# taz.de -- Neues Album von US-Superstar Madonna: Was genau gibt sie denn preis?
       
       > Madonnas „Confessions II“ wird gefeiert als Rückkehr zur großen Form.
       > Über weite Strecken klingen ihre Geständnisse gar nicht so aufregend.
       
 (IMG) Bild: Madonna beichtet jetzt wieder
       
       Geständnisse sind nie leicht. Das neue Madonna-Album, „Confessions II“,
       wird gerade als Rückkehr zu ihrer großen Form gefeiert. Neuer Teil ihres
       Kanons sei es, der Popphoenix aus der Asche. Hohe Bewertungen, durch die
       Bank: „8/10“ beim US-Internetmagazin Pitchfork, „4/5“ Sterne beim
       britischen Guardian und der Rolling Stone ist auch voll des Lobes …
       
       Madonna ist eine Legende, die nach 20 Jahren zu ihrer wahren Stärke
       zurückkehrt. Man gönnt es ihr – nicht zuletzt, weil die Musikindustrie
       Frauen jenseits der industrieüblichen Verwertbarkeitsgrenze selten gut
       behandelt. Dennoch fragt man sich beim Hören, ob man das gleiche Album
       bekommen hat wie die Bejubelnden.
       
       Klar, Madonna ist wieder im Club, Madonna arbeitet wieder mit dem richtigen
       Produzenten – in diesem der Brite Fall Stuart Price, der schon „Confessions
       on a Dance Floor“ produzierte. Und: Madonna klingt wieder ansatzweise nach
       Madonna – der Madonna, nach der man sich zurücksehnt, während die Welt im
       Chaos versinkt. Aber wenn da nicht „Madonna“ draufstünde (und Popkritik
       nicht inzwischen oft eher Statusmeldungen bewerten würde als Musik), würde
       dieses doch eher mittelmäßige Trance-House-Pop-Wannabe-Taschenfeuerwerk
       derart gefeiert werden?
       
       „Confessions on a Dance Floor“ war 2005 ein Rückverweis auf Disco und
       Madonnas eigene Clubmythologie – „Confessions II“ ist nun ein Rückverweis
       auf den Rückverweis, auf House und frühen Neunziger-Trance und die
       inzwischen museal gewordene Idee von Clubs als Heilsversprechen. Das ist an
       sich tröstlich, aber in der ersten Hälfte des Albums sind die Songtexte
       leider schlicht seelen- und inspirationsloses Gefasel an der Grenze zum
       Unsinn.
       
       ## Ultimative Ekstase
       
       Madonna erklärt einem alle zwei Zeilen, dass sie es liebt, in den Club zu
       gehen und zu tanzen – dass wir auch alle tanzen gehen sollen und die
       Euphorie von Tanzen in einem Club die ultimative Freiheit, Ekstase und der
       eine wahre Sinn ist.
       
       „One Step Away“ beginnt mit einer, uh, tiefphilosophischen Abhandlung.
       „People say dance music is superficial“, erklärt Madonna. Wer sagt das?
       Friedrich Merz? „But they got it all wrong“ – niemand hat in den letzten 30
       Jahren ernsthaft behauptet, Dance-Music sei oberflächlich. Oder, aus
       „Everything“: „I try to ascend / It's my spiritual healing“ – Okay? Ist das
       ein Ayahuasca-Newsletter, den der Spamfilter nicht erwischt hat?
       
       Andere Zeilen sind unfreiwillig komisch. „I can make moves on the dance
       floor / I can make love on a man’s floor“. Meint sie seinen Pelvis?
       
       ## Erinnerung an die Danceteria
       
       [1][„Danceteria“], ein Track über den berühmten New Yorker Club, in dem
       Madonnas Kariere begann, ist dann etwas weniger Phrase, weil sie darin
       konkrete Erlebnisse beschreibt, und auf der zweiten Hälfte des Albums
       verleihen drei persönlichere Songs den Geständnissen etwas mehr Tiefe –
       „Fragile“ ist ihrem verstorbenen Bruder Christopher gewidmet, „The Test“
       singt sie gemeinsam mit Tochter Lola Leon über deren schwieriges Verhältnis
       zueinander, und „L.E.S. Girls“ fällt klanglich völlig heraus und hat fast
       etwas wie Persönlichkeit.
       
       Aber abgesehen davon bleibt das Album musikalisch über weite Strecken
       generisch. Ein wenig EDM, ein bisschen UK-Garage. Sprechgesang, Breakbeats,
       aber die Arrangements sind spannungslos, die Drops vorhersehbar, und es
       gibt keine einzige Hookline, die einem auch nur bis zum nächsten Song im
       Gedächtnis bleibt.
       
       Das ist kein guter Pop, kein guter House, von Trance ganz zu schweigen. Da
       hilft es nichts, sich mit allen Wassern der Populärkritik zu waschen und
       sich beide Augen und Ohren zuzuhalten und heftig zu den sich stetig
       erneuernden Göttern des Pop zu beten: Aber sie ist doch eine Ikone! Ja, es
       klingt besser als bei ihren letzten zwei Alben. Und? Nach zwei Tagen
       Magendarm ist der Stuhlgang am dritten Tag meistens auch weniger flüssig.
       Gerade bei Spätwerken großer Popstars entsteht häufig eine dankbare Milde
       in der Rezeption.
       
       Zudem fragt man an sich: Was meint eigentlich „Confession“? Confessional
       Pop Music? Was beichtet sie denn? Lily Allens letztes Album „West End Girl“
       war tatsächlich confessional, ob man das nun gut oder peinlich fand –
       insofern, als sie sich (und ihren Ex) bloßgestellt hat, inklusive mit
       Kondomen vollgestopfter Einkaufstaschen, Buttplugs und heimlich gelesener
       Kurznachrichten. So genau will man es zwar nicht unbedingt wissen, aber:
       Was genau gibt Madonna preis? Dass sie House mag? Dass Sean Penn in den
       Achtzigern zu schnell Auto fuhr?
       
       Madonnas Verdienste in der Popgeschichte, in Mode, Körperpolitik und
       Selbstinszenierung sind beispiellos, aber gestanden wird hier wenig
       Aufregendes, und Nostalgie allein trägt kein überlanges Album.
       
       5 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Juliane Liebert
       
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