# taz.de -- Künstler:innen bei Glücksgefühle: Das Festival des politischen Liedes
> Beim Glücksgefühle-Festival protestieren zahlreiche Künstler:innen
> gegen die Ausladung der Band „Alphaville“. Deren Sänger warnt vor rechten
> Tendenzen.
(IMG) Bild: „Fickt die AfD und fickt jeden, der was damit zu tun hat“: Die Rapperin Nura beim Auftritt am Hockenheimreing
dpa/taz | Die vorübergehende Ausladung der Band Alphaville vom
Glücksgefühle-Festival geht für die Veranstalter komplett nach hinten los.
Zahlreiche Künstler:innen haben am ersten Tag ihre Auftritte bei dem
Festival am Hockenheimring für klare politische Statements gegen rechts und
für die ausgeladene Band genutzt.
So hat sich der Rapper Ski Aggu für die Freiheit von Künstlern
starkgemacht. „Wenn ihr eine Meinung habt, dann lasst sie euch niemals
verbieten“, sagte er bei seinem Auftritt auf dem Musik-Event.
Es sei „absolut selbstverständlich, dass man für Werte eintritt, einsteht,
wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Freiheit“, sagte der Musiker. „Ich finde
auch, als Künstler sollte man Haltung zeigen können und dürfen. Man sollte
für die Dinge einstehen können, für die man steht.“ Er finde es „absolut
cool, wenn Künstler das machen“. Und: „Solange ich auf einer Bühne stehe,
werde ich immer für eine offene Gesellschaft stehen. Und ich will, und ich
wünsche mir, dass wir alle zusammenhalten.“
Noch weiter ging die Rapperin Nura. „Fickt die AfD und fickt jeden, der was
damit zu tun hat“, rief sie unter dem Jubel des Publikums. Besonders
echauffierte sie sich darüber, dass die Band Alphaville ausgeladen werde,
aber nicht der [1][Schlagersänger Andreas Gabalier, der seit Jahren wegen
rechte Tendenzen in der Kritik steht].
## Alphaville-Sänger warnt vor rechten Tendenzen
Auslöser der Debatte war die Bitte der Veranstalter, [2][bei Auftritten auf
dem Hockenheimring nicht über Politik zu sprechen.] Die Band Alphaville war
daraufhin zunächst ausgeladen und nach zahlreichen Medienberichten über den
Vorgang wieder eingeladen worden – sie blieb dennoch fern.
„Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung“, sagte Gold
dem Spiegel. „Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge
ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen.“
Der 72-jährige Gold warnte vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland: Es
sei höchste Zeit, „sich den demokratiefeindlichen und rechtsradikalen
Bewegungen, die immer mehr an Boden gewinnen, vehement entgegenzustellen,
bevor es zu spät ist“, sagte Gold.
## Lukas Podolski warnt die Künstler:innen
Das Festival wird seit 2023 von dem ehemaligen Fußballprofi Lukas Podolski
und Markus Krampe organisiert. Krampe hatte bereits am Freitag seine
ursprüngliche Entscheidung, Alphaville auszuladen, als Fehler bezeichnet:
„Das ist superdämlich gewesen.“ Er hätte es begrüßt, wenn die Band nach der
Wiedereinladung aufgetreten wäre – „dann hätten wir vielleicht auch ein
Zeichen setzen können“.
Ex-Fußballstar und Mitorganisator Lukas Podolski stellte sich trotz der
Kontroverse hinter seinen Partner: „Jeder macht irgendwie mal ein
Missgeschick, einen Fehler im Leben.“
Zugleich warnte er Kritiker vor Beleidigungen in sozialen Medien. Er lasse
sich nicht beleidigen oder in irgendeine Ecke stellen, sagt Podolski in
einem vom Mannheimer Morgen [3][verbreiteten Videostatement]. Er warnte
Künstler:innen und Fans davor, unvorsichtig zu sein, „weil ein Lukas
Podolski kann auch anders.“
## „Forever Young“ in allen Lagen
Zumindest auf den Bühnen des Festivals waren die Künstler:innen alles
andere als vorsichtig. Mehrere Künstler reagierten mit
Solidaritätsbekundungen für Alphaville: Sänger Tom Gregory eröffnete sein
Set mit „Forever Young“, Rapperin Nura spielte den Alphaville-Klassiker an.
Auch Ski Aggu spielte den Song. Die Mallorca-Hit-Sängerin Mia Julia sagte:
„Wir müssen den Mund aufmachen, um gewisse Augen zu öffnen.“ DJ Beauty &
the Beats sagte seinen Auftritt ab.
Auch der Kölner Männerchor Die Grüngürtelrosen sang mit Unterstützung des
Publikums „Forever Young“. Und ein Sänger des Chors rief laut und deutlich:
„Gerade an diesem Wochenende: „Scheiß AfD! Alle Hände hoch für Alphaville!“
DJ Felix Jaehn kündigte für seinen Auftritt am Samstag eine politische
Botschaft von der Bühne an. Die Band Culcha Candela will sich auf dem
Festival „notfalls mit Megaphonen“ positionieren. Auch ihr Auftritt ist für
Samstag vorgesehen.
Das Festival dauert bis Sonntag und ist nach Angaben der Veranstalter mit
250.000 Zuschauern ausverkauft. Lukas Podolski und Krampe organisieren es
seit 2023.
5 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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