# taz.de -- „Institut for Remigration“: Eine Werbeagentur für Rassismus
> Rechtsextreme gründen eine neue Organisation, um ihrer Vision von
> massenhafter Abschiebung politisches Gewicht zu verleihen. Mit dabei sind
> alte Bekannte.
(IMG) Bild: Ex-IB-Chef Martin Sellner bei einer Veranstaltung in Brüssel
Zwei „Remigrationsgipfel“, eine Bürgerinitiative und jetzt sogar ein
eigenes Institut: Rechtsextreme versuchen, ihre Pläne zur Massendeportation
zu institutionalisieren und [1][den Begriff „Remigration“ weiter im
Mainstream zu platzieren]. Dazu soll jetzt auch ein sogenanntes Institut
für Remigration dienen. Der vorgebliche Thinktank soll rechtsextreme
Politiker*innen, Forscher*innen sowie Journalist*innen europaweit
vernetzen und mit pseudowissenschaftlichen Inhalten versorgen.
Hinter dem Institut stecken zwei bekannte Gesichter: Eines davon ist Martin
Sellner, Gründer des Instituts und langjähriger Co-Chef der
österreichischen Identitären Bewegung (IB), das andere ist Philipp Huemer,
Ex-Chef der IB-Landesgruppe Wien, der bis vor Kurzem für den
[2][österreichischen Verschwörungssender AUF1] tätig war und heute
Geschäftsführer des Instituts ist.
„Im Bereich der Kriminalität forscht dort niemand. Vielmehr werden einzelne
Fälle aus Anfragen oder von regulären Medien selektiv herausgegriffen und
skandalisiert“, erklärt Thomas Witzgall von der Dokumentationsplattform
Endstation Rechts. Seit 2010 ist er Fachjournalist für die extreme Rechte
und als Fotograf auf Demonstrationen unterwegs. „Das Hauptanliegen des
Instituts dürfte in erster Linie darin bestehen, weiterhin Spenden und
Geldtransfers für rechte Projekte zu generieren“, so Witzgall.
Auf der Website des Instituts wird um Zuwendungen in Form von Kryptowährung
oder per Überweisung an eine irische Bank geworben. Ende Januar noch wandte
sich „Remigrations“-Vordenker Sellner an die Sparkasse Chemnitz, die
[3][die Kontoeröffnung jedoch ablehnte, da sie sein Konzept für
verfassungswidrig hielt.]
## Unmissverständliche Ziele
Neben der Bitte um Spenden erklärt der Pseudo-Thinktank auf seiner Website
auch, dass in Europa seit über einem Jahrzehnt ein „Bevölkerungsaustausch“
stattfinde. Das Institut spricht von einer „Regierungspraxis“, die
Deutschland „afrikanisiere“ und „islamisiere“. Dafür empfiehlt das Institut
ein in rechtsextremen Kreisen bekanntes Vorgehen: Es will für einen
„Fortbestand der ethnokulturellen Kontinuität“ sorgen. Das soll – na klar –
mit „Remigration“ funktionieren.
Was die extreme Rechte damit meint, dürfte spätestens nach dem zweiten
„Remigrationsgipfel“ in Porto klar sein, bei dem dieses Jahr auch
Mitorganisator Sellner und Institut-Partner Huemer vor Ort waren: Längst
geht es ihnen nicht mehr nur um millionenfache Deportationen von „legalen
und illegalen“ Migrant*innen, sondern auch um eingebürgerte Menschen mit
Migrationsgeschichte, denen abgesprochen wird, ausreichend „assimiliert“ zu
sein. Nur so könne der demografische Wandel durch Migration, den das
Institut für einen geplanten „Bevölkerungsaustausch“ hält, aufgehalten
werden.
Die Verschwörungserzählung vom „Bevölkerungsaustausch“ (auch „Great
Replacement“) ist seit Jahren ein beliebtes Narrativ der Neuen Rechten und
geht zurück auf Renaud Camus, einen rechtsextremen Vordenker des
französischen [4][Rassemblement National]. Dieser spricht ebenso wie
Sellner und Konsorten von der „Umvolkung“ als institutionelle Praxis, die
von progressiven, migrationsfreundlichen Kräften ausginge, um Europa
bewusst ethnisch zu „zerstören“.
Auch aktuelle politische Debatten bezieht das Institut auf dieses Narrativ.
