# taz.de -- Die Kunst der Woche: Die Begegnung von Original und Bild
       
       > Das Bode-Museum setzt sich mit den fotografischen Beständen seiner
       > Skulpturensammlung auseinander. Es geht um Verschiebung und
       > Interpretation.
       
 (IMG) Bild: Ansicht der Ausstellung „Fotografie erzählt Skulptur“ mit Dornauszieher und Putto auf Delfin im Bode-Museum, Museumsinsel Berlin
       
       „Fotografie erzählt Skulptur“: Die Ausstellung im Bode-Museum hätte
       [1][Constantin Brancusi] gefallen. Wie in der jüngsten Schau der Neuen
       Nationalgalerie zu erfahren, war dem rumänisch-französischen Bildhauer der
       Moderne Brancusi bewusst, dass Fotografien ihre ganz eigenen Geschichten
       von Skulpturen schreiben – deshalb nutzte er selbst schon ganz früh Film
       und Fotografie, um sein bildhauerisches Konzept zu seinen Bedingungen zu
       verdeutlichen und reproduktiv zu vermitteln.
       
       Tatsächlich kennen wir die meisten Skulpturen nicht aus Museen, sondern von
       Bildern. Und dabei ist eine der zentralen, gleichzeitig wenig
       thematisierten Erfahrungen, dass wir keine Ahnung von der Größe des Objekts
       haben. Der Einstieg in das Thema über die Vitrine mit der kleinen
       Schachfigur aus Elfenbein, die die Königin auf ihrem Thron zeigt, ist also
       goldrichtig. Zumal sich der Fotograf recht eigenwillig auf diesen virtuos
       ausgearbeiteten Thron konzentriert hat, der in der groß gedruckten Aufnahme
       als monumentales Prachtwerk erscheint. Die Königin ist nur an ihrer Krone
       sichtbar, die die massive Rückenlehne überragt.
       
       Und dann verstärkt sich in André Malraux' „Imaginärem Museum“, das uns die
       Fotografie zur Verfügung stellt, ein Problem, das auch schon eines des
       realen Museums ist: Das Kunstwerk tritt nicht in seinem ursprünglichen
       Kontext in Erscheinung. Ursprünglich in Nischen stehend, sind die
       Skulpturen nun in der Raummitte platziert oder es werden Reliefs aus großer
       Höhe auf Augenhöhe heruntergeholt – so wie das Lesepult mit Giovanni
       Pisanos Engelspietà (1245/48-1318) von der mittelalterlichen Kanzel im Dom
       von Pisa.
       
       Fotografien können und sollen zwar gerade im Kontext einer so berühmten
       Skulpturensammlung wie der des Bode-Museums dokumentarischen Zwecken
       dienen. Wie die Gegenüberstellung von Original und Bild anhand von acht
       Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien vom 11. bis zum 17.
       Jahrhundert und ihren Aufnahmen aus dem Bildarchiv des Museums jedoch
       zeigt, sind sie vor allem eigenständige Interpretationen.
       
       Dieser Gesichtspunkt steht denn auch im Zentrum der Ausstellung. Deshalb
       kommt die Sprache auf die Fotograf:innen wie die im Bauhaus-Umfeld
       aktive Ilse Schneider-Lengyel oder den Amerikaner Clarence Kennedy. Seine
       Nähe zum Neuen Sehen macht seine vor 1928 entstandene Großaufnahme der
       „Prinzessin von Urbino“ (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) deutlich. Mika
       Wißkirchen, seit 2025 Hausfotograf, betrachtet sie 2026 deutlich
       distanzierter, aber nicht weniger interessiert.
       
       Ein Problem hat diese tadellose, innovative Kabinett-Ausstellung dann doch:
       Sie ist nur sehr schwer zu finden. Typisch für Berlin gibt es keine
       Hinweise auf dem Weg dahin. Das wäre den Besucher:innen gegenüber dann
       doch ein zu großes Entgegenkommen. Beim Raum 218 ist man dann richtig.
       
       25 Aug 2026
       
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