# taz.de -- Einigung bei Autobauer Volkswagen: 50.000 Jobs fallen weg
       
       > Das Sanierungskonzept bei VW steht – inklusive Abbau von Stellen und
       > Werksschließung. IG Metall und Betriebsrat sehen nun den Vorstand in der
       > Pflicht.
       
 (IMG) Bild: VW muss sparen – vier Werke stehen auf der Kippe
       
       dpa | Der Volkswagen-Konzern steht vor einem einschneidenden Umbau. Europas
       größter Autobauer will in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen
       streichen, die Zahl seiner Modelle zusammenstreichen sowie weniger
       Firmenbeteiligungen halten. Vier Werke stehen weiter auf der Kippe.
       
       Der Aufsichtsrat billigte überraschend am Donnerstagabend nach wochenlangen
       Auseinandersetzungen einstimmig weite Teile eines Sanierungskonzepts des
       Vorstandes um Konzernchef Oliver Blume. Eine drohende weitere Eskalation
       zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichen Anteilseigner
       und der Arbeitnehmerseite ist damit vom Tisch.
       
       Mit der Zustimmung [1][zum Zukunftsplan 2030] des Vorstandes stelle
       Volkswagen die Weichen für einen nachhaltigen und langfristigen Erfolg des
       Unternehmens, teilte der Konzern weiter mit. „Der Zukunftsplan 2030 schafft
       die Voraussetzungen, um die Volkswagen Group und ihre Marken
       leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter
       aufzustellen.“
       
       ## Blume: Starkes Signal – Arbeitnehmer nennen Plan notwendig
       
       Konzernchef Blume sprach von einem starken Signal für die Zukunft.
       Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, der Aufsichtsrat sei überzeugt
       davon, „dass mit dessen Umsetzung die dauerhafte Zukunfts- und
       Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns gesichert wird“.
       
       Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies verwies auf enorme
       Herausforderungen für Volkswagen und die deutsche Autoindustrie. „Umso
       wichtiger ist, dass wir jetzt einen gemeinsamen Weg für die notwendige
       Transformation gehen“, sagte der SPD-Politiker.
       
       Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Erste Vorsitzende der IG
       Metall, Christiane Benner, betonte: „Mit dem nun verabschiedeten
       Zukunftsplan stellen wir uns gemeinsam mit Vorstand und Anteilseignern den
       riesigen Herausforderungen.“ Nach den Worten von Konzern-Betriebsratschefin
       Daniela Cavallo ist der Zukunftsplan „eine Notwendigkeit, um unseren
       Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit
       verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen“.
       
       ## „Tiefgreifendste Transformation“ in VW-Geschichte
       
       Der Zukunftsplan 2030 ist das nach VW-Angaben das „strategisch
       tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen
       Group“. Demnach soll für die europäischen Werke bis Ende Juni 2027 ein
       „Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur
       entwickelt werden“.
       
       Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass eine
       Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa im
       Volkswagen-Konzern bestehe und für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und
       Neckarsulm „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den
       Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden“ könne: „Für diese Werke werden
       parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft.“
       
       ## „Anpassung der Personalkapazitäten unabdingbar“
       
       Über die bestehenden Programme hinaus sei zudem eine weitere
       [2][grundlegende Anpassung] der weltweiten Personalkapazitäten nötig,
       teilte Volkswagen weiter mit. Eine konsequente Anpassung an die
       wirtschaftliche Realität sei unabdingbar, heißt es zum geplanten Abbau von
       rund 50.000 Stellen.
       
       Ferner strafft die Volkswagen Group bis 2035 ihre Modellpalette um rund 50
       Prozent, die Angebotskomplexität um rund 75 Prozent. Der Fokus werde auf
       attraktivste Fahrzeuge gelegt. Angestrebt werden zudem „schlankere
       Führungsstrukturen“ und „kürzere Entscheidungswege“.
       
       Das Portfolio der Beteiligungen und Geschäfte werde „konsequent auf ihren
       strategischen und wirtschaftlichen Beitrag zum Kerngeschäft reduziert“. Es
       soll um rund ein Drittel gestrafft werden.
       
       ## IG Metall und Konzernbetriebsrat: Eskalation verhindert
       
       IG Metall und Konzernbetriebsrat betonten in einer gemeinsamen Reaktion,
       eine Eskalation sei verhindert worden. Der Vorstand müsse jetzt seine
       Hausaufgaben machen. Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und
       der VW-Komponente ist aus ihrer Sicht vom Tisch. Kein Werk sei aufgegeben
       und keine Werksschließung besiegelt worden, betonten Benner und Cavallo.
       Gewerkschaft und Betriebsrat wiederholten aber [3][eine zentrale Kritik]:
       „Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstandes in den
       vergangenen Wochen war nicht zielführend.“
       
       ## Experte sieht leichte Entspannung, aber keinen Frieden
       
       Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Zukunftsplan als
       Light-Version. „Die Werkschließungen sind nicht beschlossen, aber auch
       nicht ausgesetzt“, sagte er. Immerhin sei der Kompromiss besser als die
       quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen 24 Monate.
       
       Jetzt gehe es darum, in den nächsten Monaten über Verbesserungen,
       Produktpläne oder Werkschließungen zu sprechen. Aus Sicht des
       Branchenkenners dürfte also eine bestimmte Entspannung einkehren, aber noch
       lange kein „Frieden“.
       
       4 Sep 2026
       
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