# taz.de -- Kriegsverbrecher Ratko Mladić ist tot: Der Schlächter vom Balkan
       
       > Verurteilt wurde Mladić wegen der Belagerung Sarajevos und den
       > Menschheitsverbrechen in Srebrenica. Bis zuletzt zeigte er keine Reue.
       
 (IMG) Bild: Der bosnisch-serbische Kriegsverbrecher und ehemalige General Ratko Mladić ist tot. Aufnahme von 1993
       
       Ratko Mladić ist tot. Der Mann, dessen Name wie kaum ein anderer mit
       [1][dem Bosnienkrieg] verbunden ist, starb am 27. August 2026 in Den Haag.
       Er wurde 84 Jahre alt. Bis zuletzt saß er in der UN-Haftanstalt
       Scheveningen eine lebenslange Strafe ab. Der Schlächter des Balkan war
       verurteilt wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
       Kriegsverbrechen.
       
       Bis zuletzt hat er seine Taten nicht bereut. Am Tag seiner endgültigen
       Verurteilung versuchte er das Gericht ins Lächerliche zu ziehen. Der in
       Kalinovik geborene Mladić – 60 km südlich von Sarajevo – war seit seiner
       Kindheit mit dem Militär verbunden. Er war kein politischer Außenseiter,
       als der Krieg in Bosnien und Herzegowina begann. Nach dem Zerfall
       Jugoslawiens stieg er zum Oberkommandierenden des Heeres der serbischen
       Armee in Kroatien und Bosnien auf. Von 1992 an war er der mächtigste
       militärische Akteur auf serbischer Seite. Und er steht für die Politik der
       sogenannten ethnischen Säuberungen.
       
       Seine Armee führte einen Krieg, in dem Territorium nicht nur erobert,
       sondern Bevölkerung systematisch unterdrückt und letztlich vertrieben
       wurde. Städte wurden belagert, Dörfer zerstört und Menschen aufgrund ihrer
       nicht-serbischen Herkunft verfolgt. Über dem Krieg lag das politische
       Projekt einer möglichst ethnisch homogenen serbischen Herrschaft zuerst in
       den eroberten Gebieten in Kroatien und dann Bosniens.
       
       ## An Grausamkeit kaum zu überbieten
       
       Sein Vorgehen entsprach der sowjetischen Militärdoktrin: setze schwere
       Waffen ein, zerstöre die angegriffenen Städte, dann setze mit Infanterie
       und Freiwilligenverbänden nach. Sie sollen das Werk vollenden und Menschen
       töten, ausrauben, vergewaltigen. Perfide war sein Vorgehen gegen Städte und
       Landstriche, die sich ohne Gegenwehr den serbischen Truppen ergeben hatten.
       In den Konzentrationslagern von Prijedor wurden im Sommer 1992 allein 3.200
       Menschen ermordet.
       
       Verurteilt wurde Mladić vor allem wegen der Belagerung Sarajevos und den
       [2][Menschheitsverbrechen in Srebrenica]. Fast vier Jahre lang lag Sarajevo
       unter Beschuss. Scharfschützen und Artillerie machten das Leben der
       eingeschlossenen Zivilbevölkerung zum täglichen Kampf ums Überleben. Die
       Belagerung wurde zu einem der bekanntesten Symbole des Bosnienkrieges.
       
       Srebrenica machte Mladić endgültig zum Synonym für das Grauen des Krieges.
       Im Juli 1995 nahmen seine Truppen die von den UN zur Schutzzone erklärte
       Stadt ein. Anschließend wurden mehr als 8.000 bosniakische Männer und
       Jungen ermordet. Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden vertrieben. Der
       Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien stellte
       später fest, dass es sich um Völkermord handelte. Mladić wurde dafür
       verurteilt.
       
       ## Mythos und Hassobjekt
       
       Nach dem Krieg verschwand Mladić. Mehr als 15 Jahre lang entzog er sich der
       internationalen Justiz. Er wurde zum Mythos für einen Teil der serbischen
       Öffentlichkeit, während Angehörige der Opfer ihn als einen der
       Hauptverantwortlichen für ihre verlorenen Familien betrachteten. Erst am
       26. Mai 2011 wurde er in Serbien festgenommen und anschließend nach Den
       Haag überstellt.
       
       2017 sprach das Tribunal das Urteil: lebenslange Haft wegen Völkermordes,
       Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. 2021 bestätigte
       die Berufungskammer das Urteil und die lebenslange Freiheitsstrafe. Für die
       Verbrechen in mehreren Gemeinden Bosniens wie in Prijedor sah das Gericht
       die Voraussetzungen für einen Genozid nicht erfüllt. Das änderte nichts an
       der rechtskräftigen Verurteilung wegen des Völkermords von Srebrenica.
       Mladić selbst akzeptierte dieses Urteil nie. Er stellte das Tribunal als
       illegitim dar und beharrte bis zuletzt auf seiner Sicht des Krieges.
       
       Damit endet nun das Leben eines Mannes, der für manche Serben bis heute als
       militärischer Held gilt, für die überwältigende Mehrheit der
       internationalen Öffentlichkeit jedoch als einer der schlimmsten
       europäischen Kriegsverbrecher seit dem Zweiten Weltkrieg. Mladić
       hinterlässt eine Region, in der der Krieg von 1992 bis 1995 zwar Geschichte
       ist, aber keineswegs Vergangenheit. Seine Opfer leben weiter mit den
       Folgen. Massengräber werden noch immer geöffnet, Tote identifiziert und
       Familien mit der Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen
       konfrontiert.
       
       27 Aug 2026
       
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 (DIR) Erich Rathfelder
       
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