# taz.de -- Russische Schattenflotte: An Rechtsmitteln fehlt es nicht
> Greenpeace fordert, das internationale Recht gegen die russische
> Schattenflotte stärker durchzusetzen. So würden auch Umweltgefahren
> sinken.
(IMG) Bild: Protest von Greenpeace vor dem russischen Öltanker „Kira K“ im Juni 2026
Bei der Abwehr hybrider russischer Angriffe könnte ein ungewöhnliches
Mittel helfen: internationales Umweltrecht. Auch bestehendes Recht biete
die Möglichkeit, die Umwelt zu schützen und gegen staatenlose Tanker der
Schattenflotte vorzugehen, so Nina Noelle von Greenpeace.
Nach dem vereitelten [1][Drohnenangriff am Leipziger Flughafen] im August
ist die Sorge vor hybriden Angriffen wie Drohnen und Beschädigung von
Unterseekabeln groß. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte
Konsequenzen an, ohne jedoch Details zu nennen. Auch
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) forderte eine spürbare
Reaktion.
Für den Anschlag in Leipzig sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Es wird jedoch von einem russischen Hintergrund ausgegangen. Damit wäre
Leipzig kein Einzelfall: In zwölf Nato-Staaten und Irland seien zwischen
August 2024 und Februar 2026 Drohnen im Luftraum festgestellt worden, so
eine [2][Studie des International Institute for Strategic Studies.] Dass
sie aus Russland stammen, kann nicht immer bewiesen werden. Doch
unwahrscheinlich ist es auch nicht. Laut einer [3][Untersuchung des Soufan
Center] gab es 2025 etwa 40 bestätigte hybride Angriffe aus Russland gegen
europäische Staaten.
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller setzt sich
deswegen für ein gemeinsames internationales Vorgehen gehen Russland ein.
Sie schlug am Montag [4][im Deutschlandfunk unter anderem verschärfte
Umweltauflagen für die Schiffe der russischen Schattenflotte vor.]
## Bedrohung durch russische Schattenflotte
Der Begriff Schattenflotte bezeichnet Tanker, durch die Staaten wie
Russland, Iran und Venezuela internationale Sanktionen auf den Ölexport
umgehen. Die EU hatte als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der
Ukraine eine Preisobergrenze für russisches Öl eingeführt und vielen
Schiffen den Zugang zu Häfen verboten. Doch Russland gelingt es mithilfe
der Schattenflotte, trotzdem einen großen Teil seines Öls auf den Weltmarkt
zu bringen und die Herkunft teilweise zu verschleiern – die Gewinne fließen
in die russische Kriegskasse.
Greenpeace befürwortet Möllers Forderung. Die Schattenflotte stelle eine
Bedrohung für die Umwelt dar und umgehe Sanktionen gegen Russland. Aber es
sei auch zu bedenken, wie lange ein Gesetzgebungsprozess für solche
Regelungen brauchen würde. „Wenn man solche verschärften Reglungen umsetzen
will, sollte man das nicht auf die lange Bank schieben“, sagt Noelle. Es
sei sinnvoll, zu nutzen, was es schon gibt: das internationale Seerecht.
Das erlaubt, dass Länder nicht oder falsch geflaggte Schiffe kontrollieren
und stoppen können. Etwa ein Drittel der Schattenflotte fährt ohne Flagge,
das heißt ohne zu zeigen, in welchem Land es registriert ist, [5][wie eine
internationale Recherche ergab.] Ein großer Teil der Schattenflotte könnten
also aufgehalten werden.
## Furcht vor Ölkatastrophe
Neben der Umgehung der Sanktionen besteht die Sorge, dass Schiffe der
russischen Schattenflotte auch kritische Infrastruktur wie Tiefseekabel
beschädigen. Bei einem Unfall könnte es zudem zu einer Ölkatastrophe
kommen. Besonders für das bereits belastete Ökosystem der Ost- und Nordsee
hätte das schwerwiegende Auswirkungen. Vor den Küsten des Omans [6][war es
zu einer solchen Katastrophe gekommen]. Ein Tanker der russischen
Schattenflotte war aufgelaufen und hatte Öl in die Meere eingebracht. Die
Tanker, mit denen das russische Öl über die Weltmeere – und auch durch die
Ostsee – transportiert wird, sind oft alt und marode.
Hier sieht Julian Pawlak, Experte für Sicherheitspolitik der Stiftung für
Wissenschaft und Politik, einen wenig genutzten Hebel: „Die bestehenden
Regularien müssten nur noch richtig angewendet werden“, sagt er. Schiffe
der Schattenflotte verstießen oft gegen Regeln zu Versicherung und
Umweltschutz. Auf dieser Grundlage könnten Staaten sie in ihrem
Hoheitsgebiet kontrollieren und ihnen die Einfahrt und Durchfahrt durch
ihre Gewässer verweigern. „So könnte man den Fluss der Schiffe und damit
auch den Finanzfluss nach Russland verlangsamen“, sagt Pawlak.
Schweden zum Beispiel setzt immer wieder Schiffe der russischen
Schattenflotte fest. Das zeige, was möglich ist, sagt auch Noelle von
Greenpeace. „Wir müssen auf Grundlage der bestehenden Rechtsgrundlage ins
Handeln kommen.“
Die russische Schattenflotte und mögliche neue Sanktionen gegen Russland
werden auch Thema beim Treffen der europäischen Außenminister*innen
am Dienstag und Mittwoch sein. Zudem kündigte Innenminister Alexander
Dobrindt (CSU) an, eine Taskforce mit den Anrainerstaaten der Ostsee zu
gründen, um besser gegen hybride Bedrohungen vorgehen zu können.
1 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Leipziger-Flughafen-Weitere-Sprengstoff-Drohne-gefunden/!6206966
(DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/international-institute-for-strategic-studies-europa-auf-drohnenkampagne-nicht-vorbereitet-15925613.html
(DIR) [3] https://thesoufancenter.org/research/priming-destabilizing-coercing-russian-hybrid-tactics-in-europe-2022-2025/
(DIR) [4] https://www.deutschlandfunk.de/stellvertretende-spd-fraktionsvorsitzende-moeller-empfiehlt-massnahmen-gegen-russische-schattenflott-102.html
(DIR) [5] https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/schattenflotte-russland-104.html
(DIR) [6] /Havarierter-Tanker/!6204013
## AUTOREN
(DIR) Pauline Ruprecht
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