# taz.de -- +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Neue Angriffe zwischen USA und Iran
> Washington beschießt militärische Ziele in Iran, Teheran US-Ziele und
> Verbündete in der Region; es gibt Tote. Derweil wird der Ölpreis wieder
> erhöht.
(IMG) Bild: Es ist wieder oder immer noch Krieg: Ein US-Flugzeugträger am 2. September
## Gegenseitige Angriffe über Nacht
Die USA und Iran haben in der Nacht erneut einander angegriffen. Die
US-Streitkräfte attackierten nach Angaben des für den [1][Nahen Osten
zuständigen Regionalkommandos (Centcom)] militärische Ziele in Iran. Als
Reaktion darauf feuerte Teheran Raketen und Drohnen auf mehrere Orte in der
Region ab. Bei einem US-Angriff wurde nach Angaben iranischer Behörden ein
Haus getroffen, in dem eine Hochzeit stattfand.
Centcom teilte mit, die jüngste Angriffswelle sei abgeschlossen. Ziel seien
Luftabwehrstellungen, Radarsysteme und maritime Anlagen gewesen. Die
Angriffe seien eine Reaktion auf Versuche Teherans gewesen, Handelsschiffe
und US-Truppen im Nahen Osten anzugreifen.
US-Präsident Donald Trump lieferte eine zusätzliche Erklärung und sagte dem
Sender Fox News in einem Telefonat, dass US-Streitkräfte iranische
Radaranlagen angegriffen hätten. „Sie haben versucht, ihr Radar wieder
aufzubauen, weil sie nichts sehen können“, sagte Trump. „Wir haben
gewartet, bis es fast fertig war, und dann haben wir zugeschlagen.“
Später sagte Trump, er wolle Iran nicht zu Verhandlungen zwingen. „Es
könnte mir nicht egaler sein, ob sie ein für sie wertloses Abkommen
unterzeichnen“, schrieb er in den sozialen Medien. Die USA hätten derzeit
eine deutlich bessere Position, da sie „fast die vollständige Kontrolle“
über die Straße von Hormus hätten und die iranische Wirtschaft „völlig
zusammenbreche“. Die Iraner würden lediglich das Unvermeidliche
hinauszögern, schrieb Trump. „Wann wird das iranische Volk aufstehen und
kämpfen?“, fragte er weiter.
Nach Beginn der US-Angriffe am Dienstag feuerte Iran [2][ballistische
Raketen auf Jordanien] ab. Die iranische Revolutionsgarde erklärte laut dem
iranischen Staatsfernsehen, Ziel sei ein US-Stützpunkt an der jordanischen
Küste am Golf von Akaba gewesen. Das jordanische Militär teilte mit, es
habe zehn der Raketen abgefangen. Die drei verbliebenen seien in
unbewohnten Gebieten niedergegangen. Über Akaba waren Explosionen zu sehen.
Das kuwaitische Militär teilte auf der Plattform X mit, seine Luftabwehr
habe Drohnen aus dem Iran abgefangen. Iran erklärte zudem, er habe einen
Drohnenangriff auf US-Streitkräfte in Bahrain gestartet. Dort hieß es, alle
Angriffe seien abgefangen worden. (ap)
## USA bestreiten Angriff auf Zivilisten
Iranische Staatsmedien berichteten, die USA hätten zivile Ziele an der
Südküste Irans bombardiert und einen zivilen Flughafen getroffen. Bei einem
US-Angriff auf ein Wohnhaus in Kuhestak im Süden des Landes, in dem gerade
eine Hochzeitsfeier stattfand, seien fünf Menschen ums Leben gekommen,
darunter ein Kind. Mindestens 68 weitere wurden verletzt, wie der
stellvertretende Gouverneur der Provinz Hormusgan, Ahmad Nafisi, dem
iranischen Staatsfernsehen sagte.
Diese Verbrechen würden nicht ungestraft bleiben, schrieb der Vorsitzende
des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik des iranischen
Parlaments, Ebrahim Asisi, auf der Plattform X. Centcom teilte mit, die
Berichte über zivile Opfer seien bekannt. Sprecher Tim Hawkins erklärte,
diese stammten von iranischen Staatsmedien. „Das US-Militär nimmt niemals
Zivilisten ins Visier, im Gegensatz zu den [3][Revolutionsgarden]“, sagte
Hawkins. (ap)
## Stromausfälle in Hormusgan
Aus mehreren Küstengebieten im Süden Irans wurden Explosionen gemeldet,
darunter aus der Hafenstadt Bandar Abbas, wo sich Einrichtungen der Marine
und der Luftwaffe befinden sowie von der Insel Keschm in der Straße von
Hormus. Augenzeugen in Bandar Abbas berichteten der Nachrichtenagentur AP,
die Explosionen seien heftiger gewesen als bei einem Angriff vom Sonntag.
