# taz.de -- Geburtenrückgang in Deutschland: Keinen Bock mehr
       
       > Frauen bekommen immer weniger Kinder. Viele Frauen haben keine Lust mehr,
       > sich über die Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit zu streiten.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild aus patriachaleren Tagen, und niemand mehr hat Bock darauf
       
       Immer [1][weniger Frauen hierzulande werden Mütter]. Liegt das „nur“ an
       Zukunftsängsten, wirtschaftlicher Unsicherheit? Am Wunsch, sich zu
       individualisieren? Oder gibt es zu wenige progressive Männer, und Frauen
       haben immer weniger Lust, sich mit unverbesserlichen Anhängern des
       Patriarchats auseinanderzusetzen? Denn sie wissen mittlerweile, dass sie
       die horrenden systemischen Gender Gaps als Mitgift bei der Familienplanung
       mitbekommen.
       
       Viele kluge Podcasts und Publikationen sorgen dafür, geschlechterbedingte
       Lücken aufzuzeigen: Autorinnen wie Jo Lücke, Mareice Kaiser, Leonie Schöler
       zeigen in Gesellschaftsanalysen messerscharf, weshalb wir heute immer noch
       keine Gleichberechtigung haben. Dafür reicht auch der [2][Blick auf den
       Rentenbescheid]: Frauen, die Care-Arbeit leisten, sind krass im Nachteil.
       Wenn eine Mutter dreier Kinder nach 25 Jahren Tätigkeit im frauentypischen
       Pflege- und Kulturbereich etwa 12 Entgeltpunkte erzielt, hat sie eine
       Rentenerwartung um die 450 €. Wie soll frau davon leben können?
       Nichtsorgende Menschen können sich dagegen entspannt zurücklehnen, ihr
       Durchschnittseinkommen von jährlich 51.000 Euro ergibt Jahr für Jahr einen
       vollen Rentenpunkt.
       
       Es gehört zum System, Frauen in monetärer Abhängigkeit zu halten, damit sie
       sich unbezahlt kümmern. Und die Männerwelt profitiert. Oder wie ist der
       seit Jahren stabile Gender Care Gap anders zu interpretieren? Frauen
       verrichten knapp drei Viertel mehr Sorgearbeit als Männer und schränken
       dadurch trotz Topausbildung ihre Erwerbstätigkeit ein. Das sorgt
       zwangsläufig für eklatante Einbußen beim Lebenserwerbseinkommen und der
       Altersabsicherung. Motiviert das, eine Familie zu gründen?
       
       Da ist es nur verständlich, dass sich junge Frauen reproduktiv verweigern.
       Wie wäre es, wenn Care-Arbeitende pro Jahr einen halben Renten-Entgeltpunkt
       extra für ihre Leistungen bekämen? Bis dahin könnte [3][jeder Vater beherzt
       ein deutliches Mehr an Sorgearbeit leisten] und damit proaktiv den Care Gap
       abbauen.
       
       3 Sep 2026
       
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