# taz.de -- Bedrohtes VW-Werk in Zwickau: Und die AfD reibt sich die Hände
> Auch nach dem Beschluss des Aufsichtsrats ist die Zukunft mehrerer
> Standorte ungewiss. Zwickau dürfte die schlechtesten Karten haben – das
> ist fatal.
(IMG) Bild: Hier werden AfD-Stimmen produziert: Volkswagenwerk Zwickau
Überraschend schnell hat sich der Aufsichtsrat von VW auf drastische
Maßnahmen geeinigt: Seit Donnerstagabend ist klar, dass weitere 50.000
Arbeitsplätze im Konzern gestrichen werden – wie schon 2024. Unklar ist
weiter die Zukunft von vier Standorten. Aber schon jetzt kann
prognostiziert werden, dass der traditionsreiche Auto-Standort [1][Zwickau
in Sachsen die schlechtesten Karten hat:] Realistisch dürfte das Szenario
sein, dass Zwickau am Ende geopfert wird, um die Werke in Emden und
Hannover zu retten. Die stehen dem VW-Anteilseigner Niedersachsen natürlich
näher als das Werk in Sachsen.
Die Auswirkungen werden für Sachsen und den Osten insgesamt katastrophal
sein – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für das gesellschaftliche
Klima. Mit einer Schließung würden 120 Jahre sächsische
Autoindustriegeschichte einfach mal geschreddert werden.
Einst war Sachsen einer der bedeutendsten Standorte; der Chemnitzer Konzern
Auto-Union, zu dem Audi gehörte, war einmal der zweitgrößte Autohersteller
in Deutschland. Audi ging nicht nach Bayern, weil es da so schön ist,
sondern wegen der deutschen Teilung.
Das Signal, das gesendet wird, ist wieder einmal: Mit den Ossis kann man es
ja machen, die werden sich schon nicht groß wehren. Doch, das tun sie, seit
Längerem in Form einer vermehrten Stimmabgabe für die AfD. Die sächsische
AfD dürfte sich mit Blick auf die nächste Landtagswahl in dem Bundesland
die Hände reiben, nimmt die Partei doch seit Längerem die Kümmererrolle für
die gekränkte Ostseele ein. Der Fall VW bestätigt leider die „Die da
oben“-Gefühle.
Eine Schließung wäre geradezu irrwitzig: Zwickau ist ein hochmoderner
Standort, [2][der komplett auf E-Autos setzt]. Und genau das ist die
Zukunft. 8.000 gut bezahlte Arbeitsplätze mit Tariflohn, von denen es im
Osten nicht viele gibt, würden verloren gehen; Zulieferer wären auch
betroffen. Und an die gerichtet, die sagen, dass die VW-Löhne zu hoch
seien: In Zwickau sind die Gehälter niedriger als in westdeutschen
VW-Werken.
Volkswagen muss dringend seiner sozialen Verantwortung, die der Konzern
sonst gern proklamiert, gerecht werden und gerade Zwickau halten.
4 Sep 2026
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