# taz.de -- Mehr Transparenz bei Spotify: Erster KI-Hype schon wieder vorbei
       
       > Streamingdienst Spotify kennzeichnet bald die Profile von KI-generierten
       > Künstler:innen. Ein Paradigmenwechsel bei der sonst so techvernarrten
       > Plattform.
       
 (IMG) Bild: Spotify kennzeichnet ab September KI-generierte Künstlerprofile und schließt deren Musik aus seinen Empfehlungen aus
       
       Der schwedische Streamingdienst Spotify gab am Dienstag bekannt, dass
       Profile von Künstler:innen, deren Identitäten KI-generiert sind, in Zukunft
       gekennzeichnet werden. Sogenannte „AI Persona Badges“ werden für
       Nutzer:innen ab September sichtbar.
       
       Diese Kennzeichnung bezieht sich ausdrücklich nicht auf die Machart der
       Musik, sondern vielmehr auf Bilder und andere Elemente, die den Eindruck
       entstehen lassen könnten, es handle sich um reale Personen. Musik der
       artificial artists wird überdies nicht in algorithmische und redaktionelle
       Empfehlungen aufgenommen.
       
       [1][Spotify] hatte bereits im April mit „Verified by Spotify“ eine
       Kennzeichnung von echten Musiker:innen eingeführt und bietet
       Künstler:innen die Möglichkeit, den Einsatz von KI in einzelnen Songs zu
       kennzeichnen. Auch die AI Persona Badges werden auf Basis freiwilliger
       Meldung zu den Profilen hinzugefügt, doch prüft Spotify ebenso selbst
       Verdachtsfälle. Damit stellt die Einführung der Kennzeichnung einen
       Paradigmenwechsel des Unternehmens im Umgang mit KI-generierten Inhalten
       dar.
       
       Obwohl der Branchenführer in Deutschland zuletzt häufiger in der Kritik
       stand, angefangen mit den viralen Erfolgen der [2][KI-Fake-Rock-Band The
       Velvet Sundown] bis hin zu „Coverversionen“ bekannter Hits wie Stromaes
       „Papaoutai“. Vor allem Künstler:innen und Bands aus dem Mittelbau und
       vom unteren Rand haben im Streamingzeitalter enorm damit zu kämpfen, dass
       Unbefugte über ihre Künstlerprofile KI-generierte Musik veröffentlichen. KI
       ist zentraler Teil der Produktstrategie von Spotify. Sie verspricht,
       zukünftig als „agentischer“, das heißt KI-getriebener, Service zu
       funktionieren.
       
       ## Erst Flutung, dann Sinneswandel
       
       Wohl auch deshalb schob man der Flutung des Dienstes – laut Angaben des
       Konkurrenten Deezer werden derzeit pro Tag rund 90.000 vollständig
       [3][KI-generierte Musikstücke] auf die Plattformen geladen – kaum einen
       Riegel vor. Ein Sinneswandel hin zu „mehr Transparenz und Vertrauen“, wie
       es in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung heißt, wird nicht
       begründet. Neben dem Inkrafttreten von strengeren EU-Regeln im Umgang mit
       KI könnte allerdings auch wachsender ökonomischer Druck eine Rolle bei der
       Entscheidung gespielt haben.
       
       Einerseits fordert die Musikindustrie seit geraumer Zeit mehr Transparenz,
       andererseits hat Spotify inzwischen mehr Konkurrenz von den
       Streamingdienstern Deezer und Qobuz, die mit größerer Offenheit schon
       früher gepunktet haben: [4][Deezer etwa kennzeichnet bereits seit Anfang
       2025 KI-Musik] als solche und entfernt sie schnell aus allen Empfehlungen.
       Das harte Durchgreifen scheint sich ausgezahlt zu haben: Deezer meldete für
       das Jahr 2025 erstmals Profit, die Abozahlen steigen moderat an.
       
       Womöglich ließe sich der unerwartete Schritt von Spotify hin zu mehr
       Transparenz also auch so erklären: Erfolge der Wettbewerber haben
       verdeutlicht, dass signifikante Teile des Publikums eine KI-freie
       Hörerfahrung bevorzugen. Vielleicht ist das auch der Anfang vom Ende des
       forcierten Hypes um KI-Musik.
       
       12 Aug 2026
       
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