# taz.de -- Taktisch-wählen-Kampagne von Campact: Die Kritik der Linkspartei ist überzogen, aber berechtigt
       
       > Mit ihrer Kampagne, bei den Wahlen in Ostdeutschland taktisch zu wählen,
       > überzieht Campact sein Engagement zur Rettung der Demokratie.
       
 (IMG) Bild: „Strategisch wählen“ heißt für Campact mehr oder weniger, das Kreuz bei den Grünen zu machen
       
       Zugegeben: Die Worte, mit denen diverse Linken-Spitzen gerade die
       Kampagnenorganisation Campact kritisieren, sind zum Teil daneben. Campact
       sei „nichts weniger als eine willige, aber nicht ganz billige
       Vorfeldorganisation“ der Grünen, [1][schrieb etwa Bodo Ramelow auf
       Twitter]. Die Abgeordnete Lea Reisner toppt das sogar noch. Sie „hasse“
       Campact, erklärt Reisner, es sei falsch, wenn „Berliner Hipster Tausende
       Euro in Wahlkämpfe im Osten“ pumpen.
       
       Trotzdem ist die Kritik der Linken an einem erneuten Campact-Aufruf bei den
       Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, „strategisch“ zu wählen, richtig.
       „Strategisch wählen“ heißt für Campact mehr oder weniger, das Kreuz bei den
       Grünen zu machen. 150.000 Euro lässt sich die Organisation die Kampagne
       kosten, die sich an Wähler:innen von Linkspartei und SPD wenden soll.
       Ziel ist, dass die Grünen den Einzug ins Landesparlament sicher schaffen
       und so das demokratische Lager dort stärken.
       
       In ihren konkreten Argumenten liegen die Linken allerdings oft daneben. Zum
       Beispiel, wenn sie strategisches Wählen gänzlich verwerfen. Denn es kann
       Sinn machen, wenn sich progressive Parteien absprechen, um einen Sieg der
       AfD zu verhindern. Unlauter ist ebenso, Campact zu unterstellen, es gehe
       nur um einen Erfolg der Grünen. Etwa bei der Landtagswahl 2024 in Sachsen
       hat die Nichtregierungsorganisation auch die Linkspartei unterstützt –
       [2][was diese allerdings schon damals kritisiert hatte].
       
       Problematisch indes ist die Kurzsichtigkeit der Strategie, die hinter dem
       Campact-Wahlaufruf steht. Denn die beschränkt sich darauf, dass die
       demokratischen Parteien gegen die AfD zusammenhalten sollen. Natürlich
       müssen sie das im Zweifel tun. Aber wenn sich antifaschistische Politik
       darauf reduziert, nur gegen die AfD zu sein, ist sie schon konzeptuell zum
       Scheitern verurteilt. Dann besteht antifaschistische Politik nur noch
       darin, die insgesamt immer kleiner werdenden Stimmanteile des
       demokratischen Lagers strategisch und bestmöglich zu verteilen.
       
       Völlig aus dem Blick gerät dabei die Frage, warum „der Demokratie“
       überhaupt fortlaufend die Leute wegbrechen. Wer diese Frage stellt, wird
       unweigerlich auf Sozialabbau und Kürzungspolitik, auf die massive
       Aufrüstung und das Versagen beim Klimaschutz stoßen. Diese neoliberale
       Politik ist die strukturelle Basis für den Rassismus der AfD – und diese
       Politik haben die Grünen in den vergangenen Jahren in
       Regierungsverantwortung stets mitgetragen. Die Partei wird deshalb nicht
       komplett zu Unrecht im Osten abgestraft.
       
       Sie jetzt mit den Stimmen einer Partei künstlich am Leben zu erhalten, die
       zumindest näherungsweise eine glaubhafte soziale Opposition darstellen
       kann, ist problematisch. In Sachsen-Anhalt mag das zu rechtfertigen gewesen
       sein, denn hier drohte eine absolute Mehrheit der AfD. In
       Mecklenburg-Vorpommern aber hat die AfD keine reale Machtoption.
       
       20 Sep 2026
       
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 (DIR) Timm Kühn
       
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