# taz.de -- Keine KI-Songs in Australiens Charts: Maschinen machen keine Zukunftsmusik
       
       > Das von einer künstlichen Intelligenz erzeugte Remake eines Madonna-Hits
       > hat die Charts in Australien gestürmt. Künftig verhindern das neue
       > Regeln.
       
 (IMG) Bild: Berliner Dependance von Madame Tussauds: Eine künstliche Madonna kann weder die echte ersetzen noch die Charts erobern
       
       Ein bisschen Ätschibätschismus geht immer: Vor vier Jahren hatte
       [1][Madonna] eine NFT-Lizenz von gruselkitischiger KI-Kunst vermarktet, die
       ihren nackigen Avatar zeigte, zwischen dessen Beinen ein Bäumchen
       entspross. Das wirkte, als hätte jemand volltrunken der Gratisversion von
       Canvas irgendeinen Scheiß von Mutter Erde und so gepromptet.
       
       Wer sich daran erinnert, wird als eine Art Rache des Geists in der Maschine
       werten, was gerade in Australien passiert ist: Eine von künstlicher
       Intelligenz erstellte Coverversion von Madonnas „Like a Prayer“, für die
       der australische DJ und Produzent Josh Fawaz verantwortlich zeichnet, war
       im Juli zum meistgespielten Stück im australischen Radio avanciert. Sie hat
       es auf Platz vier der dortigen Charts geschafft.
       
       Die Erlöse aus Madonnas-Computerkitsch waren seinerzeit an
       Wohltätigkeitsorganisationen gegangen. Und auch Fawaz' KI-Hit dient einem
       guten Zweck: Die Australian Recording Industry Association (Aria), die
       Australiens offizielle Musikcharts betreibt, hat infolge seines Erfolgs ihr
       Regelwerk angepasst. Laut dpa sollen in den Hitparaden des Landes künftig
       keine Songs mehr berücksichtigt werden, die überwiegend oder vollständig
       [2][Maschinenhirnen entsprungen] sind.
       
       ## Keine neue Regel
       
       Eine Vorreiterin ist Aria damit nicht: Der in London ansässige Weltverband
       der Phonoindustrie (Ifpi) hatte schon Ende Juli verkündet, dass nur
       substanziell von Menschen gemachte Stücke hitparadentauglich sein sollen.
       Und dass dort, wo für die Komposition auf KI zurückgegriffen wurde, nur der
       Einsatz ordentlich lizenzierter Programme toleriert würde.
       
       Das sind Modelle, die man ausschließlich mit Inhalten trainiert hat, die
       von den Urheber*innen dafür freigegeben wurden. Dem Regelwerk war auch
       der deutsche Musikindustrieverband (BVMI) beigetreten. Aber diese Nachricht
       hatte trotz Sommerlochs relativ wenig Aufmerksamkeit geerntet. Die zahllos
       auf die Plattformen gespülten maschinellen Ballermann- und
       Timmy-der-Wal-Songs hatten offenbar nicht genügend Power, um als ernstes
       Problem erkannt zu werden. Dafür braucht es schon einen echten falschen
       Star.
       
       25 Aug 2026
       
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