# taz.de -- Dünnhäutiger Bundeskanzler: Leptodermitis und der Patient Friedrich M.
       
       > Bei Menschen mit ausgeprägter Nervenschwäche kann schon kleinste Kritik
       > an ihnen zu ungeahnten Wutausbrüchen führen. Eine satirische Beobachtung.
       
 (IMG) Bild: Wird der Kanzler geheilt?
       
       Liebe Bürger*innen, wie zu Coronazeiten ist jetzt Ihre Solidarität gefragt,
       um eine grassierende Krankheit einzudämmen: Leptodermitis, auch bekannt als
       extreme Dünnhäutigkeit. Besonders wutanfällig sind dafür wohlhabende,
       männliche, weiße Politiker, die in ihrem Leben zu viel Macht ausgesetzt
       waren. Diese Vorbelastung in Verbindung mit genannter sozioökonomischer und
       genetischer Disposition kann massiv die Toleranz für Einwände schwächen und
       bei Kritik zu allergischen Überreaktionen führen.
       
       Jüngst diagnostiziert wurde Leptodermitis von der Kinderärztin Bea Merscher
       in einer TV-Sprechstunde bei einem Patienten, der hier zum Schutz seines
       fragilen Egos Friedrich M. heißen soll. Symptome sind, auf bittere Inhalte
       – etwa [1][Kritik an einer Krankenkassenreform] – mit persönlichen
       Angriffen zu reagieren, zum Beispiel, die behandelnde Ärztin als
       „Nutznießerin“ des Gesundheitssystems zu beschimpfen.
       
       Wutausbrüche von Leptodermitis wurden verstärkt in den Regionen Sauerland
       und Berlin registriert, aber auch [2][in den USA wurden seit 2016] hohe
       Inzidenzen verzeichnet, vor allem in Florida. Da es sich bei Betroffenen
       vor allem um Menschen aus vulnerablen Gruppen handelt, alte Männer mit
       hohem Blutdruck, ist allgemeine Rücksichtnahme erforderlich.
       
       ## Therapien sind kontraproduktiv
       
       Handelsübliche Finanzspritzen in die Parteikasse oder hohe Konzentrationen
       von Vitamin B sind als Therapie kontraproduktiv. Reha in Instituten wie
       Blackrock haben keinen Langzeiteffekt und stehen ohnehin nur
       Privatversicherten zur Verfügung. Versuchen Sie, die Kritiktoleranz mit
       evidenzbasierten Mitteln langsam aufzubauen, etwa mit sterilen Zahlen zu
       den volkswirtschaftlichen Langzeitfolgen kurzzeitiger Sparorgien.
       Drastischere Formeln, zum Beispiel, dass die geplante Reform eine
       Zweiklassenmedizin schafft, werden den Patienten überfordern.
       
       Um eine weitere Ausbreitung von Leptodermitis einzudämmen, wäre Vorbeugung
       in Form von Bildung sinnvoll, die wird aber leider nicht mehr von der
       Krankenkasse übernommen. Protestergebnisse aus anderen Politikfeldern
       zeigen, dass Hausmittelchen wie die Empfehlung, Eier zu lecken, eher zu
       Taubheit führen. Überreden Sie Betroffene lieber, sich aus
       Gesundheitsgründen aus stressigen Berufen zurückzuziehen. [3][Telefonische
       Krankschreibung] reicht dafür völlig.
       
       5 Sep 2026
       
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