# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Klingbeil rügt US-Regierung, Bomben auf Kyjiw
> USA laden russischen Minister zum G20-Finanzministertreffen ein. Lars
> Klingbeil gefällt das gar nicht. Mindestens vier Tote bei russischem
> Angriff auf Kyjiw.
(IMG) Bild: Aufeinandertreffen: Russlands Finanzminister Anton Siluanow (hinten in der Mitte) und Lars Klingbeil (vorne links)
Europäer kritisieren russische G20-Teilnahme
afp | Erstmals seit gut vier Jahren haben die USA Russland die Teilnahme an
einem G20-Finanzministertreffen ermöglicht und damit Protest bei
Deutschland und anderen europäischen Partnern hervorgerufen. Der russische
Minister Anton Siluanow nahm an dem G20-Treffen in Ashville erstmals seit
dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wieder persönlich teil.
Die USA hatten als Gastgeber die Einladungsliste für das Treffen
festgelegt. Südafrika, das im vergangenen Jahr den G20-Vorsitz innehatte,
wurde nicht eingeladen. Auch Spanien fehlte, nachdem US-Präsident Donald
Trump dem Land mit einem Stopp der Handelsbeziehungen gedroht hatte.
Das Weiße Haus verteidigte die Einladung Russlands. Die US-Regierung
arbeite mit Moskau an einer Vereinbarung, die in der Ukraine „das endlose
Blutvergießen beendet“, sagte Sprecher Kush Desai auf Anfrage. „Der
Präsident und die Regierung werden sich niemals scheuen, mit den Leuten zu
sprechen, mit denen wir sprechen müssen, um dies voranzubringen“, sagte
Desai.
Auch Trump selbst äußerte sich später. „Wir werden sehen, was passiert“,
erklärte er aus dem Weißen Haus. „Aber wir verstehen uns gerne mit allen.
Einer der Gründe, warum ich so erfolgreich bin, ist, dass ich mich mit
allen gut verstehe.“
Die USA haben in diesem Jahr den rotierenden Vorsitz der G20-Gruppe inne,
der auch Russland angehört. Seit dem Angriff auf die Ukraine hatte der
Westen Moskau jedoch isoliert. Trump näherte sich seit seinem erneuten
Amtsantritt im Januar 2025 wieder an den russischen Präsidenten Wladimir
Putin an. Befürchtet wird, Trump könne Putin Mitte Dezember zum G20-Gipfel
einladen und die europäischen Partner damit erneut provozieren. Der Gipfel
soll in einem Golfclub des US-Präsidenten in Miami im Bundesstaat Florida
stattfinden.
Klingbeil rügt US-Regierung
afp/taz | Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte in Asheville im
Bundesstaat North Carolina, es dürfe keine Normalisierung der Beziehungen
zu Moskau geben, solange der Krieg gegen die Ukraine andauere.
Europa bereite derzeit ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland vor und
hoffe dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit der Regierung in Washington,
sagte Klingbeil. Ein gemeinsames Vorgehen sei der beste Weg. Es sei jedoch
unklar, ob die USA ihre Haltung lockerten. Das Signal, das vom Empfang
Siluanows ausgehe, sei daher beunruhigend.
Aus Protest gegen die russische Präsenz weigerten sich die europäischen
Minister und Notenbankchefs, gemeinsam mit Siluanow auf dem traditionellen
„Familienfoto“ der Teilnehmer zu erscheinen. Das Bild wurde schließlich
ohne den russischen Minister aufgenommen.
Die Europäer, darunter der britische Finanzminister John Healey und die
Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hatten
das Vorgehen am Sonntag abgestimmt. Ein Dialogkanal sei zwar gut, um eine
offene Botschaft zu übermitteln, sagte Klingbeil. Die bloße Tatsache, dass
der russische Finanzminister nach vier G20-Treffen ohne russische
Beteiligung wieder anwesend sei, deute jedoch auf einen Versuch der
Normalisierung hin. Das mache es umso wichtiger, dagegenzuhalten.
Vier Tote bei russischem Angriff auf Kyjiw
Bei russischen Luftangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw und die
umliegende Region sind am Dienstag nach Behördenangaben vier Menschen
getötet worden. Mehr als ein Dutzend weitere wurden verletzt. In Kyjiw
selbst kamen den Angaben zufolge drei Menschen ums Leben, als in einem
Gewerbegebiet ein Feuer ausbrach. In der Stadt Boryspil in der Region Kyjiw
wurde bei Raketen- und Drohnenangriffen ein Mensch getötet sowie ein
Wohnhaus und eine Geschäftseinrichtung beschädigt. Es war der sechste Tag
in Folge mit Angriffen auf die Region.
In der Ukraine beginnt am Dienstag das neue Schuljahr. Die Kyjiwer
Stadtverwaltung kündigte an, bei Schulkindern stärker auf Online-Unterricht
setzen zu wollen.
Drohen attackieren russischen Ostseehafen
Der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga ist nach Angaben des
Regionalgouverneurs Ziel eines Drohnenangriffs geworden. „Im Hafengebiet
von Ust-Luga sind infolge des Drohnenangriffs Schäden entstanden, und es
brennt“, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko,
am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Die Bemühungen zur Abwehr des
Angriffs dauerten demnach an.
Der Hafen von Ust-Luga am Finnischen Meerbusen in der Nähe der estnischen
Grenze ist ein wichtiger Umschlagplatz für Dünger, Öl und Kohle aus
Russland. Nach Angaben der russischen Behörden wurde er bereits mehrfach
attackiert.
Die Ukraine hatte zuletzt ihre Gegenangriffe auf die russische
Infrastruktur verstärkt, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kyjiw
sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem
Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren.
1 Sep 2026
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