# taz.de -- Nach der Militärmeuterei in Niger: Algerien bringt sich als Schutzmacht ins Spiel
> Die Regierung in Algier stationiert Elemente ihrer Luftwaffe in Nigers
> Hauptstadt Niamey. Noch am Vortag wurde just dort eine Meuterei
> niedergekämpft.
(IMG) Bild: Ein algerischer Kampfjet, hier bei der Eskorte des Papstes bei dessen Landung in Algier im April. Vier davon stehen jetzt in Niamey
Der niedergeschlagene Militäraufstand gegen das Militärregime in Niger
führt zu geopolitischen Verschiebungen. Algerien hat am späten Sonntag vier
Kampfjets des russischen Typs Suchoi SU-30 samt Piloten und
Luftwaffenpersonal mit einem Transport- und einem Tankflugzeug nach Niger
geschickt.
Die zwei Doppelpatrouillen würden auf Anweisung des algerischen Präsidenten
und „auf Bitten der nigrischen Autoritäten“ in einer „Mission zur
Unterstützung der nigrischen Armee“ stationiert, [1][erklärte das
Verteidigungsministerium in Algier]. Algerien setze damit sein Engagement
für „Sicherheit und Stabilität“ in der Region um.
Die Maschinen aus Algier landeten auf der Luftwaffenbasis „Base 101“ am
Flughafen von Nigers Hauptstadt Niamey nur einen Tag nach deren
Rückeroberung von meuternden Soldaten. Mehrere Militäreinheiten waren in
Niger in der Nacht zum Samstag in den Aufstand getreten; Präsident
Abdourahamane Tiani schlug die Meuterei im Laufe des Tages mit russischer
Hilfe nieder.
Während Russlands Einsatz diskret verlief, inszenierte Algerien seine
Unterstützungsmission als mediales Großereignis. [2][Vor laufenden Kameras]
begrüßten Nigers hohe Generäle das Kontingent aus Algerien unter Kommando
des algerischen Luftwaffenchefs. Nigers Premierminister [3][bedankte sich
ausführlich] beim „Bruderland, Freund und Nachbarn“.
Es ist die erste algerische Militärstationierung im Ausland seit der
Unterstützung Ägyptens im Krieg gegen Israel 1973. Bis 2020 verbot die
algerische Verfassung jegliche Auslandseinsätze. Angesichts der zunehmenden
Instabilität bei den südlichen Nachbarn gibt Algerien jetzt seine
Zurückhaltung auf.
## Zusammenarbeit von Terror bis Erdgas
Erst am 9. August hatte Algerien vier Kampfhubschrauber an Nigers Militär
übergeben. Die Regierungen beider Länder nähern sich seit einigen Monaten
an. Im Februar hatte Nigers Präsident Tiani Algerien besucht. Algerien
engagiert sich in der Ölförderung in Niger, und im Juni vereinbarten beide
Länder, das jahrzehntealte Projekt einer [4][Transsahara-Gaspipeline] aus
Nigeria über Niger nach Algerien bis ans Mittelmeer wiederzubeleben.
Algerien will damit in erster Linie Marokko Konkurrenz machen, das zuletzt
deutlich engagierter in Westafrika ist. Nigers Nachbar Mali, ebenfalls
unter Militärherrschaft, erkannte vor wenigen Monaten sogar Marokkos
Kontrolle der Westsahara an.
Daraufhin schaute Algerien untätig zu, als Rebellen in Mali im April nahe
der algerischen Grenze zur [5][Großoffensive gegen Malis Regierungsarmee]
schritten. Algerien beherbergt flüchtige malische Oppositionelle und ärgert
sich immer noch, dass Malis Militärregierung 2024 das einst in Algier
ausgehandelte Friedensabkommen für Mali aufkündigte, woraufhin Malis
Tuareg-Separatisten wieder in den Krieg gemeinsam mit radikalen Islamisten
zogen – für Algerien ein Sicherheitsproblem.
Im Juli nahmen die Präsidenten Algeriens und Malis direkten Kontakt auf,
unter anderem vermittelt von Niger und von Russland, das mit beiden
Regierungen befreundet ist. Die diplomatischen Beziehungen wurden wieder
aufgenommen und beide Länder haben ihren Luftraum für das jeweils andere
geöffnet. Auf Algeriens Öffnung nach Mali folgt nun die Öffnung nach Niger.
In beiden Ländern nutzt Algerien die Schwäche der Militärregierungen, um
sich als Schutzmacht ins Spiel zu bringen.
In Niger setzt Algerien deutlicher einen militärischen Akzent als in Mali.
Die in Niamey stationierten Kampfjets samt Zubehör zusammen mit den zuvor
gelieferten Kampfhubschraubern stellten den Kern einer möglichen autonomen
Eingreifkapazität Algeriens in Niger dar, [6][schreibt Akram Kharif vom
Fachmedium Menadefense]. Auch wenn noch unklar sei, ob Algerien sein Gerät
in Niamey auf Dauer stationiere, „stellt Algier unter Beweis, dass es jetzt
im Krisenfall dazu fähig ist, schnell kampffähige Einheiten jenseits seiner
Grenzen zu entsenden. Algerien hat seine strategischen Grenzen einige
hundert Kilometer nach Süden verschoben.“
31 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://anp.ne/le-niger-renforce-sa-flotte-aerienne-avec-quatre-avions-de-chasse-dans-le-cadre-de-sa-cooperation-avec-lalgerie/
(DIR) [2] https://x.com/SahelAlerte/status/2094157488161775871
(DIR) [3] https://anp.ne/le-niger-renforce-sa-flotte-aerienne-avec-quatre-avions-de-chasse-dans-le-cadre-de-sa-cooperation-avec-lalgerie/
(DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/Trans-Saharan_gas_pipeline
(DIR) [5] /Grossoffensive-von-Rebellen-in-Mali/!6174059
(DIR) [6] https://akramkhariefmenadefense.substack.com/p/a-niamey-lalgerie-sort-de-sa-reserve
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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