# taz.de -- Migration über den Ärmelkanal: Rechte blockieren Hafen von Portsmouth
> In Großbritannien protestieren bereits die zweite Nacht rechte
> Demonstranten gegen Boat People, wenn diese in Häfen an Land gebracht
> werden.
(IMG) Bild: Nach Anti-Einwanderungs-Protesten: Rettungswesten liegen am Straßenrand am Eastney Ferry Landing in Portsmouth, am 7.9.2026
In der südenglischen Hafenstadt Portsmouth haben Sonntagnacht hunderte
teils vermummte und schwarz gekleidete Personen gegen die dortige Ankunft
von Asylsuchenden Menschen protestiert, die auf Schlauchbooten den
Ärmelkanal überquert hatten. Es war der zweite Tag derartiger Proteste an
diesem Wochenende.
Bereits Samstagmorgen hatten Hunderte ähnlich auftretende Personen einen
unangemeldeten Protest vor dem Hafen von Dover inszeniert. Der führte bis
zur Mittagszeit zu großen Verzögerungen im dortigen Verkehr, lief jedoch
friedlich ab und führte zu keinen Festnahmen.
Beide Proteste wurden von der rechten Gruppe „Patriot Platform“ gesteuert.“
Hinter ihr steht der rechte Aktivist Daniel Thomas alias „Danny Tommo“. Er
ist ein Verbündeter des rechten anti-islamischen Aktivisten Tommy Robinson.
Thomas, dessen Organisation sich als „christlich-patriotisch“ versteht, war
laut der antirassistischen Organisation Hope not Hate bereits bei Protesten
gegen Einwanderung in den letzten zwei Jahren immer wieder aktiv und ist
für ein gewaltsames Delikt im Jahr 2016 vorbestraft. „Man habe genug der
Einwanderung der Burschen aus aller Welt“, sagte er vor den Versammelten.
Andere skandierten immer wieder „Stop the Boats.“
Die Ankunft von einem Schlauchboot mit Asylsuchenden in Portsmouth war
außergewöhnlich. Das große Schlauchboot mit 140 Personen startete nämlich
statt aus der Region um Calais aus dem 280 Kilometer westlich gelegenen
Baie de Sein nahe der Hafenstadt Cherbourg. Sowohl dieser Ort, genauso wie
die Größe des Bootes, gehen wohl auf die effektivere Kontrolle der
Küstenregion durch französische Einsatzkräfte zurück.
## Für Nigel Farage kommen die Flüchtlinge wie gerufen
Für die britischen Behörden ist die Entwicklung besorgniserregend, nicht
nur, weil die länger dauernde Überquerung lebensgefährlicher ist, sondern
auch weil das Aufnahmezentrum der Einwanderungsbehörde in der Region Dover
liegt.
Als die Asylsuchenden nach ihrer Rettung in der Marina von Eastney bei
Portsmouth an Land kamen, saßen sie dort erst mal fest. Denn sie mussten
von dort für die Fahrt in die Aufnahmezentren erst über eine Zugangsstraße
abgeholt werden, die Protestierende blockierten. Erst das Eintreffen von
Spezialkräften der Polizei aus vielen Teilen Englands und ein amtlicher
Platzverweis konnten frühmorgens die Lage wieder sichern. In der
Zwischenzeit wurden bei zwei Polizeifahrzeugen Scheiben zerschlagen.
Die britische Regierung verurteilte das Verhalten bei den beiden Protesten
als „aggressiv und einschüchternd“. Das Recht friedlich zu demonstrieren
sei für die britische Demokratie fundamental, doch dürfe es nicht in Chaos
ausarten, sagte ein Regierungssprecher.
Der durch [1][Finanzaffären] um ihn und seine Partei lädierte Chef der
rechtspopulistischen Partei Reform UK, Nigel Farage, nutze die Gelegenheit,
mithilfe des Vorfall von seinem eigenen Skandal abzulenken. Er merkte
zynisch an, dass dieses Boot in der gleichen Woche, in der Premierminister
Andy Burnham 45 weitere Sicherheitskräfte an der französischen Küste
bewilligt hätte, von Baie de Seine an die Strände von Hampshire gekommen
sei. Nur seine Partei könne die Boote zurücksenden, so Farage. Zuvor hatte
die frühere Tory-Abgeordnete und jetzige Reform-UK-Politikerin Suella
Braverman die Flüchtlingsboote in einem Interview als Invasion beschrieben.
## Regierung kündigt Ausweitung der Kontrollen an
Die britische Regierung betonte, dass man daran arbeite, die gefährlichen
Überquerungen zu verhindern, um „Ordnung an der Grenze zu schaffen.“ Die
gemeinsamen Einsätze französischer und britischer Beamt:innen hätten
seit Amtsantritt der Labour-Regierung 2024 insgesamt 48.000
Überquerungsversuche und 1.100 Boote verhindert. Die Zahl erfolgreicher
Überquerungen sei die niedrigste seit dem Jahr 2020. Man werde dennoch die
Kontrollen weiter ausweiten und Frankreich würde künftig 40 Prozent mehr
Einsatzboote an der Küste einsetzen.
7 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Spendenskandal-bei-Reform-UK/!6210372
## AUTOREN
(DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
## TAGS
(DIR) Großbritannien
(DIR) Bootsflüchtlinge
(DIR) Reform UK
(DIR) Nigel Farage
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) GNS
(DIR) wochentaz
(DIR) Politisches Buch
(DIR) Großbritannien
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ausstellung in Großbritannien: Ein Teppich, der viel über britische Ängste verrät
Der beinahe 1.000 Jahre alte Teppich von Bayeux ist ein Kulturdenkmal und
erstmals in London ausgestellt. Dort ist das Interesse an ihm riesig.
(DIR) Buch über Klimapolitik in London: Frische Brise aus England
Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, selbst asthmakrank, beschreibt in
seinem Buch „Atmen“ konkret, wie eine entschlossene Klimapolitik gelingen
kann.
(DIR) Nach dem Tod von Jason Arday: Respekt für Jason Arday, Misstrauen gegen die Presse
Tausende Menschen kritisieren bei einer Trauerkundgebung für Jason Arday in
London, Rassismus der Medien habe den Akademiker in den Suizid getrieben.