# taz.de -- Bundeshaushalt für 2027: Der Schock spielt erst mal keine Rolle
> SPD-Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verteidigt seinen Entwurf für den
> Haushalt 2027. Die Wahl in Sachsen-Anhalt nennt er dabei nicht
> ausdrücklich.
(IMG) Bild: Rentnerinnen beim Bummeln. Zu Rentenkürzungen schwieg Klingbeil in seiner Haushaltsrede im Bundestag
Lars Klingbeil brachte gute Nachrichten mit. „In Mecklenburg-Vorpommern
werden 58 Feuerwehr-Gerätehäuser saniert“, sagte der
SPD-Bundesfinanzminister am Dienstag, als er den Haushalt für 2027 in den
Bundestag einbrachte. Das sei nur ein kleines Beispiel für die positiven
Wirkungen des Investitionsprogramms von 500 Milliarden Euro der
schwarz-roten Regierung.
Nach Jahren der Stagnation ziehe damit auch das Wachstum wieder an. Mit
Details wie der Feuerwehr in Meck-Pomm ließ Klingbeil die Abgeordneten an
den Ergebnissen seiner Sommerreise teilhaben. Angesichts der
wirtschaftlichen Schwierigkeiten habe er zwar auch „Abstiegs- und
Verlustängste“ in der Bevölkerung gespürt. „Gleichzeitig entsteht in
unserem Land wahnsinnig viel Neues, das Menschen Zuversicht gibt und
Hoffnung macht“, betonte er.
Die Phrase „unser Land“ benutzte der SPD-Chef und Vizekanzler in jedem
dritten Satz. [1][Mit seiner Rede reagierte er auch auf die Wahl in
Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag], ohne das Bundesland ausdrücklich zu
erwähnen. „Wer zu Deutschland gehört, entscheidet sich nicht an der
Hautfarbe“, hielt er der AfD indirekt entgegen, die im künftigen
Magdeburger Landtag die größte Fraktion stellt.
Klingbeil forderte „Standortpatriotismus“ und bezeichnete die staatlichen
Investitionen als „Gerechtigkeitsoffensive“, von der in ein paar Jahren
alle profitierten. Darauf antwortete AfD-Haushaltspolitiker Michael
Espendiller so: 2,42 Euro pro Liter Diesel „sind Grund genug, AfD zu
wählen“. Der Haushalt des Finanzministers erhalte von jedem Liter
Treibstoff rund einen Euro. „Niemand freut sich über sanierte Straßen, die
man wegen hoher Spritpreise nicht mehr benutzen kann“, sagte Espendiller.
## Der Erfolg der Rechtsextremen provoziert Fragen
In der Tat provoziert der Erfolg der Rechtsextremen Fragen an die
Haushaltspolitik, die der Finanzminister weder ansprach noch beantwortete.
Wie könnte die Regierung zusätzlich auf die Sorgen um den Lebensstandard
reagieren, die bei der Wahl offenbar eine große Rolle gespielt haben?
Spritpreis-Deckel, Übergewinnsteuer für Ölkonzerne mit Umverteilung der
Einnahmen an die Bevölkerung?
Auch zu anderen umstrittenen Finanz- und Sozialthemen, die jetzt wieder auf
die Tagesordnung rutschen, wie die eigentlich geplante Abschaffung der
abschlagsfreien Rente nach 45 Arbeitsjahren, des Unterhaltsvorschusses
zugunsten Alleinerziehender, des Kinderzuschlags für arme Familien, schwieg
Klingbeil.
Mit Blick auf das Wahlergebnis forderte Britta Haßelmann, die
Fraktionschefin der Grünen, konkrete Veränderungen, die den Alltag der
Bürger:innen verbessern. [2][Die Grünen kritisierten den Finanzminister
auch hinsichtlich der Investitionspolitik.] „Trotz hoher Schulden bekommen
wir durch diesen Haushalt einen viel zu geringen Wachstumsimpuls“,
bemängelte Sebastian Schäfer, haushaltspolitischer Sprecher der Partei.
Außerdem werde „die Mindest-Investitionsquote von 10 Prozent im
Kernhaushalt deutlich unterschritten“.
Hier kann sich der Grünen-Politiker auf einen neuen Bericht des
Bundesrechnungshofes berufen. Auch die staatlichen Finanzkontrolleure
kritisieren, dass die Regierungskoalition weniger Mittel für Investitionen
verwende als ursprünglich vereinbart.
## Die Fachpolitiker im Bundestag haben viel Arbeit vor sich
Trotzdem hat Klingbeil einen Punkt, wie auch CDU-Politiker Mathias
Middelberg unterstrich. Dank des Klima- und Transformationsfonds, des
kreditfinanzierten Sondervermögens für Infrastruktur und der sogenannten
Bereichsausnahme für die bessere Ausstattung der Bundeswehr liegen die
Investitionen des Bundes mit rund 120 Milliarden Euro um rund 50 Milliarden
Euro über dem Niveau der Vorgängerregierung.
Klingbeil hat einen großen Haushalt vorgelegt, der den Fachleuten der
Fraktionen im Bundestag in den kommenden Wochen noch viel Arbeit
abverlangen wird. Insgesamt sollen sich die Ausgaben 2027 auf rund 670
Milliarden Euro belaufen, von denen etwa 200 Milliarden Euro aus neuen
Krediten stammen. Ermöglicht haben Union, SPD und Grüne diese beträchtliche
Neuverschuldung, indem sie die Schuldenbremse im Grundgesetz einschränkten.
Dementsprechend wachsen aber auch die Kosten der Verschuldung. Im Etat 2027
sind dafür gut 40 Milliarden Euro veranschlagt. Trotz des großen Volumens
scheint das Geld noch nicht zu reichen. Nach Berechnung der Grünen enthält
der Haushaltsentwurf offene Posten von rund 20 Milliarden Euro, die durch
höhere Einnahmen, zum Beispiel durch die Zuckersteuer, oder niedrigere
Ausgaben geschlossen werden müssen. „Wir müssen weiter sparen“, räumte
CDU-Finanzpolitiker Middelberg ein. Das ist eine schlechte Voraussetzung
für zusätzliche, teure Reaktionen auf die aktuelle Lage.
8 Sep 2026
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