# taz.de -- DuMont und Journalismus in Köln: Die Liebe ist sehr geringe
       
       > DuMont dominiert Kölns Medienlandschaft, viel Zuneigung ist dabei nicht
       > im Spiel. Beim „Stadt-Anzeiger“ fallen 57 Stellen weg – Wilhelm Busch
       > wusste, warum.
       
 (IMG) Bild: Verwaltung und Redaktionshaus der Mediengruppe M. DuMont Schauberg
       
       Weil derzeit alle wie das Kaninchen auf Sachsen-Anhalt starren, blicken wir
       mal in die Gegenrichtung, nach Kölle am Rhein. Da will zwar niemand sofort
       und unverzüglich den WDR abschaffen, [1][wie es die AfD mit dem MDR
       vorhat]. Dafür schafft sich in der Domstadt aber das große und einst
       durchaus ein bisschen strahlende [2][Medienhaus M. DuMontSchauberg] quasi
       selbst ab.
       
       Dessen Flaggschiff ist der Kölner Stadt-Anzeiger. Seit zwölf Generationen
       ist der Laden in Familienbesitz, wie er selbst stolz vermerkt. Seine große
       Vorgängerin war die 1798 gegründete Kölnische Zeitung. Weshalb das Ganze
       auch den heute etwas seltsam klingenden Namen „Kölner Stadt-Anzeiger / M.
       DuMont Schauberg Expedition der Kölnischen Zeitung GmbH & Co. KG“ trägt.
       
       Über viele dieser Generationen war die „Liebe nicht geringe“, wenn es um
       den Journalismus ging. Der Stadt-Anzeiger berichtete für seine
       Leser*innen über „tausend Dinge, und wusste noch immer was“. Und das
       gepaart mit einem weit über eine handelsübliche Regionalzeitung
       hinausgehenden Anspruch.
       
       Mindestens seit der letzten Generation werden Leser*innen wie
       Mitarbeitende aber immer häufiger nicht nur „ordentlich blass“, sondern von
       einer Hiobsbotschaft nach der nächsten verfolgt. Im März übernahm DuMont
       die traurigen Reste der einst auch stolzen, aber nie ganz so vornehmen
       [3][Kölnischen Rundschau]. Oder wie der Medienjournalist Wilhelm Busch
       damals schrieb, „sie mußten sich lange quälen, doch schließlich kam’s dazu,
       dass sie sich konnten vermählen. Jetzt haben die Seelen Ruh.“
       
       Damit vollendete sich ein seit Jahren vor sich hin schleichender
       Konzentrationsprozess. Im Großraum Köln gibt es jetzt nur noch eine Stimme.
       Und 30 Rundschau-Mitarbeitende hatten einen Job weniger.
       
       ## 57 Stellen gestrichen
       
       Und auch diese eine Stimme wird immer leiser. Denn Ruh? Denkste! Mitten in
       den NRW-Sommerferien ließ DuMont die nächste Bombe platzen. Beim Kölner
       Stadt-Anzeiger fallen bis Ende September noch mal 57 Stellen in der
       Redaktion weg, weil die Tochtergesellschaft Rheinische
       Redaktionsgemeinschaft (RRG) aufgelöst wird. Sie hat bis jetzt die Inhalte
       für die diversen Regionalteile rund um Köln geliefert und diese auch
       produziert.
       
       Wegen der „Umstellung auf digitale Zeitungsproduktion“ und des Einsatzes
       von KI sei die RRG aber nicht mehr nötig, so der Verlag. Damit sind noch
       mal rund ein Fünftel der Redakteur*innen perdu. Sie dürfen sich aber
       auf andere Stellen im Konzern bewerben.
       
       Die Liebe zu den eigenen Leuten wie zu den Nutzer*innen ist heute also
       ziemlich geringe. Und die Zeitungslandschaft von DuMont stellt sich so
       paternalistisch verschnarcht dar, wie es Busch in „Die Liebe war nicht
       geringe“ schon 1874 gedichtet hatte.
       
       Bei eines Strumpfes Bereitung / Sitzt sie im Morgenhabit / Er liest in der
       Kölnischen Zeitung /Und teilt ihr das Nötige mit.
       
       „Die Liebe schnarcht also ein, und es bleibt nur ein trauriger Rest für den
       Alltag“, sagt die Mitbewohnerin. Stürmische Leidenschaft herrscht dagegen
       noch bei der Kölner Stadtrevue. Das Stadtmagazin zeigt DuMont allerdings
       erst seit 1976, wie es auch geht. Richtig gelesen, schon seit 50 Jahren. Am
       25. September wird gefeiert. Heut schon mal herzlichen Glückwunsch!
       
       2 Sep 2026
       
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 (DIR) Steffen Grimberg
       
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