# taz.de -- VW-Werk Osnabrück: Rüstungsdeal soll Volkswagen retten
> VW will das Werk in Osnabrück halten und verhandelt mit dem israelischen
> Iron-Dome-Hersteller. Für die „Friedensstadt“ ein Problem, sagen
> Kritiker*innen.
(IMG) Bild: So sieht es aus, wenn das israelische Abwehrsystem Iron Dome Raketen abfängt: Der Hersteller könnte ins VW-Werk Osnabrück einsteigen
Noch ist das Werksgelände von Volkswagen in Osnabrück das Territorium der
Cabrioversion des Kompakt-SUV T-Roc. Doch damit ist bald Schluss. Im Sommer
2027 läuft die Produktion ersatzlos aus. Wie es danach für die rund 2.000
Beschäftigten weitergeht, ist unklar. Man prüfe „tragfähige Perspektiven“,
heißt es schwammig auf der Werkswebsite.
[1][Rüstungsproduktion wird immer wahrscheinlicher]. Pikantes Detail:
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), Verfechter der Idee,
Deutschland müsse „bis 2029 kriegstüchtig sein“, war einst
Oberbürgermeister Osnabrücks, die nicht müde wird, ihr pazifistisches Erbe
zu betonen – wenn nicht gerade Arbeitsplätze erodieren.
Jetzt wird der Einstieg des staatlichen, israelischen Rüstungsunternehmens
„Rafael Advanced Defense Systems“ (Rafael) diskutiert. Für europäische
Abnehmer seines [2][Raketenabwehrsystems „Iron Dome“] könnten in Osnabrück
Transportfahrzeuge, Abschussvorrichtungen und Stromgeneratoren gebaut
werden, so die britische Tageszeitung Financial Times. Das hat das Netzwerk
„Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ auf den Plan gebracht, mehr
als 100 Organisationen stehen dahinter.
„Für Osnabrück als selbsternannte ‚Friedensstadt‘ wäre das ein dramatischer
Rollback“, sagt Jürgen Grässlin als Sprecher des Netzwerks der taz. „Lange
Jahrzehnte ist man stolz auf dieses Label, und jetzt hat man offenbar kein
Problem damit, zur kriegsunterstützenden Kriegsstadt zu verkommen. Zu einer
Stadt, die in die Kriegsmaschinerie involviert ist. Das ist eine
Zeitenwende der schlimmen Art. Der Duktus der ‚Friedensstadt‘ wäre
zukünftig total unglaubwürdig.“
Hier werde ein ziviler Autokonzern gegen einen israelischen Hersteller von
sogenannten Verteidigungssystemen ausgetauscht, „der massiv involviert ist
in die schwerst menschenrechtsverletzenden Aktivitäten seines Staates, u.
a. in Gaza und im Westjordanland“, sagt Grässlin. „Das ist moralisch
außerordentlich bedenklich.“
Vor der Osnabrücker Haustür spiele sich, geradezu exemplarisch, ein Stück
Weltgeschichte ab: „Schließlich heißt es ja in aller Welt, wir brauchen
Aufrüstung zur Sicherung von Freiheit, Frieden und Demokratie. Die
Konversion hin zur Kriegsproduktion sei nicht schlimm, es handle sich
schließlich nur um Defensivwaffen. Die Realität der Schlachtfelder aber ist
eine andere: Jede Waffe, ob defensiv oder offensiv, ist Teil einer
Gesamtkriegsstrategie.“
Auch [3][Russlands Überfall auf die Ukraine] wird dafür oft ins Feld
geführt: „Vielfach heißt es, als Nächstes sei der Westen dran, das Baltikum
vielleicht oder Deutschland“, sagt Grässlin. „Aber das ist faktisch
völliger Unsinn. Laut einer Studie von Greenpeace ist die Nato – sogar ohne
die Supermacht USA – Russland bei der konventionellen Aufrüstung weit
überlegen.“
Das israelische Unternehmen Rafael ist nicht der erste Rüstungskandidat für
den VW-Standort Osnabrück. Der deutsche Konzern [4][Rheinmetall war im
Gespräch]. Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS auch. VW hatte
sich sogar selbst an Rüstungsgütern versucht: [5][Anfang 2026 wurden hier
Prototypen für Militärfahrzeuge entwickelt], der MV.1 auf Basis des
Pick-ups VW Amarok und der MV.2 auf Basis des Transporters VW Crafter.
## Lokaler Widerstand gegen Rüstungsproduktion
Teil des lokalen Widerstands gegen Rüstungsproduktion ist die einst gegen
die Rheinmetall-Pläne gegründete Osnabrücker Antimilitarismus-Initiative
„Rausmetall!“, die in guerillahafter Kreativität [6][gewaltaffine Orte im
Stadtraum temporär umgestaltet], zuweilen zum Unmut von Stadt und
Staatsanwaltschaft. Sie will „nicht nur ein Osnabrück, sondern eine Welt
ohne Rüstungsindustrie“, teilt sie mit.
„Die Stadt zerstört ihre Friedenstradition, wenn sie den Umbau ihres
größten Betriebs in eine Waffenfabrik zulässt“, schreibt Marie Dominique
Guyard von der [7][Osnabrücker Friedensinitiative (OFRI)] in einer
Erklärung. Statt den Rafael-Einstieg zu unterstützen, wäre das Land
Niedersachsen, das 20 Prozent des VW-Konzerns besitzt, „besser beraten, das
Geld für einen sozialen, umweltverträglichen und zukunftsträchtigen Umbau
des Werks zu nutzen“. Die Produktion für eine israelische Rüstungsfirma
bedeute, so Guyard, „eine faktische Unterstützung der Kriege, die der Staat
Israel gegen die Palästinenser, den Libanon und gegen den Iran führt“.
Für das Land Niedersachsen käme eventuell ein Einstieg beim VW-Standort
Osnabrück infrage, möglicherweise zusammen mit dem Bund und einer weiteren
Beteiligung von Volkswagen. „Wir prüfen derzeit, ob und in welcher Form
eine Beteiligung an einer möglichen industriellen Zukunftslösung für den
Standort Osnabrück in Betracht kommen kann“, sagte Ministerpräsident Olaf
Lies (SPD) vor ein paar Tagen. Beschlossen ist aber noch nichts. Die
nächste VW-Aufsichtsratssitzung steht unterdessen am Freitag an, auf der
Tagesordnung steht: die Sanierung des Konzerns.
1 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Konversion-zu-Ruestungsunternehmen/!6182197
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Iron_Dome
(DIR) [3] /Russlands-Ueberfall-auf-die-Ukraine/!6144640
(DIR) [4] /Neue-Aufgabe-fuer-Autofabrik/!6079840
(DIR) [5] /Ruestungsproduktion-bei-VW-in-Osnabrueck/!6162104
(DIR) [6] /Kritik-an-Rheinmetall-Niederlassung/!6133115
(DIR) [7] https://www.osnabruecker-friedensinitiative.de/
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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