# taz.de -- Wadephul in Tunesien und Algerien: Ein Plan fehlt
       
       > Im Maghreb herrscht kalter Krieg. Wer in diesem Minenfeld verlässliche
       > Partner sucht, muss mehr investieren als eine Stippvisite.
       
 (IMG) Bild: Planlos im Maghreb, oder Johann Wadephul auf Reisen
       
       Auf der Suche nach neuen Energiepartnern ist die Bundesregierung in
       Nordafrika fündig geworden. Bei [1][seinem Besuch in Algier bekam
       Außenminister Johann Wadephul das Versprechen weiterer] Gaslieferungen, die
       Deutschlands derzeit nur zur Hälfte gefüllten Speicher vor dem Winter
       auffüllen sollen.
       
       Wadephul wurde von Präsident Tebboune empfangen, in Tunis am Vortag von
       Kais Saied. Dass ein Außenminister von Staatsoberhäuptern empfangen wird,
       ist eher unüblich. Aber auf beiden Seiten des Mittelmeers will man die
       Funkstille beenden. Seit Beginn des israelischen Einmarsches in Gaza lagen
       Projekte wie die hoffnungsvoll begonnenen Wasserstoffpartnerschaft mit
       Tunesien auf Eis.
       
       Beide Kurzvisiten waren von geradezu harmonischer Atmosphäre geprägt. Die
       ist auch nötig, hatte man doch aufseiten der Gastgeberländer den Glauben an
       den Westen als verlässlichen Partner verloren. Nun will Saied von
       Deutschland ein verbessertes Antimigrationsabkommen, also mehr Geld im
       Gegenzug für das Stoppen von Migranten.
       
       Algerien ist ein zwar wichtiger Gaslieferant für Europa – aber auch der
       erste Kunde von Russlands neuem Tarnkappenbomber Suchoi Su-57 und eng mit
       dem Kreml liiert.
       
       Im Maghreb herrscht kalter Krieg. Wer in diesem Minenfeld verlässliche
       Partner sucht, muss mehr investieren als eine Stippvisite. Nur ein paar
       Beispiele: In Tunesien und Marokko hält die US-Armee alljährlich Manöver
       mit afrikanischen Partnern ab. Algerien wiederum ist einer der schärfsten
       Kritiker der israelischen Regierung und Erzfeind Marokkos, das im Gegenzug
       für die Normalisierung der Beziehungen mit Israel von dort mit
       High-Tech-Waffensystemen ausgerüstet wird.
       
       Eine Woche nach dem Besuch von Spaniens Premier Sanchez in Algier begann
       der orchestrierte [2][Ansturm auf Ceuta]. Für das Auffüllen der Gasspeicher
       dürfte Wadephuls Reise reichen. Doch soll Nordafrika eine Alternative für
       die Hormus-Route werden, ist eine außenpolitische Strategie nötig. Andere
       haben diese.
       
       1 Sep 2026
       
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