# taz.de -- Rapperin Wa22ermann: Ernüchterung, Wut und Flow
> Die aus Pakistan stammende Berliner Rapperin Wa22ermann findet auf ihrem
> Debütalbum „Knax“ den Sound für die Vielfalt der Hauptstadt.
(IMG) Bild: Die Berliner Rapperin Wa22ermann zeigt die Stadt voller Widersprüche: Gewalt und Zusammenhalt, Angst und Stolz
Bisher erfindet sich Berlin immer wieder neu. Steigende Mieten, wachsende
Obdachlosigkeit, fehlende Förderung für Bildung und Kultur: Was hält eine
Stadt noch zusammen, wenn der Raum für diejenigen kleiner wird, die ohnehin
schon weniger davon haben? Welchen Platz haben Menschen mit
Migrationsgeschichte, Menschen, die von Armut betroffen sind, in dieser
Stadt?
Kaum eine Künstlerin findet für diese Fragen einen so unmittelbaren Sound
wie die Kreuzberger Rapperin Wa22ermann. Ihre Musik erzählt von den
Biografien der Menschen um sie herum und von ihrer persönlichen Geschichte.
Nun veröffentlicht die junge Künstlerin ihr Debütalbum „Knax“.
Summan Tariq, 1999 in Pakistan geboren, kam im Alter von neun Jahren nach
Deutschland. Ihre Familie tauschte die pakistanische Villa gegen eine
Einzimmerwohnung in Kreuzberg. Ihr Bruder wurde wegen einer schweren
Erkrankung in der Charité behandelt – eine Erfahrung, von der sie zum
Auftakt des Albums bei „Intro/Normal“ erzählt.
War der Ton des ersten Songs wie „Maybachufer“ noch für dröhnende
Partynächte gemacht, schließt der Sound ihres Albums nun die Wohnungstür
nach diesen Exzessen auf. Euphorie ist verflogen, Licht geht an. Zurück
bleibt Ernüchterung. Wa22ermann erzählt auf „Knax“ von Therapiestunden,
Schlaflosigkeit und Traumata, über Selbstzweifel, eine künstlerische
Karriere als Rapperin eingegangen zu sein.
## Musik wie eine Therapiesitzung
Bis kurz vor ihrer ersten Tour, rappt sie, habe sie ihre künstlerische
Absicht privat verheimlicht. Da hingen bereits ihre Plakate an den
Werbetafeln der U-Bahn. Aus diesen Erfahrungen speist sich der seelische
„Knax“, man hört ihn der Musik an. Das schafft Wa22ermann auch durch ihre
feste Stimme, bei der es sich für Zuhörende so anhört, als säßen sie direkt
neben ihr, bei einer Therapiesitzung.
Aus der trübseligen Stimmung wird jedoch bald Wut, so wie wir es von vielen
Berlinerinnen derzeit kennen. Zorn schreibt sich in politische Statements
ein. Zwar hat Wa22ermann im Song „Stadtbild“ gemeinsam mit Teuterekordz
bewiesen, dass sie politische Debatten direkt aufgreifen kann. Griffiger
klingt ihre Gesellschaftskritik aber, wenn sie die Geschichten selbst
erlebt oder beobachtet hat.
In „Dreck“ rappt sie etwa über gewalttätige Väter und über Mütter, die
Drogen konsumieren. Berliner Lebensrealitäten, Wa22ermann macht aus ihrer
Umgebung keinen romantischen Abenteuerspielplatz. Sie zeigt eine Stadt
voller Widersprüche: Gewalt und Zusammenhalt, Angst und Stolz,
Überforderung und Hoffnung.
## Ego und Ganja
In „Mr. Krabs“ heißt es etwa: „Meine Gegend riecht nach riesengroßen Egos
und nach Ganja.“ Musikalisch sind die Songs im Vergleich zu ihren EPs noch
facettenreicher geworden. Im Song „Aussortiert“ mit Tom Hengst tauchen
melodramatische italienische Chansonsamples auf. Viele Beats stammen vom
Produzenten Hägi, der unter anderem bereits mit Nura gearbeitet hat. Seine
Produktionen geben „Knax“ einen treibenden Flow.
Dazu kommen die Features, die das Album musikalisch immer wieder in andere
Richtungen öffnen. „Distanz 2“ mit Chilly Gonzales wird zur Hyperpophymne,
während „Chayas lieben Trap“ gemeinsam mit OG Lu Genreklischees durch
Zarah-Leander-Samples bricht. Wer Wa22ermann zuhört, kann viel lernen. Über
die Künstlerin, aber auch über ihre Heimatstadt Berlin, [1][die bei
Wa22ermann zum Schauplatz von unkonventionellen üblichen Erzählungen wird].
## Der Platz in der Stadt
Alltag in Kreuzberg, Migration, familiäre Schicksale, psychische
Belastungen und die Frage, wie man in dieser sich ständig verändernden
Stadt seinen Platz behauptet. „Kann sein, dass du nicht checkst, weil du
bist nicht so wie wir, wegen Musik seine Familie zu verlieren“, so
Wa22ermann. Trotz aller Härte zieht sich durch ihren Sound aber auch Demut
und Dankbarkeit. Und die Hoffnung auf Erfolg. Im Outro trifft Wa22ermann
eine alte Freundin, die sie in den Arm nimmt und sagt: „Zum Glück bist du
noch hier.“
Was macht Berlin eigentlich aus? Sounds wie von Wa22ermann, jetzt und in
Zukunft.
25 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
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