# taz.de -- Hintergründe der Kämpfe in Niger: Die radioaktiven Fässer auf der „Base 101“
> Die umkämpfte Luftwaffenbasis am Flughafen von Nigers Hauptstadt Niamey
> ist nicht nur militärisch wichtig. Es lagern dort 1.000 Tonnen
> Urankonzentrat.
(IMG) Bild: Satellitenaufnahme der „Base 101“ am Flughafen von Niamey vom Januar 2026. Zu sehen ist eine russische Iljuschin-Transportmaschine
Die heftigsten Kämpfe in Niger an diesem Wochenende fanden am logistisch
wichtigsten Ort des Landes statt: [1][„Base 101“], der militärische Teil
des internationalen Flughafens von Nigers Hauptstadt Niamey. Von der einst
von Frankreich gebauten Luftwaffenbasis mit zwei großen
Start-und-Lande-Bahnen flogen in der Vergangenheit Frankreich und die USA
Kampfjet- und Drohneneinsätze gegen bewaffnete Islamisten, zwischen 2016
und 2024 war dies der zentrale [2][Lufttransportstützpunkt der Bundeswehr]
für deren Einsatz in Mali. Aktuell sind auf „Base 101“ mehrere hundert
Kämpfer aus Russland und 350 Soldaten aus Italien stationiert.
Seit Dezember 2025 lagert auf „Base 101“ außerdem eine ganz besondere
Fracht: 34 Lastwagen mit jeweils zwei Containern, auf denen Schilder mit
Warnungen vor Radioaktivität kleben. In den Containern: Fässer mit jeweils
400 bis 600 Kilogramm „Yellowcake“, exportfähiges 75-prozentiges
Urankonzentrat. Von rund 1.000 Tonnen ist die Rede. Eine einzige Tonne
davon bringt nach französischen Angaben auf dem Weltmarkt 190.000
US-Dollar; insgesamt wären das theoretisch 190 Millionen Dollar, fast 1
Prozent des nigrischen BIP.
Wem dieses Uran gehört, darüber wird vor Gericht gestritten. [3][Mit Nigers
Uran] in der Saharawüste baute Frankreich einst sein riesiges
Atomkraftprogramm auf, Niger bleibt für Frankreich ein wichtiger Lieferant.
In der Bergbaustadt Arlit nahe der algerischen Grenze stellte bis 2024 eine
französische Raffinerie aus dem Uranerz bis zu 2.000 Tonnen Yellowcake im
Jahr her. Einmal im Monat rollten Lastwagenkonvois voll radioaktiver
Container Tausende Kilometer bis nach Cotonou an Benins Atlantikküste zur
Verschiffung nach Frankreich.
Die antiwestlichen Militärputschisten, die 2023 in Niger die Macht
ergriffen, beendeten nicht nur Frankreichs Militärpräsenz, sondern auch
Frankreichs Bergbaupräsenz. Im Juni 2025 wurde das Joint Venture „Somair“
des mehrheitlich staatlichen französischen Uranförderers Orano und Nigers
Staat, das die Minen formal betreibt, komplett verstaatlicht.
## Frankreich und Niger streiten vor Gericht
Orano verlor seine Förderrechte, sein Landeschef saß ein halbes Jahr lang
in Haft. Die Franzosen hätten ihre Verpflichtungen gebrochen, so die
Begründung: Im Oktober 2024 hatte die Raffinerie von Arlit den Betrieb
einstellen müssen, da aufgrund der regionalen Sanktionen gegen Niger seit
dem Militärputsch gegen Niger die nötigen Chemikalien nicht mehr ins Land
kamen.
Orano geht nun rechtlich gegen Nigers Staat vor und betrachtet das zum
Zeitpunkt der Enteignung auf den Minengeländen lagernde Urankonzentrat –
1.050 Tonnen nach anfänglichen Firmenangaben, später wurde die Menge mit
1.300 Tonnen mit einem Wert von 250 Millionen Euro angegeben – als sein
Eigentum.
Ein internationales Wirtschaftstribunal urteilte im September 2025, dieses
Uran dürfe nicht verkauft oder abtransportiert werden. Nigers Regierung
brachte es trotzdem ab Ende November, kurz nach einem Besuch von
Militärherrscher Tiani in Arlit, in die Hauptstadt. Der Lastwagenkonvoi war
sechs Tage durch die Wüste unterwegs, eskortiert von Nigers Armee und
Kämpfern des russischen Afrika-Korps.
## Geschäfte mit Russland
[4][Italienischen Presseberichten zufolge] umfasste der Konvoi ursprünglich
54 Lastwagen, 20 davon im Besitz eines Tuareg-Händlers, der Geschäfte mit
Russland macht. Russland habe seinen Teil der Ware gleich nach der Ankunft
abgeholt, per Luftfracht über seine Basen in Libyen und Syrien.
Der Rest, 34 Lastwagen voller Yellowcake, verblieb auf „Base 101“. Es ist
vielleicht kein Zufall, dass nur wenig später, Ende Januar 2026, die
Terrorgruppe „Islamischer Staat“ den Flughafen von Niamey als Ziel ihres
[5][bisher größten Angriffs in Niger] wählte. Stundenlang überfiel sie
„Base 101“, zerstörte Militärflugzeuge und plünderte Rüstungsmaterial. Im
Juni folgte ein zweiter Angriff.
Wo genau das Urankonzentrat lagert, ist nicht öffentlich bekannt. Aber bis
heute versucht Nigers Regierung, es zu verkaufen, und Orano versucht, das
juristisch zu verhindern: Sobald das Uran Niger verlässt, will Orano es
beschlagnahmen lassen. Nigers Regierung hat angeboten, 100 Tonnen nach
Frankreich zu schicken, wenn sie den Rest behalten darf. Orano hat
abgelehnt.
Nach [6][Recherchen von Jeune Afrique] verhandelt Nigers Regierung seit
April mit Rumäniens Atomenergiegesellschaft über die Abnahme von 300 Tonnen
Yellowcake – aufgrund der juristischen Risiken mit 30 Prozent Abschlag, was
Niger aber trotzdem immerhin 40 Millionen US-Dollar einbringen würde. Die
Verträge seien noch nicht abgeschlossen.
Nun mutmaßen Unterstützer des Militärregimes in Niger, die aktuelle
Militärmeuterei sei ein französisches Manöver, um sich des Urans auf „Base
101“ zu bemächtigen, bevor es verkauft wird. Beweise dafür gibt es nicht.
Die Uranminen von Arlit werden derweil staatlich verwaltet. Eine neue
Förderkonzession wurde noch nicht erteilt.
30 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://fr.wikipedia.org/wiki/Base_a%C3%A9rienne_projet%C3%A9e_101_Niamey
(DIR) [2] /Putsch-in-Niger/!5946570
(DIR) [3] /Uranabbau-in-Niger/!5953147
(DIR) [4] https://www.ilfoglio.it/esteri/2025/12/23/news/inside-russias-air-route-for-transporting-uranium-from-niger-via-libya-and-syria--118963
(DIR) [5] /Niger-IS-bekennt-sich-zu-Grossangriff-auf-Hauptstadtflughafen/!6150551
(DIR) [6] https://x.com/jeune_afrique/status/2093406215887839516
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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