# taz.de -- Russisch-orthodoxe Kirche in Tschechien: Weiße Substanzen im Kofferraum
       
       > Der russische Metropolit Hilarion, zuletzt in Tschechien tätig, wurde
       > kurzzeitig festgenommen. Er soll in Drogengeschäfte verwickelt sein.
       
 (IMG) Bild: Herzlicher Empfang im Vatikan: Papst Franziskus und Hilarion im Dezember 2022
       
       Die russisch-orthodoxe Kirche (RPZ) ist immer für einen Skandal gut. Dafür
       braucht es nicht unbedingt den Moskauer Oberhirten und Patriarchen Kyrill
       I., der bei Russlands Angriffskrieg in der Ukraine stramm an der Seite von
       Kremlchef Wladimir Putin steht.
       
       Schlagzeilen macht derweil ein anderer hoher geistlicher Würdenträger, und
       zwar Hilarion (Alfejew), Metropolit und zuletzt an der
       St.-Peter-und-Paul-Kirche in der tschechischen Stadt Karlsbad tätig. Am
       Dienstag vermeldete sein Telegram-Kanal, Hilarion und sein Kameramann seien
       wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Beide seien ohne Anklage und
       verfahrensrechtliche Auflagen freigelassen worden.
       
       Was war vorgefallen? Am Sonntag nahmen Polizeikräfte Hilarion sowie seinen
       Begleiter fest, nachdem sie deren Auto an einer Tankstelle in der Nähe von
       Karlsbad gestoppt hatten. Bei einer anschließenden Durchsuchung des Wagens
       seien im Koffer angeblich vier kleine Behälter mit einer weißen Substanz
       gefunden worden.
       
       Während einer mehrstündigen Vernehmung am Dienstag wies Hilarion den
       Vorwurf, etwas mit dem Besitz verbotener Substanzen zu tun zu haben,
       entschieden zurück. „Ich habe keine Verbindung und hatte niemals eine
       Verbindung zum illegalen Drogenhandel. Für mich als Geistlichen ist schon
       der bloße Verdacht eines solchen Umstandes eindeutig erlogen. Ich bestehe
       auf einer vollständigen, unabhängigen und verfahrensrechtlich einwandfreien
       Untersuchung der Geschehnisse“, erklärte er und sprach von einer
       Provokation.
       
       ## Anonyme Drohungen
       
       Zuvor war auf Hilarions Telegram-Kanal behauptet worden, dass der Festnahme
       eine längere Phase des Drucks auf den Metropoliten und die orthodoxe
       Gemeinde in Karlsbad vorausgegangen sei und er selbst angeblich wiederholt
       anonyme Drohungen, auch mit körperlicher Gewalt, erhalten habe. Er sei dazu
       aufgefordert worden, seinen Wirkungsort Karlsbad zu verlassen.
       
       Hilarion war seit 2009 Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats und
       sogar als potenzieller Nachfolger von Kyrill I. gehandelt worden. [1][Im
       Juni 2022 entband die Synode der RPZ Hilarion von dieser Funktion und
       betraute ihn mit der Leitung der Diözese Budapest und Ungarn].
       
       In diese Zeit fallen schwere Vorwürfe seines Assistenten, Hilarion habe ihn
       wiederholt sexuell belästigt. Zudem soll sich der Metropolit regelmäßig mit
       dem damaligen Regierungschef Viktor Orbán getroffen und [2][sich für
       Aufhebung der gegen Russland verhängten Sanktionen ausgesprochen haben].
       
       Nach Informationen der Novaya Gazeta Europe habe der Kirchenmann die
       ungarische Staatsbürgerschaft erhalten und ein luxuriöses Anwesen in der
       Nähe von Budapest erworben. Im Dezember 2024 wurde er erneut suspendiert
       und nach Tschechien versetzt.
       
       ## Persona non grata
       
       Das russische Außenministerium hatte die unverzügliche Freilassung
       Hilarions gefordert. Man betrachte diesen Vorfall als eine vorsätzliche,
       inszenierte Provokation, die darauf abziele, sowohl den Metropoliten
       persönlich als auch die Orthodoxie prinzipiell zu diskreditieren, die in
       der Tschechischen Republik in jüngster Zeit Angriffen ausgesetzt gewesen
       sei, hieß es.
       
       Andrei Kurajew, russischer Theologe, Publizist und Blogger, der in Prag
       lebt und in Russland als „ausländischer Agent“ gelistet ist, macht sich
       seinen eigenen Reim auf den Fall Hilarion. „Die Tschechische Republik
       betrachtet ihn als Persona non grata“, zitiert die Novaya Gazeta Europe
       Kurajew. „Da er im Besitz eines europäischen (ungarischen) Passes ist, kann
       sie ihn nicht einfach ausweisen. Sie kann jedoch auf russische Art und
       Weise verfahren.“
       
       Von offizieller Seite in Tschechien hieß es am Dienstag, forensische
       Analysen hätten bestätigt, dass es sich bei dem Fund in Hilarions Auto um
       eine verbotene Substanz handele. Die Ermittlungen in diesem Fall würden
       fortgesetzt.
       
       26 May 2026
       
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 (DIR) Barbara Oertel
       
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