# taz.de -- EU und Grönland: Auf der Suche nach einem Platz an der nordischen Sonne
> Der Beziehungsstatus zwischen der Europäischen Union und Grönland ist
> kompliziert. Nun wagt die EU einen neuen Vorstoß mit einem
> Millionen-Programm.
(IMG) Bild: Sehnsucht nach Grönland: Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen, ihr grönländischer Kollege Nielsen und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen
Die EU baut ihre Zusammenarbeit mit Grönland weiter aus. Bei einem Besuch
in der grönländischen Hauptstadt Nuuk kündigte EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen am Montag ein neues Investitionsprogramm im Wert von
200 Millionen Euro an.
Das Geld soll die [1][Erschließung kritischer Rohstoffe] sowie den Ausbau
von sicheren Internetverbindungen über Satelliten und Unterseekabel
voranbringen. Einen Teil der Mittel will die grönländische Regierung zudem
nutzen, um ihre lokale Verwaltung auszubauen. Außerdem geht es um
nachhaltigen Tourismus und Wohnungsbau.
„Grönland kann auf die EU zählen“, sagte von der Leyen. Die Arktis-Insel
sei ein „strategischer Alliierter und ein vertrauenswürdiger Freund“. Sie
betonte das Selbstbestimmungsrecht Grönlands und warnte US-Präsident Donald
Trump vor einer Annexion. „Über die Zukunft Grönlands entscheiden die
Menschen in Grönland und Dänemark. Niemand sonst.“
Ähnlich äußerte sich [2][Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen.] Das
neue EU-Programm werde die vor 40 Jahren geschlossene Partnerschaft „auf
das nächste Level“ heben, sagte sie. Grönland brauche die EU, und die EU
brauche Grönland, sagte die sozialdemokratische Politikerin.
## Bisher nur ein loses Band
Allerdings ist der Beziehungsstatus kompliziert. [3][Grönland] hat sich
1985 offiziell von der Europäischen Gemeinschaft (EWG, heute EU) abgewandt.
Zur EU gibt es nur ein loses Band – über Dänemark, zu dem Grönland als
autonome Region zählt. Neuerdings suchen die Grönländer aber wieder die
Nähe der Europäer – wegen US-Präsident Trump. Dieser hatte Anfang des
Jahres erneut Besitzansprüche [4][auf Grönland] erhoben und der EU mit
Sanktionen gedroht. Der Streit drohte zu eskalieren, als mehrere EU-Länder
– darunter Deutschland – einige Soldaten auf die Insel schickten. Die Lage
hat sich erst nach Vermittlung von Nato-Generalsekretär Mark Rutte etwas
beruhigt.
Allerdings hat Trump seinen Anspruch zuletzt wieder bekräftigt. Die
Gespräche zwischen Grönland, den USA und der Nato haben noch keine Einigung
erbracht, der Status der Insel ist weiter umstritten. Gleichzeitig hat sich
das imperiale Ringen um die Arktis, an dem auch Russland und China
beteiligt sind, intensiviert. Die EU droht ins Hintertreffen zu geraten –
[5][zumal sich Island vor einer Woche in einem Referendum gegen Gespräche
über einen EU-Beitritt] entschieden hat. Dies war ein herber Rückschlag für
die Erweiterungs-Agenda der EU, aber auch für die Arktis-Politik, die durch
den Klimawandel ständig an Bedeutung gewinnt.
Das ewige Eis schmilzt – und macht neue Seewege durch die Arktis und den
Zugriff auf kritische Rohstoffe in Grönland frei. Nun sucht nicht nur
Trump, sondern auch von der Leyen einen Platz an der nordischen Sonne.
Allerdings lässt die angekündigte neue Arktis-Strategie der EU auf sich
warten. Die letzte Fassung stammt aus 2021. Immerhin haben sich die EU,
Grönland und Dänemark auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt, in der sie
die engen historischen und politischen Bande betonen. Auch die Arktis wird
in dem Text erwähnt, aber nur am Rande. Zum Schluss betonen die Partner,
dass die Erklärung keinerlei rechtliche oder finanzielle Bindewirkung habe.
[6][Grönland] hält sich damit alle Optionen offen, während Dänemark
mehrgleisig fährt: In Nuuk sprach Frederiksen nicht nur über die EU,
sondern auch über die Nato. Zudem betonte sie, dass Dänemark auch mit den
USA enger zusammenarbeiten wolle – trotz Trumps Drohungen sehe sie die
größte Gefahr in Russland.
7 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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