# taz.de -- Temperaturen in Nord- und Ostsee: Zum Abkühlen nicht zu gebrauchen
> Nicht einfach nur Sommer: Von Juni bis August lagen die Temperaturen von
> Nord- und Ostsee deutlich über dem langjährigen Mittelwert.
(IMG) Bild: Ziemlich warm war es hier im Sommer drumherum: 66 Tage mit marinen Hitzewellen wurden um Helgoland verzeichnet
Es war warm, diesen Sommer, ungewöhnlich warm. Gemerkt hat das wohl jeder
und wer bei einem Bad in Nord- und Ostsee Abkühlung suchte, fand sie nur
bedingt. Auch das Wasser war warm, ungewöhnlich warm.
Messungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen:
Im Juni, Juli und August lagen die Oberflächentemperaturen von Nord- und
Ostsee deutlich über dem langjährigen Mittel. Für die Nordsee war es der
fünftwärmste Sommer, für die Ostsee der siebtwärmste.
Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee lag bei 15,6 Grad
Celsius, knapp 1 Grad über dem langjährigen Mittel. In der südlichen
Nordsee überstiegen die Temperaturen das Mittel sogar um 2 Grad und mehr.
„Einzelne Gebiete stellten neue Höchstwerte seit 1997 auf“, warnt das BSH.
„Für etwa ein Viertel der Nordsee zählten die Temperaturen zu den drei
höchsten der letzten 30 Jahre.“
Um Helgoland war es besonders warm. 66 Tage mit marinen Hitzewellen wurden
verzeichnet – Fieberschübe gewissermaßen, bei denen die Temperaturen über
mindestens fünf Tage hinweg überdurchschnittliche Werte erreichten. [1][Die
Ostsee] lag ebenfalls knapp 1 Grad über dem langjährigen Mittel. Sie war
mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von 17,2 Grad noch weit
wärmer als die Nordsee.
## Absterbende Pflanzen, abwandernde Tiere
Was sich hinter diesen statistischen Kenndaten verbirgt, ist dramatisch.
Wärmere Meere hätten weitreichende Folgen, sagt Tim Kruschke vom BSH – so
wie die Klimakrise auch an Land für dramatische Änderungen sorge: „An Land
merken wir das an Dürren und an Waldbränden. Im Meer merken wir es an der
Veränderung von Lebensräumen, dem Absterben von Pflanzen, dem Abwandern von
Tierarten.“
Helmke Hepach vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel fährt
regelmäßig zur Messstation „Boknis Eck“ hinaus. Die liegt in die
Eckernförder Bucht und liefert seit 1957 Daten aus bis zu 28 Meter Tiefe.
Auch dort zeigen sich starke Temperaturanstiege – im Durchschnitt um 0,3
Grad pro Dekade. „Seit 2010 wird die Kurve allerdings immer steiler“, sagt
Hepach der taz. „Die ganze Wassersäule erhitzt sich.“ Damit einher gehe
[2][ein starker Sauerstoffmangel:] „So krass wie dieses Jahr habe ich das
noch nicht gesehen.“
Hepach wie Kruschke sind deshalb besorgt und wissen zugleich, dass die
Ursache nicht so schnell wieder verschwinden wird. „Das Tempo der
Klimakrise nimmt zu“, sagt Kruschke. Und durch die Klimakrise steigen eben
nicht nur die Wassertemperaturen. Auch die Meeresspiegel steigen: „Auch
wenn die Menschheit es schaffen würde, ihre Treibhausgas-Emissionen noch
heute komplett einzustellen“, sagt Kruschke, „würde der Meeresspiegel
jahrhundertelang weiter ansteigen.“ Schon in optimistischeren Szenarien
laufe es [3][bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Anstieg um bis zu 70
Zentimeter hinaus.]
Tatenlos zuzusehen, mache die Sache aber nur noch schlimmer, sagt Kruschke.
Genau das aber sei oft die Realität: „Manchmal kann man den Eindruck
bekommen“, so Kruschke, „dass die Politik noch nicht vollauf begriffen hat,
wie tiefgreifend und flächendeckend sie handeln muss.“
8 Sep 2026
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