       Huthi-Sprecher Jahja Saree erklärte, die Gruppe habe im Jemen sechs Bezirke
       mit einer Fläche von mehr als 5.000 Quadratkilometern eingenommen. Seine
       Streitkräfte hätten außerdem mehrere saudische Kampfflugzeuge abgeschossen.
       Diese Behauptung konnte von unabhängigen Quellen bisher nicht bestätigt
       werden.
       
       Wie konnte es dazu kommen?, fragen nun viele. Wie konnten die Huthi so
       schnell so viel Land gewinnen? Seit 2022 war de[2][r Konflikt zwischen der
       jemenitischen Regierung] und einigen mal mehr, mal weniger regierungsnahen
       Milizen auf der einen Seite, sowie der Huthi-Miliz auf der anderen Seite
       eingefroren. Er flammte im Juli 2026 erneut auf, als die jemenitische
       Regierung ein Flugzeug aus dem Iran nicht landen lassen wollte. Die
       Regierung schwor damals, die Huthis im ganzen Land zurückdrängen zu wollen.
       Doch bis jetzt ist ihr das nicht gelungen, und die Huthis haben weiter die
       Oberhand im Land. Woran liegt das?
       
       Da ist einmal der Verdacht eines Verrats. An den Kämpfen gegen die Huthis
       rund um Mokka war unter anderem die Miliz „National Resistance“ beteiligt.
       Diese wird kommandiert von Tareq Saleh, Neffe des Ex-Diktators Ali Abdullah
       Saleh. Er ist außerdem Vizepräsident des Präsidialrats im Jemen, dieser
       entspricht der international anerkannten Regierung. Seine Truppen galten
       als von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt, stehen heute aber
       auch Saudi-Arabien nah.
       
       Nachdem die Huthi Mokka eingenommen hatten, reiste Saleh nach Riad. Nach
       Informationen der taz soll die „National Resistance“ unterwandert worden
       sein: Durchgesickerte Informationen über Lagerstandorte hätten es den Huthi
       ermöglicht, diese schnell anzugreifen. Die Kämpfer der „National
       Resistance“ hätten ihre Stellungen aus Angst vor einer Belagerung und
       Gefangennahme dann kampflos aufgegeben, heißt es aus informierten Kreisen.
       
       Ein weiterer Grund für den schnellen Vormarsch der Huthi: Die jemenitische
       Armee soll ein Papiertiger gewesen sein. Nach einem Bericht des Senders CNN
       rückten die Kämpfer der Huthi am Donnerstag in Mokka ein – und fanden kaum
       jemenitische Soldaten vor. Die Truppen seien stark dezimiert gewesen, ihre
       Ränge voll mit „Geistern“, die zwar Gehälter bekämen, aber nicht vor Ort im
       Dienst seien. 80 Prozent der jemenitischen Armee gebe es nur auf dem
       Papier, so eine Quelle zu CNN.
       
       Auch vonseiten der Milizen mangelte es wohl an Manpower. Das hat mit einem
       Konflikt zwischen den von Saudi-Arabien unterstützten regierungstreuen
       Truppen und den von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten
       separatistischen Milizen in diesem Winter zu tun, die gern wieder einen in
       Nord und Süd geteilten Jemen sehen würden. Um diesen Konflikt beizulegen,
       zogen die Emirate ihre Truppen ab, ließen Basen und Baracken im Südwesten
       des Landes zurück. Saudi-Arabien füllte diese Leerstelle Berichten zufolge
       nicht wieder auf.
       
       Und nun? Der Brigadegeneral Mohammed al-Kumaim, ein Berater des
       jemenitischen Verteidigungsministers, bezeichnet die Geländegewinne der
       Huthi als „Neupositionierung“ und nicht als Niederlage. Die
       Regierungskräfte haben außerdem am Freitag eine Gegenoffensive gestartet,
       in einem als „Kill Box“ bezeichneten Gebiet an der Straße südlich von
       Mokka. Inoffiziellen Angaben zufolge wurden dort innerhalb der vergangenen
       beiden Tage über 500 Huthi-Kämpfer getötet. Mehr als 46.000 Menschen
       mussten aus dem Kampfgebiet flüchten.
       
       Am späten Sonntag meldete der Analyst Mohammad Al-Basha einen neuen Stand:
       Die Huthi seien nicht mehr in der Lage, eine wirksame Kontrolle über die
       Meerenge von Bab al-Mandab auszuüben; sie hätten begonnen, ihre Truppen aus
       dem Gebiet abzuziehen. Die Regierungstruppen hätten das Gebiet zwar noch
       nicht vollständig gesichert, doch durch Unterstützung der Truppen aus der
       Luft sei es „den Huthi-Kräften effektiv unmöglich gemacht worden, sich in
       diesem Gebiet aufzuhalten“. „Weitere Einzelheiten folgen“, schreibt er. Die
       Schlacht ist noch nicht vorbei.
       
       13 Sep 2026
       
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