# taz.de -- Eklat um „Volksbad“ der Volksbühne: Wütend auf Nazis sein
> In der Volksbad-Debatte passiert eine inakzeptable Wut-Verschiebung hin
> zu den Betroffenen. Dabei war der Auslöser ein rechter Shitstorm.
(IMG) Bild: Nazis nass machen und wütend bleiben
Es ist total okay, wütend auf Nazis zu sein. Man muss diese Wut nicht an
anderen Linken auslassen. Wie ich darauf komme? Volksbad! Genau drei Wochen
ist es her, dass eine Veranstaltung für Schwarze Kinder und Jugendliche an
einem Berliner Theater abgesagt werden musste. Der Grund dafür war ein
[1][orchestrierter rechter Shitstorm]. Das war sie auch schon, die Liste
der Gründe.
Daraus folgt, dass wir darüber diskutieren müssen, wie wir in anderen
aktuellen Fällen und in Zukunft auf derartige Angriffe reagieren können. Im
Visier stehen Kunst und Kultur, marginalisierte Communities, NGOs, Vereine,
Stadtfeste, Demos und Pride-Paraden.
Wir müssen über physische [2][Schutzmaßnahmen] reden, rechtliche
Absicherung und Krisenkommunikation. Überhaupt sollten wir schleunigst
herausfinden, wie wir besser aufeinander aufpassen können. Und wie wir
Organisator*innen unterstützen können, die trotz, wegen und gegen den
Druck von rechts freie Kunst ermöglichen, politische Veranstaltungen
durchführen oder Angebote wie Community-Events und Safer Spaces für von
Diskriminierung betroffene Gruppen machen wollen.
## Diskursverschiebung
Das passiert bereits. Was aber seit der uns [3][aufgezwungenen
Volksbad-Debatte] auch passiert, ist eine inakzeptable Wut-Verschiebung hin
zu den Betroffenen sowie Victim-Blaming: Man hätte doch wissen müssen, was
man mit dieser Veranstaltung auslöst, man hätte das doch auch anders
ankündigen können und warum wurde die Schwarze Community überhaupt ins
Volksbad eingeladen?
Die Antwort darauf ist bezeichnenderweise die gleiche wie auf die Frage:
„Aber warum war sie denn auch so leicht bekleidet?“ Weil es warm war, weil
es schön ist und weil das keine Einladung für einen Übergriff ist.
Zu diesen unangebrachten Fragen nach der eigenen Verantwortung oder
Mitschuld aus Fahrlässigkeit kamen auch schwere Vorwürfe, die in Richtung
Verschwörungstheorien ausuferten. Das Ganze sei eine Theaterinszenierung
oder PR-Aktion gewesen, der Shitstorm bewusst miteinkalkuliert, Schwarze
Jugendliche sollten ausgestellt werden. Absurd!
## Nazis machen Nazisachen
Es ist nicht einfach, sich einzugestehen, dass man nicht alles unter
Kontrolle hat. Da kann es erleichternd sein, im Auge eines rechten
Shitstorms den Auslöser bei den eigenen Leuten zu suchen. Denn falls die
Verantwortung bei uns liegt oder bei denen, die uns nahe stehen, mit denen
wir im Gespräch sind, dann würde das bedeuten, dass wir noch Kontrolle
haben. Dass wir beeinflussen können, ob und wie hart uns rechte Gewalt
trifft.
Zu sagen: „Nazis machen Nazisachen, und die fallen immer öfter auf so
fruchtbaren Boden, dass wir dem ausgeliefert sind – egal, was wir tun“, ist
keine ermutigende Erkenntnis. Es ist beängstigend und demütigend. Da stellt
man sich lieber vor, der rassistische Mob wäre fahrlässig oder gar
absichtlich provoziert worden.
Die Alternative wäre, den Gedanken zuzulassen, dass rechte Netzwerke so
effektiv sind und Rassismus in diesem Land so intensiv und weit verbreitet
ist, dass das, was Betroffene tun oder nicht tun, kaum Einfluss hat. Es sei
denn, wir hören ganz auf zu existieren.
Ja, es kann jeden treffen. Alle, die nicht ins rechte Weltbild oder
Stadtbild passen. Diese Erkenntnis ist wichtig, damit wir uns gemeinsam
solidarisch und strategisch dagegen stellen können.
4 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwimmbecken-vor-der-Volksbuehne-Bild-und-AfD-hetzen-gegen-schwarze-Community/!6203768
(DIR) [2] /Kundgebung-nach-Volksbad-Eklat/!6206118
(DIR) [3] /Volksbad-der-Volksbuehne/!6204600
## AUTOREN
(DIR) Simone Dede Ayivi
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