Seine Leser*innen versorgt der Thinktank regelmäßig mit einem
Newsletter, Dossiers, Artikeln und anderen Inhalten auf den gängigen
Social-Media-Kanälen. So zeige etwa der islamistische Anschlag auf den
Berliner CSD, „dass eine Politik der Remigration unausweichlich“ sei. Im
selben Zusammenhang fordert das Institut, die deutsche Staatsbürgerschaft
bei einem sogenannten Loyalitätsbruch einzuziehen. Der Begriff bleibt dabei
weit gefasst und wird mit der Forderung nach einer „ethnokulturellen
Gemeinschaft“ verbunden.
## AfD und Brüssel: Parlamente als Ziel
Diese Ideologie nun auch als politische Praxis umzusetzen, ist erklärtes
Ziel der NGO. Dazu inszeniert sich das Institut als Lobbyorganisation, die
extrem rechte Politiker*innen beraten möchte. Wie das aussehen kann,
zeigt eine Vertreterin der AfD.
Anfang Juli traf sich Institutsgeschäftsführer Huemer mit der
AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré zum Interview im Bundestag. Dort stellte
Huemer die Ziele seiner NGO vor und erklärte, den Begriff der „Remigration“
juristisch verteidigen zu wollen. Schon beim zweiten „Remigrationsgipfel“
war Kotré [5][gemeinsam mit anderen Vertreter*innen der AfD vor Ort].
Thomas Witzgall erklärt die engen Verstrickungen wie folgt: „Nur durch
gegenseitige Unterstützung können die gemeinsamen Pläne, die
Migrationsbewegungen der vergangenen Jahrzehnte umzukehren und einen
weitgehend ethnisch homogenen, weißen Ethnostaat zu errichten, umgesetzt
werden.“
Sellner und Konsorten versuchen, mit ihren Zielen auch direkt ins Brüsseler
Parlament vorzudringen: Dazu verweist das Institut auf den Save Europe Act
– eine europäische Bürgerinitiative, die ebenjene Forderungen nach
millionenfachen Ausweisungen und den Stopp der „Ersetzungsmigration“
fordert.
## Sellners Plan für Europa
Hinter der Initiative steckt neben Sellner auch die niederländische
rechtsextreme Influencerin Eva Vlaardingerbroek. Auf der Website brüsten
sich beide mit prominenten Unterschreiber*innen wie Viktor Orbán,
Björn Höcke oder Götz Kubitschek. Dort ist auch ein Shop zu finden, der in
Kooperation mit der Identitären Bewegung entstanden ist und in dem es neben
T-Shirts, Flyern und Stickern auch Poster mit dem Logo der Initiative zu
kaufen gibt.
Nach eigenen Angaben habe die Bürgerinitiative bereits über 680.000
Unterzeichner*innen erreicht. Noch Ende Juli lehnte die Europäische
Kommission jedoch eine Beschäftigung mit der Initiative ab, weil sie nicht
[6][deren formalen Kriterien entspreche.]
Der Save Europe Act und das Institut für Remigration sind Teil von Sellners
gelungenem Versuch, die extreme Rechte europaweit zu vernetzen und sein
Konzept der „Remigration“ als zentrales Thema zu platzieren. Auf der
Institutswebsite erklärt Sellner seine Ziele wie folgt: „Eine politische
Wende gelingt nur durch eine Wende im Denken. Wir müssen die mediale
Debatte beeinflussen und Begriffe prägen.“
Dass das Institut mit Sellner als Person verknüpft ist, sei kein Zufall,
behauptet Thomas Witzgall: „Er erfüllt gemeinsam mit seiner Identitären
Bewegung eine ganz bestimmte Aufgabe: die einer Werbeagentur, die mit einem
möglichst effizienten Einsatz der vorhandenen Mittel ein Maximum an
Aufmerksamkeit generiert.“
26 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Debatte-um-Ausbuergerung/!6058227
(DIR) [2] /Radikal-rechter-Sender-Auf1/!5987759
(DIR) [3] https://www.evangelisch.de/inhalte/256410/17-06-2026/vorerst-kein-konto-fuer-rechtsextremisten-sellner
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Rassemblement_National
(DIR) [5] https://www.belltower.news/rechtsextremes-klassentreffen-afd-beim-zweiten-remigrationsgipfel-in-portugal-165883/
(DIR) [6] https://www.sn.at/politik/weltpolitik/eu-kommission-lehnt-save-europe-act-buergerinitiative-ab-art-663524
## AUTOREN
(DIR) Felix Michaelis
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