# taz.de -- Gefahren von Künstlicher Intelligenz: Wer haftet, wenn die KI uns umbringen will?
> Jeder Eierkocher wird reguliert. Bei KI ist das - trotz sich häufender
> Warnungen - anders. Der Rechtsstaat sollte auch mal was dazu sagen.
(IMG) Bild: Für jeden Eierkocher gibt es strenge gesetzliche Vorgaben. Und für die KI?
Ein junger Mann warf diese Woche unter Absingen schmutziger Lieder seinen
Job hin: Nur Wahnsinnige da in der Firma. So weit, so vertraut. Nur dass
Jacob Coxon, Brite, 27, sein Lied [1][auf X, vormals Twitter,
veröffentlichte], und das klang so: „Ich habe heute bei Anthropic
gekündigt“, schrieb er. Drei Jahre habe er bei den KI-Unternehmen OpenAI
und Anthropic verbracht. „Sie setzen unser Leben aufs Spiel.“ Die Leute,
die künstliche Intelligenz erschüfen, „glauben ernsthaft, dass sie uns alle
bis zum Ende des Jahrzehnts umbringen könnte“. Dies sei kein
Marketingtrick.
Coxon ist nicht der Erste, der so warnt. Aber dass es immer mehr werden,
kann halt nicht beruhigen. Es werden kaum alle aus der Branche, die vor den
Gefahren der künstlichen Intelligenz warnen, bloße Wichtigtuer sein, die
Investoren anlocken oder sich selbst als KI-Berater („Für nur 500 Euro die
Stunde rette ich euch!“) andienen wollen. Als die KI-Programme des
ChatGPT-Herstellers OpenAI sich im Juli selbstständig gemacht hatten und
beim KI-Anbieter Hugging Face eingebrochen waren, ging der Deutungstrend
zunächst auch erst Richtung „Aufschneider!“. Nach einigen Expertenberichten
bog er allerdings [2][in Richtung „Schreck lass nach!]“ ab.
Als echtes Kind der Bundesrepublik frage ich mich längst: Technik hin,
Technik her, aber was sagt bitte der Rechtsstaat dazu? Und wenn wir von
US-amerikanischen Unternehmen sprechen: Ihr klagt euch doch sonst wegen
jedes defekten Eierkochers den Hintern ab – wo sind eure melodramatischen
Geschworenengerichte jetzt? Was ich meine: Bevor die künstliche Intelligenz
uns alle umbringt, wüsste ich gern, wo sie versichert ist (was nimmt die
Allianz monatlich an Prämien von potenziellen Menschheitszerstörern?), wo
sie verklagt werden kann und welches höchstrichterliche Urteil gegen den
möglichen Weltuntergang vorliegt.
## Die Frage nach der Verantwortung
Matthias Spielkamp kann meine Fragen gut einordnen: „Es wird immer weiter
über die Fähigkeiten der KI diskutiert, aber der entscheidende Punkt ist
doch, wer dafür verantwortlich ist“, sagt er. Spielkamp hat AlgorithmWatch
gegründet und [3][kämpft seit über zehn Jahren für mehr Transparenz und
Kontrolle] in der digitalen Welt. Dass die künstliche Intelligenz Schaden
anrichten könne – aber auch Nutzen stiften –, sei doch völlig klar, sagt
er.
Es müsse eben wie bei jedem potenziell gefährlichen Produkt die Haftung
geregelt sein. „Man stelle sich vor, Mercedes würde Zehntausende Lkws mit
defekten Bremsen ausliefern – der Schadenersatz, der droht, wäre
gigantisch!“, erklärt Spielkamp. „Damit kann man zwar noch nicht
verhindern, dass einer mit dem Lkw in eine Menschenmenge fährt. Aber
jedenfalls kann man dafür sorgen, dass Mercedes das nicht noch mal
passiert.“
Den Vergleich finde ich hilfreich. Es stellt sich heraus, dass Deutschland
just dieses Jahr eine EU-Richtlinie zum Thema umsetzt: [4][Das neue
Produkthaftungsrecht] kommt im Dezember, es ist die erste Novelle seit
1989. Man stelle sich vor, was seitdem alles an Unheil stiftenden Dingen
erfunden wurde! Wie viele Saugroboter schon die Fransen teurer Teppiche
gefressen haben! In der Gesetzesbegründung [5][nennt die Bundesregierung
ausdrücklich] die nötige Regelung der künstlichen Intelligenz: Hersteller
könnten künftig auch haften für Schäden durch Produkte „wie insbesondere
KI-Systeme, die die Fähigkeit aufweisen weiterzulernen“. Nun ja, könnten.
