# taz.de -- Kanadas Premier im Europaparlament: Endlich ein begeisterter EU-Fan
> Mark Carney beschwört in Straßburg eine tiefe Partnerschaft Kanadas mit
> der EU. Das trifft sowohl in Europa als auch den USA einen Nerv.
(IMG) Bild: Bemühte in seiner Rede das große Besteck der Diplomatie: Der kanadische Premierminister Mark Carney am Mittwoch in Straßburg
Der kanadische Premier Mark Carney scheint für so manchen EU-Abgeordneten
eine Art Superstar zu sein, ein Retter der Europäischen Union. Bei seinem
Auftritt im Parlament in Straßburg gab es jede Menge Selfies mit
Parlamentarier:innen, bewundernde Blicke – und zum Schluss ehrfürchtige
Standing Ovations. Kanada und die EU: Wir sind stark – zusammen sind wir
noch stärker, rief Carney seinen Anhänger:innen zu.
[1][Eine sogenannte assoziierte Mitgliedschaft] der beiden sich innig
liebenden Partner in Aussicht zu stellen, ist weit mehr als ein rein
politischer Symbolakt. Es ist ein strategischer Schachzug, der die wütende
Reaktion Donald Trumps eingepreist hat. Natürlich polterte der US-Präsident
umgehend lautstark, witterte einen „feindseligen Akt“ und drohte mit einer
[2][noch rigideren Zollpolitik gegenüber der EU] – und [3][Kanada sowieso].
Die derbe Reaktion ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Trump dieser Zug
von Carney und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nicht nur
missfällt, sondern er einen Nerv trifft. Auf Handelsebene gibt es bereits
enge Verbindungen. Nun soll es weitergehen mit Rohstoffabkommen, enger
verzahnten Verteidigungsstrategien, Technologieaustausch für eine echte
Energiewende, Austauschprogrammen für Universitäten.
Dass geostrategische Interessen im Sinne beider Partner im Vordergrund
stehen, daraus macht Carney keinen Hehl. Nicht umsonst verweist er auf den
Kampfplatz Arktis, auf dem sowohl die EU als auch Kanada ein Wörtchen
mitreden wollen. Beide wollen nicht weiter im Zangengriff der USA und
Russlands bleiben.
Die Lovestory soll aber keineswegs wie ein weiterer Machtblock aussehen,
der sich nur durch „bessere Manieren“ von anderen machthungrigen Staaten
unterscheidet. Mit dem harmloseren Stichwort Resilienz umschreibt der
Premier doch zwischen den Zeilen: Man will ein Bollwerk sein gegen
autokratisches Gebaren weltweit. Die Umwälzungen sind so groß, dass wir
noch mehr machen müssen, sagt er. Und hat damit recht.
## Worte, die Europa braucht
Der kanadische Premier bemühte in seiner Rede das große Besteck der
Diplomatie, verpackt in bildhafte Worte. Von neuen Stürmen ist da die Rede,
von einem Baum, gepflanzt von einem Überlebenden der Schlacht von Vimy im
Ersten Weltkrieg, der jetzt in einen transatlantischen Wald münden könnte.
Es sind Worte, die Europa offenbar dringend gebraucht hat.
Endlich freut sich mal ein Land, sich uns – also der Europäischen Union –
anzuschließen. Nicht immer nur Gemotze über den schwerfälligen
bürokratischen EU-Apparat. Das schafft die Union aus eigener Kraft derzeit
nicht, sind doch Frankreich und auch Deutschland keine stabilen Motoren
mehr. Und so kommen die Liebesgrüße aus Kanada gerade recht.
17 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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