# taz.de -- Gefakte Landkarte des US-Präsidenten: Sterne, Wasser und Kilometer
> Donald Trump postet eine Karte, die Kanada, Grönland, Mexiko, Kuba und
> Island in die Stars and Stripes hüllt. Hat was von mittelalterlichen
> Despoten.
(IMG) Bild: Erdkarte in Mercator-Projektion aus dem Jahre 1880
Island ist rund 103.000 km² groß. Und es gehört zu Europa. Also nach
bisherigem Verständnis. Auch wenn die Isländer:innen erst letztens
[1][in einem Referendum klargemacht haben, dass sie so gar nicht zur
Europäischen Union gehören wollen] – rein geografisch liegt die kleine
Insel mit gerade mal knapp 400.000 Einwohner:innen ganz im äußersten
Nordwesten Europas.
Das alles interessiert den Mann im Weißen Haus natürlich nicht. Kürzlich
postete er auf seinem Propagandakanal Truth Social eine Grafik, die Kanada,
Grönland, Mexiko, Kuba und ja, auch Island in die Stars and Stripes hüllt.
Der nächste Irrsinn des machtgierigen US-Präsidenten? Einen Kommentar
brauchte es nicht unter der gefakten Landkarte. Ernst genommen wurde sie
auch so.
Der US-Botschafter in Island wurde ins Außenministerium in Rejkjavik
einbestellt: Diese Vereinnahmung verbitte man sich. Die Kanadier blieben
cool: [2][Sie stehen mitten im von Trump losgetretenen Zollkrieg], und der
ist dramatischer als eine Grafik. Um das rohstoffreiche Grönland mit dem
Status eines autonomen Territoriums Dänemarks buhlt bereits die EU mit
vereinten Kräften der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und der
dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen. Und in Mexiko und Kuba kennt man
die Gelüste Washingtons seit 200 Jahren.
## Trump in der Tradition königlicher Despoten
Die Profession des Kartografen ist ein relativ neuer Begriff, taucht er
doch in dieser Form erstmals im 19. Jahrhundert auf. Davor nannte man
Menschen, die die Welt zeichnen, Weltbeschreiber, Kosmografen, Kartenmaler
oder Kartenmacher. Sie hatten das Ansinnen, mit ihren Mitteln und
politischen Aufträgen Ländereien zuzuordnen, zu benennen, im Machtgefälle
der Geschichte darzustellen. Einige ihrer Grundlagen dafür: die Sterne,
Quadratkilometer, Wassergrenzen. In despotischen Zeiten auch die Anweisung
des Königs.
Trump sieht sich wohl in der Tradition der Letztgenannten. Jedenfalls
irgendwo mehrere Jahrhunderte vor der Moderne. Als kürzlich in der
UN-Generalversammlung darüber abgestimmt wurde, [3][die 500 Jahre alte
Mercator-Projektion der Weltkarte durch eine neue zu ersetzen], in welcher
die Größenverhältnisse realistischer dargestellt sind, stimmten einzig die
USA dagegen.
12 Sep 2026
## LINKS
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(DIR) [3] /UN-Resolution-fuer-bessere-Weltkarten/!6210649
## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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