Zudem hätten sie Rauch aus dem östlichen Teil der an der Meerenge gelegenen
Stadt aufsteigen sehen.
Das iranische Staatsfernsehen berichtete, US-Angriffe hätten eine
Fischmehlfabrik auf Keschm sowie mehrere zivile Einrichtungen in der
Provinz Hormusgan getroffen. Zu den Zielen gehörten demnach ein Anlegesteg
sowie ein Turm der Hafen- und Schifffahrtsbehörde in Sirik. In Teilen von
Hormusgan kam es laut dem Netzbetreiber infolge der Angriffe zu
Stromausfällen. (ap)
## Soldaten der USS Abraham Lincoln erreichen Land
Nach mehr als 200 Tagen auf See und Berichten über gravierende Missstände
an Bord ist [4][der US-Flugzeugträger „Abraham Lincoln“] in Thailand
eingetroffen. Hinter den rund 5.000 Soldaten in der Touristenhochburg
Pattaya liegt ein Kriegseinsatz, der wegen angeblicher Versorgungsengpässe
und Beschwerden von Matrosen und Angehörigen für Schlagzeilen gesorgt
hatte. Das 330 Meter lange und bis zu 74 Meter hohe Schiff lief am Morgen
(Ortszeit) im Hafen Laem Chabang in der Provinz Chon Buri ein, rund 20
Kilometer von [5][Pattaya] entfernt.
Die monatelange Belastung und die Zustände an Bord hatten für erhebliche
Unruhe gesorgt. Das atomgetriebene Schiff war im November 2025 aus der
US-Westküstenstadt San Diego ausgelaufen – zunächst für einen Einsatz im
Pazifik. Infolge des [6][Kriegs mit Iran] wurde der Flugzeugträger dann
aber in den Nahen Osten verlegt.
Die Besatzung war nach Angaben mehrerer Medien mehr als 200 Tage ohne
Hafenaufenthalt unterwegs. Bei Einsätzen von US-Flugzeugträgern sind zwar
auch mehrmonatige Fahrten üblich, doch eine so lange Zeit ohne regulären
Hafenaufenthalt ist ungewöhnlich.
Berichte über Probleme mit der Wasserversorgung, verstopfte Toiletten sowie
zunehmende psychische Belastung der Besatzung infolge diverser Missstände
hatten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. In einigen Fällen sollen
Besatzungsmitglieder nach Angaben ihrer Angehörigen versucht haben, über
Bord zu springen. Das US-Militär wies die schwersten Vorwürfe zurück. (dpa)
## Ölpreis steigt wieder Richtung 100 US-Dollar
[7][Versorgungsängste angesichts der sich wieder verschärfenden
Spannungen in Nahost] haben die Ölpreise am Mittwoch in Richtung 100 Dollar
getrieben. Die Notierungen für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI
stiegen in der Spitze um jeweils rund 2,5 Prozent auf 97,04 und 92,29
Dollar je Fass. Das ist der höchste Stand seit dem 24. Juli. Schon am
Dienstag waren die Ölpreise nach gegenseitigen Angriffen der USA und Iran
um rund 5 Prozent in die Höhe geschossen.
„Die Entwicklungen der letzten Tage haben die Risiken für die regionale
Ölversorgung wieder in den Fokus gerückt“, erläuterten die Analysten von
ING in einem Kommentar. Der Nahostkrieg hat Öl in den vergangenen Monaten
stark verteuert und Inflations- und Zinssorgen geschürt. Ende April war
der Brent-Preis in der Spitze auf 126 Dollar je Fass geklettert.
Durch die wichtige Meerenge von Hormus wurden vor Beginn des Konflikts
Ende Februar rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und
Flüssigerdgaslieferungen transportiert. „Solange es keine eindeutigen
Beweise dafür gibt, dass Verhandlungen zu einer dauerhaften Lösung führen
können und dass die normalen Ölströme durch die Straße von Hormus
wiederkehren, dürfte die Risikoprämie für Rohöl weiterhin hoch bleiben“,
prognostizierte Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktanalysen bei Phillip
Nova. (rtr)
2 Sep 2026
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