# taz.de -- Ostdeutsche selten in Führungspositionen: Nicht abgehängt, sondern rechts
       
       > Ostdeutsche sind zu selten in Führungsetagen vertreten, Ostdeutsche
       > fühlen sich nicht vertreten. Deswegen AfD zu wählen, ist fatal und
       > geschichtsblind.
       
 (IMG) Bild: Schon 2024 war der Osten stark umkämpft
       
       Es gibt Nachrichten, bei denen man nicht weiß, ob sie aktuell sind oder ob
       sie aus dem Geschichtsspeicher stammen. Dass Ostdeutsche in
       Führungspositionen unterrepräsentiert sind, ist so eine. Seit der
       Wiedervereinigung wird beklagt, dass Ostler:innen in den Toppositionen
       zu selten vertreten sind. Aktuell beträgt der Anteil Ostdeutscher in
       Spitzenämtern [1][laut Elitenmonitor] gerade mal 12 Prozent. Zu Recht
       beklagt die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser, dass sich hier etwas ändern
       muss.
       
       Doch Appelle wie diese verhallen, unter anderem weil die
       Entscheidungsträger:innen vor allem aus ihrem kulturellen Pool
       rekrutieren. Sprich, sie stellen Menschen ein, die ihnen ähnlich sind und
       ihrer Meinung nach am besten zu ihnen, zum Unternehmen, zum Betriebssound
       passen – und damit am wenigsten Probleme machen. Dabei haben diverse,
       heterogene Unternehmen bessere Betriebsergebnisse als solche, die
       weitgehend homogen sind. Auch das ist seit Jahren bekannt.
       
       Nun erscheint der neue Elitenmonitor ausgerechnet wenige Tage vor einer
       Wahl in Ostdeutschland, die die politische Landschaft erschüttern dürfte –
       in Sachsen-Anhalt wie auch auf der Bundesebene. Und nicht wenige glauben,
       dass der Zuspruch zur AfD auch damit zu tun hat, dass es zu wenige
       Ostdeutsche in Spitzenpositionen gibt. Man fühle sich nicht gesehen, nicht
       wertgeschätzt, abgehängt. Das mag für einen Teil der Ostdeutschen genau so
       stimmen. Deswegen aber eine (West-)Partei zu wählen, die sich „das Land
       zurückholen“ will, ist [2][so fatal wie falsch].
       
       Denn das Land, das sich die AfD zurückholen will, hatte Mitte der 1990er
       Jahre eine [3][Arbeitslosenquote von über 13 Prozent], heute ist sie nicht
       einmal halb so hoch. Damals hatten die Menschen eine fünf Jahre niedrigere
       Lebenserwartung, auch der Lebensstandard war im Osten geringer. Die
       Selbstwahrnehmung vieler Ostdeutscher und deren AfD-Affinität ist so diffus
       wie verschroben. Und sie wählen die AfD nicht, weil sie abgehängt sind –
       sondern weil sie rechts bis rechtsradikal sind.
       
       25 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://research.uni-leipzig.de/elitenmonitor/neuerscheinung-die-unterrepraesentation-ostdeutscher-in-spitzenpositionen-in-deutschland/
 (DIR) [2] /AfD-in-Sachsen-Anhalt-Welche-Teile-ihres-Sofortprogramms-waeren-umsetzbar/!6195650
 (DIR) [3] https://www.wsi.de/de/erwerbsarbeit-14617-arbeitslosenquoten-26623.htm
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schmollack
       
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