# taz.de -- Gedenken an Ratko Mladić: Letztes Geleit für den Kriegsverbrecher
> Tausende Menschen ehren bei Trauerfeierlichkeiten in Belgrad den
> verstorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladić. Serbiens Staatspräsident
> Vučić fehlt.
(IMG) Bild: Der Sarg des ehemaligen bosnisch-serbischen Kriegsgenerals Ratko Mladic vor der Beisetzung in Belgrad, Serbien, am 7. 9. 2026
Tausende Menschen haben am Montag den serbischen Kriegsverbrecher Ratko
Mladić geehrt, der vor eineinhalb Wochen in einem UN-Gefängnis gestorben
war. Dort hatte er eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Kriegsverbrechen,
Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord verbüßt.
Vor der Beerdigung auf dem Topčider-Friedhof in der serbischen Hauptstadt
Belgrad war der Sarg mit den sterblichen Überresten Mladićs in der
Sveti-Luka-Kirche (St. Lukas) im Stadtteil Vidikovac aufgebahrt. Auf dem
Sarg, flankiert von einer uniformierten Ehrenwache, lagen seine
militärische Mütze (Sajkaca), sein Säbel sowie militärische Orden.
Tausende Menschen reihten sich in die Schlange vor der Kirche ein. Viele
trugen serbische Fahnen und Bilder Mladićs. Viele waren mit aus
verschiedenen Teilen Serbiens und aus der Republika Srpska mit Bussen
angereist, die eigens bereit gestellt worden waren. Nach orthodoxem Brauch
und aus Ehrerbietung beugen sich bei solchen Begräbnissen die Trauernden
über den Sarg, bekreuzigen sich, berühren oder küssen das Holz des Sarges.
Viele Trauernde und Weggefährten weinten, verharrten im Gebet und
bekundeten Mladićs Angehörigen, seiner Frau Bosiljka und seinem Sohn Darko,
ihr Beileid.
Das Defilee sollte einige Stunden dauern – lange genug, um bewusst oder
unbewusst dem ganzen Spektakel eine historische Tiefe und Bedeutung zu
verleihen. Mladić wird neben seiner Tochter Ana begraben, die 1994, auf dem
Höhepunkt der ethnischen Verbrechen, Suizid begangen hatte.
## Der Präsident glänzt durch Abwesenheit
Nur einer wollte fehlen. Serbiens Präsident Serbiens Aleksandar Vučić blieb
dem Trauerzug fern. Als offizielle Begründung nannte er einen Staatsbesuch
des Präsidenten von Usbekistan, Schawkat Mirsijojew. Offensichtlich wollte
Vučić Vorsicht walten lassen und die EU nicht völlig herausfordern, jedoch
auch nicht mit den Seinen brechen. Serbien ist seit 2012
EU-Beitrittskandidat.
Entsprechend entschieden waren hingegen die Reaktionen aus der EU auf den
Mladić-Kult in Serbien. So sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos ihren
für diese Woche geplanten Besuch in Belgrad ab. Die Verherrlichung Mladićs
sei unvereinbar mit den Werten der EU. Dazu gehörten die Auseinandersetzung
mit der Vergangenheit, echte Versöhnung und der Respekt gegenüber den
Opfern von Kriegsverbrechen, sagte Kos. Das war mehr als eine symbolische
Protestnote.
Nur serbische Menschenrechtsaktivsten und einige Intellektuelle setzen sich
mit der serbischen Schuld an den Massenmorden in Bosnien auseinander. Sie
sehen die Feierlichkeiten als Beleg dafür, dass die serbische Gesellschaft
ihre Verantwortung für die Kriege der 1990er Jahre weiterhin keine
Vewrantwortung übernehmen will.
## Trauerfeierlichkeiten als Ablenkungsmanöver
In der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt Sarajevo nach all den
Erfahrungen der vergangenen Jahre ohnehin niemand mehr daran geglaubt, dass
in Serbien und der serbischen Entität in Bosnien – der Republika Srpska –
eine tiefgehende Diskussion über die Geschichte und die Rolle Mladićs
stattfinden würde. Die Beerdigungszeremonie lenke nur von den Massengräbern
ab, meinen einige der Kritiker wie Emir Suljagić, [1][Direktor der
Gedenkstätte für die Opfer in Srebrenica].
[2][Die Beerdigungsfeierlichkeiten dienten den serbischen Nationalisten
lediglich dazu, Mladić als einen Helden für die serbische Sache zu
präsentieren] – genauso wie der serbischen nationalistischen
Führungsschicht in der Republika Srpska. Mladić, so die Erzählung. habe die
Serben Bosniens vor den Feinden gerettet. Wenn aber Mladić als ein
Kriegsverbrecher dastünde, würde damit zwangsläufig auch die Legitimität
der Republika Srpska in Frage gestellt.
7 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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