# taz.de -- Putschversuch in Niger: Die Truppe wagt den Aufstand gegen die Generäle
       
       > Nigers Militärregierung schlägt eine Soldatenrevolte nieder, nach
       > schweren Kämpfen in der Hauptstadt Niamey. Russland eilt ihr zur Hilfe.
       
 (IMG) Bild: Alles wieder unter Kontrolle? Ein Soldat schaut nach, an einem Checkpoint in Niamey
       
       Die Armee in Niger stellt gegen ihre eigene Regierung die Machtfrage. Eine
       Revolte von Teilen der Streitkräfte bringt seit Samstag das Militärregime
       von [1][Präsident Abdourahamane Tiani] in Bedrängnis. Nach offiziellen
       Angaben ist der Aufstand gescheitert, doch am Sonntagnachmittag war Tiani
       noch immer nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Die Lage blieb
       unübersichtlich.
       
       Am frühen Samstag morgen sah es in dem bitterarmen Sahelstaat, wo seit 2023
       [2][das Militär regiert], nach einem klassischen Putsch aus. Soldaten
       riegelten die Zufahrten zum Präsidentenpalast und zum Staatsfernsehen ab.
       Am internationalen Flughafen der Hauptstadt, wo sich Nigers wichtigste
       Luftwaffenbasis „Base 101“ befindet, wurde schon seit der Nacht geschossen.
       
       Die „Base 101“ beherbergt nicht nur nigrische Streitkräfte, sondern auch
       ein Kontingent des russischen Afrikacorps. Bereits im Januar sowie im Juni
       war der Flughafen [3][Ziel von Großangriffen des „Islamischen Staates“
       (IS)]) gewesen. Der IS, die rivalisierende islamistische Rebellengruppe
       JNIM (Gruppe zur Verteidigung des Islams und der Muslime) und auch die aus
       Nigeria stammende islamistische Terrorgruppe Boko Haram kämpfen in mehreren
       Regionen Nigers gegen das Militär und auch gegeneinander. JNIM und IS sind
       auch in Mali und Burkina Faso aktiv.
       
       In allen drei Ländern herrschen autoritäre, von Russland unterstützte
       Militärregierungen, die [4][mit extremer Gewalt gegen Rebellen vorgehen]
       und damit dieses Jahr eher an Boden verlieren. Erst im April gelang JNIM,
       verbündet mit Malis Tuareg-Rebellen, ein [5][Großangriff auf Malis
       Hauptstadt Bamako und die Einnahme mehrerer Städte]. Auch in Niger hat die
       Gewalt deutlich zugenommen. Die Unzufriedenheit in den Streitkräften der
       drei Länder, die sich von ihren jeweiligen Militärputschen eine
       Verbesserung ihrer Lage erhofft hatten, nimmt zu.
       
       ## Gefangenaustausche und fette Lösegelder
       
       Eine medial inszenierte Serie von Gefangenenaustauschen hat zuletzt Fragen
       aufgeworfen. Erst am Freitag konnte der im April in Niger gefangen
       genommene Mitanführer der Tuareg-Rebellengruppe FLA (Front zur Befreiung
       von Azawad), Inkinane Ag Attaher, triumphal in der von Rebellen
       kontrollierten malischen Stadt Tinzaouaten [6][seine wiedergewonnene
       Freiheit feiern]: er war zusammen mit JNIM-Kämpfern in Niger gegen 62
       Soldaten aus Mali, zwölf aus Niger und sieben aus Burkina Faso ausgetauscht
       worden. Nigers Präsident Tiani höchstpersönlich hatte den Deal eingefädelt.
       
       In den Monaten zuvor gab es mehrmals Berichte, wonach ausländische
       Regierungen Millionensummen zahlen, um [7][Geiseln von Islamisten
       freizukaufen]. Die Tuareg-Rebellen der FLA haben demnach am 20. August 35
       Millionen US-Dollar für zwei Russen erhalten, die Islamisten von JNIM
       bereits im November 2025 50 Millionen für einen pensionierten General aus
       den Vereinigten Arabischen Emiraten.
       
       Mitte August lobte US-Präsident Donald Trump die Freilassung des im Oktober
       2025 vom IS in Niamey auf dem Weg zum Flughafen entführten US-Amerikaners
       [8][Kevin Rideout] – angeblich flossen dafür 12 Millionen US-Dollar,
       bezahlt vom ostlibyschen Warlord Khalifa Haftar.
       
       ## Meuterer aus mehreren Regionen Nigers
       
       Für einheimische Soldaten, die täglich bei Terrorangriffen den Kopf
       hinhalten, dürfte all dies frustrierend sein. Nigrischen Analysten zufolge
       schlossen sich jetzt Militäreinheiten aus mehreren Teilen Nigers gegen die
       Militärregierung zusammen. Sie kamen insbesondere aus Dosso und Tillabéri,
       zwei relativ dichtbesiedelte Nachbarregionen der Hauptstadt mit besonders
       vielen Anschlägen und Überfällen.
       
       Die Meuterer übernahmen zwar die Kontrolle über die wichtige „Base 101“ und
       eine weitere Militäreinrichtung in Niamey. Es gelang ihnen aber nicht, den
       Präsidentenpalast einzunehmen oder einen Staatsstreich zu proklamieren. Sie
       konnten offenbar auch weder die Präsidialgarde, die bestausgestattete
       Einheit der Streitkräfte, noch die für die Kontrolle der Straßen
       entscheidende Gendarmerie auf ihre Seite ziehen.
       
       Das Staatsfernsehen verbreitete am Samstag [9][in seinen Abendnachrichten]
       Aufnahmen von angeblichen Meuterern, die sich ergeben oder gefesselt am
       Boden liegen. 20 Minuten nach Mitternacht in der Nacht zum Samstag, so die
       TV-Darstellung, hätten „gesetzlose“ Militärangehörige an mehreren Stellen
       der Hauptstadt Angriffe verübt und versucht, ihre Kameraden
       gefangenzunehmen. Das sei ihnen aber nicht gelungen. Ein Kommentator machte
       „französischen Imperialismus“ verantwortlich.
       
       Unabhängige Berichte sprechen von schweren Kämpfen im Laufe des Samstags.
       Die Aufständischen sollen auch Kontakt mit Russlands Vertretren aufgenommen
       haben, in der Hoffnung auf russische Unterstützung für einen Umsturz. Das
       klappte offensichtlich nicht, das russische Eingreifen auf der „Base 101“
       besiegelte das Scheitern des Aufstands. Russlands Botschafter in Niger
       bestätigte den Einsatz zugunsten der Regierung am Sonntag.
       
       Erstmals gingen damit russische Kämpfer in einem Sahelstaat nicht gegen
       bewaffnete Gruppen vor, sondern gegen Teile der Armee. Ob das gut geht, ist
       noch offen. Am Sonntagnachmittag entsandte Algerien, das Nigers
       Militärregierung unterstützt, vier russische Sukhoi-Kampfjets, die den
       Flughafen von Niamey überflogen. Und die Zufahrtsstraßen in die Hauptstadt
       blieben am Sonntag gesperrt.
       
       30 Aug 2026
       
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