# taz.de -- Idee von deregulierten Ministaaten: Es läuft nicht für Donald Trumps „Freedom Cities“
> Trumps Oligarchenfreunde träumen von deregulierten „Freedom Cities“, wo
> nur das Geld zählt. Doch es bleibt beim Traum, denn der Präsident liefert
> nicht.
(IMG) Bild: „Freedom Cities“? Nicht mal seine Oligarchen können sich auf Trump verlassen
Stell dir vor, es gäbe einen Ort, an dem du alles tun kannst, was du
willst. An dem du selbst der Chef bist. Wo du entscheiden kannst, wo und
wie du dein Haus baust, ohne Umweltauflagen oder Denkmalschutz. Wo du keine
Umsatzsteuer zahlen musst. An dem du selbst entscheidest, wie lange in
deiner Firma geackert wird. Wo du und deine Freunde die Gesetze machen. Und
nicht deine blöden Angestellten.
Was klingt wie Dystopie-Kinofantasien à la „Elysium“ oder „Tribute von
Panem“, ist eigentlich der feuchte Traum von völlig echten Tech-Oligarchen
wie Peter Thiel oder Sam Altman – und wohl auch einer der Gründe, warum sie
2024 [1][Donald Trumps Wahlkampf] unterstützt haben. Denn der US-Präsident
hatte ihnen ein Jahr zuvor die Gründung von zehn deregulierten „Freedom
Cities“ versprochen. Doch wie momentan viele von Trumps Plänen scheint auch
dieser nicht so ganz aufzugehen.
Schon immer kochen Monarchen und Feudalherren gerne ihr eigenes Süppchen im
Privaten – man denke an Pekings Verbotene Stadt, die nur Kaiser, Adelige
und deren Bedienstete betreten durften, oder an das mittelalterliche
Europa, wo man das Wohnrecht innerhalb der Stadtmauern erkaufen oder erben
musste.
Auch heute sind käufliche Rechte nichts Besonderes. Von Finanznachweisen
für die deutsche Chancenkarte, über goldene Pässe in Malta bis hin zur
Staatsbürgerschaft von Monaco, die man bekanntermaßen eigentlich nur als
gesuchter Steuerflüchtling bekommt, versuchen Staaten gern, ihre
Bürger:innen nach Gewicht des Geldbeutels auszusuchen.
## Schwimmende Ministaaten
Klingt einleuchtend, folgt man der neoliberalen Logik, Staaten nach
ökonomischen Kriterien zu analysieren – durch Steuern kaufe ich mir
Mitbestimmung. Anarchokapitalisten wie etwa David Friedman, Sohn des
marktliberalen Ideengebers Milton Friedman, entwickelten diese charmante
Idee weiter: Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr. Bürger:innen als
Kund:innen, Institutionen bieten nur Dienstleistungen an. Noch radikaler
hätte es gerne Davids Sohn Patri Friedman – glühender Verfechter von
„Seasteads“, schwimmenden, deregulierten Ministaaten. Ein großer Fan: Peter
Thiel.
Auch wenn das bislang gruselige Sci-Fi bleibt, gibt es zumindest Versuche
in die Richtung. Die weitgehend privat verwaltete Stadt Próspera auf einer
Insel vor Honduras, ins Leben gerufen 2020 unter dem rechten Präsidenten
Juan Orlando Hernández, fungiert als Spielwiese für ausländische Libertäre
– inklusive eigenem Rechtssystem und kostenpflichtigem, gestaffeltem
Mitgliedschaftsmodell.
Und auch hinter Donald Trumps verkrampftem Beharren auf Grönland vermuten
manche den Wunsch, dort eine Freedom City zu gründen. Mehrere seiner Buddys
aus der Tech-Welt hatten Interesse bekundet. Das eisige Klima wäre perfekt
für die Kühlung von Serverfarmen.
Doch wie beim Luftschloss „Seasteading“ oder dem kriselnden Próspera –
Hernández' Nachfolgerin Xiomara Castro gefiel die Idee nicht mehr so gut –
läuft es auch bei Trumps Freedom Cities eher so mittel. Das
[2][US-Fact-checking-Portal] Politifact analysierte kürzlich, dass der
US-Präsident das Wort tatsächlich zuletzt im Wahlkampf 2023 erwähnt hatte.
Gesetze, in denen es vorkommt – Fehlanzeige. Fast möchte man darüber
hämisch lachen, dass Trump offenbar nicht nur der US-Arbeiter:innenklasse
[3][das Blaue vom Himmel verspricht], sondern auch seinen
Oligarchenfreunden – und damit immer mehr auf die Nase zu fallen droht.
29 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Peinlicher-Auftritt-bei-Presse-Gala/!6199161
(DIR) [2] https://politifact.com/truth-o-meter/promises/maga-meter-tracking-donald-trumps-2024-promises/promise/387472/create-deregulated-freedom-cities-on-federal-land/article/387475/
(DIR) [3] /Trump-ruft-Supreme-Court-an/!6199664
## AUTOREN
(DIR) Fabian Schroer
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