# taz.de -- Geplante Tierhaltungskennzeichnung: EU-Kommission stellt deutsches Tierhaltungslogo infrage
> Die Bundesregierung will auch ausländisches Fleisch kennzeichnen. Doch
> die EU-Kommission hält die Pläne für europarechtswidrig.
(IMG) Bild: Die Mitglieder der EU-Kommission sind keine Mitläufer, wenn's ums deutsche Tierhaltungslogo geht
dpa | Die von der schwarz-roten Koalition geplante Einbeziehung
ausländischer Ware in das verpflichtende [1][Tierhaltungslogo] für Fleisch
auf dem deutschen Markt stößt auf Einwände der EU-Kommission. In ihrer
jetzigen Form seien die Pläne nicht mit EU-Regeln kompatibel, heißt es in
einer Stellungnahme der Brüsseler Behörde. Sollte Deutschland sie so
umsetzen, könnte ein Strafverfahren drohen. Das [2][Bundesagrarministerium]
teilte auf Anfrage mit, die Stellungnahme werde derzeit geprüft.
Union und SPD planen mehrere Änderungen an der 2023 noch von der
Ampel-Koalition per Gesetz beschlossenen staatlichen Kennzeichnung. Der
Start mit Schweinefleisch wurde deshalb auf Anfang 2027 verschoben. Das
Logo soll dann nicht nur in Supermärkten, sondern auch in Restaurants
kommen. Zudem soll Fleisch aus dem Ausland in die bisher nur für
inländische Erzeugnisse vorgesehene Kennzeichnungspflicht einbezogen
werden. Dieser Aspekt wurde wie bei solchen Vorhaben üblich zur Prüfung an
die EU-Kommission gegeben.
## Zusätzlicher Aufwand
Die Behörde sieht darin in ihrer auf den 11. August datierten Stellungnahme
eine Einschränkung des freien Warenverkehrs. Im Gesetzesentwurf sei nicht
vorgesehen, dass ausländische Kennzeichnungssysteme anerkannt werden.
Deshalb müssten ausländische Erzeuger künftig nachweisen, dass sie die
deutschen Anforderungen erfüllen – sonst würde ihr Fleisch mit der
niedrigsten Haltungsform „mindestens Stall“ gekennzeichnet. Ein
zusätzlicher Aufwand.
Verbraucher könnten deshalb außerdem nicht immer am Logo die tatsächlichen
Haltungsbedingungen erkennen. Ihnen könnten zudem wichtige Informationen
fehlen, wie die Kommission am Beispiel Dänemark kritisiert: Das Land sei
einer der größten Exporteure von Schweinefleisch nach Deutschland und
schreibe „wichtige Beiträge zur Verbesserung des Tierschutzes, wie etwa die
Haltung einer größeren Anzahl von Schweinen mit intakten Schwänzen oder die
Erhöhung der Zahl nicht kastrierter Schweine“, vor. An den deutschen
Tierhaltungsstufen sei dies nicht erkennbar.
## Bundesregierung kann antworten
Die EU-Kommission kritisiert darüber hinaus zusätzlichen Verwaltungsaufwand
bei Bio-Produkten. Denn um Fleisch aus dem Ausland in Deutschland als
biologisch produziert verkaufen zu dürfen, würde nicht reichen, dass es
bereits in einem anderen EU-Staat als ökologisch oder biologisch anerkannt
wurde. Zusätzlich müsste auch das deutsche Mitteilungs-, Registrierungs-
und Rückverfolgbarkeitssystem eingehalten werden. Darin sieht die
Kommission einen weiteren Verstoß gegen EU-Recht.
Deutschland kann nun auf die Bedenken antworten. Die geplanten Änderungen
dürften zudem nicht vor Mitte November beschlossen werden.
Das geplante Kennzeichnungssystem hat fünf Kategorien von der Stufe „Stall“
mit den gesetzlichen Mindestanforderungen bis zu „Bio“. Bereits seit 2019
gibt es eine freiwillige Kennzeichnung der Supermarktketten. Sie hat
inzwischen die gleichen Stufen und umfasst Fleisch von Schweinen, Rindern
und Geflügel.
27 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Regierungsstrategie-fuer-Agrarexporte/!6137009
(DIR) [2] /Bundesagrarminister-Alois-Rainer/!6139615
## TAGS
(DIR) Tierhaltung
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Fleisch
(DIR) Schwerpunkt Bio-Landwirtschaft
(DIR) EU-Kommission
(DIR) Alois Rainer Landwirtschaftsminister
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Initiative Tierwohl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Gutachten von Wissenschaftlern: Tierhaltungskennzeichnung darf auch für Importfleisch gelten
Agrarminister Rainer will die geplante verpflichtende Haltungskennzeichnung
von Fleisch auf Importe ausweiten. Experten halten das für zulässig.
(DIR) Fleisch im Supermarkt: Koalition will Tierhaltungs-Kennzeichnung verschieben
Die Regierungsfraktionen wollen das staatliche Tierhaltungslabel später
vorschreiben als derzeit geplant. Die Union will es komplett überarbeiten.
(DIR) Aldi und andere Supermarktketten: Einheitliches Tierhaltungssiegel startet
Handelskonzerne vereinheitlichen ihre Kennzeichnung der Haltungsform, aus
der Fleischprodukte stammen. Amputationen bleiben erlaubt.