Aber immerhin.
Wenn das also halbwegs geklärt ist: Sobald eine KI übergriffig wird, müsste
sich demnach nur noch eine Klägerin fix melden, eine Richterin rechtzeitig
zum Urteil kommen, ein handlungsfähiger Staat noch vorhanden sein. Ich weiß
nicht, wer sagen kann, wie eng dieses Rennen wird.
12 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/hilbertspaess/status/2097476196791709843
(DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/wissen/ki-agenten-angriff-open-ai-hugging-face-bericht-li.3540162
(DIR) [3] /KI-und-Demokratie/!6206568
(DIR) [4] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz/produkthaftung-fuer-ki-software-was-hersteller-wissen-muessen-accg-201205083.html
(DIR) [5] https://dserver.bundestag.de/btd/21/042/2104297.pdf
## AUTOREN
(DIR) Ulrike Winkelmann
## TAGS
(DIR) Kolumne Ernsthaft?
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Digital Services Act
(DIR) Digitale Souveränität
(DIR) Haftung
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) talkshow
(DIR) ChatGPT
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Konjunktur
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Kolumne Ernsthaft?
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte über künstliche Intelligenz: Entschleunigung mit Hintergedanken
Etwas langsamer bitte – mit diesem Ansinnen machen KI-Konzerne gerade
Schlagzeilen. Experten vermuten allerdings keinen Altruismus dahinter.
(DIR) OpenAI verschiebt Börsengang: Macht langsam!
Die großen Techfirmen OpenAI und Anthropic fordern mehr Vorsicht bei der
KI–Entwicklung und haben vor, sich härter zu regulieren. Elon Musk findet
das gut.
(DIR) Risiken und Regulierung von KI: Menschengecodete Krise
Auf einmal ist der Aufschrei nach Regulierung der KI-Entwicklung groß.
Dabei ist die Debatte um die Gefahren unkontrollierter Systeme nichts Neues
für die Menschheit.
(DIR) Künstliche Intelligenz: US-Techbosse pochen auf langsamere Entwicklung
Seit Jahren gibt es Aufrufe, KI-Entwicklung zu verlangsamen. Nach
Zwischenfällen gibt es nun unter KI-Unternehmern erste Schritte in diese
Richtung.
(DIR) Kirche und Künstliche Intelligenz: 60 Prozent der Pfarrer nutzen KI
KI-Tools gehören für viele Geistliche inzwischen zum Arbeitsalltag.
Besonders häufig helfen sie bei Recherche, Texten und Übersetzungen.
(DIR) Energie und KI in Deutschland: Emirate wollen Geld regnen lassen
40 Milliarden Euro an Investitionen kündigen die Vereinigten Arabischen
Emirate an. Sie sollen vor allem in Infrastruktur fließen.
(DIR) Peter Thiel erhält Axel Springer Award: Ein Preis für den Antichristen
Der einflussreiche Tech-Apokalyptiker Peter Thiel wird vom
Axel-Springer-Verlag ausgezeichnet. Dessen CEO Döpfner will endlich bei den
großen Tech-Bros mitspielen.
(DIR) Künstliche Intelligenz und Tech-Branche: „Gut genug“ reicht auch erstmal aus
Die Rechenleistung von KIs wächst schneller, als eine demokratische
Öffentlichkeit es verarbeiten kann. Was ist die Alternative zu
Tech-Imperialismus?