# taz.de -- AfD-nahe Youtuber: Werben neben Hass und Hetze
       
       > Eine Aktion der NGO Campact macht bekannt, welche Firmen häufig vor
       > Videos von rechtsradikalen Youtubern warben. Einige nehmen bereits
       > Abstand.
       
 (IMG) Bild: FCK NZS, sollte generell die Haltung von Firmen sein und nicht vor Videos von rechtsradikalen Youtubern werben
       
       Wie auch andere [1][Influencer] machen AfD-nahe Youtuber auf der
       Videoplattform ordentlich Kasse mit Werbeeinnahmen. Hohe Klickzahlen
       bedeuten ein großes Publikum und mit dieser Reichweite lässt sich viel Geld
       verdienen. Auch Hetze und Falschinformationen lassen sich im
       Plattformkapitalismus des 21. Jahrhunderts [2][unter freundlicher Mithilfe
       von Google] vergolden. Allerdings gibt es für Unternehmen die Möglichkeit,
       bestimmte Werbepartner zu sperren.
       
       Die [3][Kampagnenplattform Campact] wollte genauer wissen, welche
       Unternehmen eigentlich vor Videos der größten AfD-nahen Youtuber Werbung
       schalten lassen und damit die Reichweite von rechten Hetzer*innen
       belohnen. 15.000 Unterstützer*innen haben nach Angaben von Campact an
       der Aktion mitgewirkt.
       
       Per Newsletteraufruf hatte der Kampagnenverein um Rückmeldung gebeten,
       welche Werbeclips vor Videos von reichweitenstarken rechtsradikalen
       Youtube-Kanälen angezeigt wurden. Auf einer eigens aufgesetzten [4][Website
       mit dem Titel Adwatch] konnten Nutzer*innen eine Reihe von Probevideos
       anklicken und die davor eingeblendete Werbung melden. Eine Woche lang wurde
       Rückmeldungen zu einschlägigen Kanälen ausgewertet, insgesamt gab es 30.000
       Rückmeldungen.
       
       Das Ergebnis: Mit Abstand am häufigsten schaltete das Portal
       „Kleinanzeigen“ Werbung, ganze 1.223-mal ploppten deren Clips auf. Dahinter
       folgte der Bezahldienst Revolut mit 599 Nennungen, dann Sumup (420), Google
       Pay (333), BMW (225) und Tui (216). Über 100-mal tauchten noch die Firmen
       Avast, Toyota, Motorola, Trade Republic, Amazon, Samsung, Indeed und
       Volkswagen auf. Rund 90 weitere Unternehmen ploppten zwischen 5- und
       100-mal auf.
       
       ## Campact fordert zum Boykott auf
       
       Die Kampagnenplattform schrieb daraufhin die rund 100 häufigst genannten
       Unternehmen an. Im Anschreiben macht Campact geltend, dass Youtube nicht
       nur Unterhaltungsplattform sei, sondern auch „zentraler Radikalisierungsort
       für die extreme Rechte“. Bestimmte Kanäle erreichten Millionenaufrufe und
       würden durch Werbeanzeigen aufgewertet und teils sogar mitfinanziert.
       
       Mit der Aktion wollte man vor allem Aufmerksamkeit für das Thema in der
       Wirtschaft schaffen, viele Unternehmen wüssten nicht, wie und wo überall
       ihre Werbung ausgespielt wird, wie die Campaignerin Friederike Gravenhorst
       der taz sagte: „Natürlich tragen auch Unternehmen eine gesellschaftliche
       Verantwortung. Und Firmen, die viel Arbeit in Imagepflege stecken, würden
       ihr Logo auch nicht freiwillig neben Hass und Hetze kleben.“
       
       In dem der taz vorliegenden Anschreiben heißt es: „Uns ist bewusst, dass
       Werbung auf Youtube automatisiert geschaltet wird und Unternehmen sich
       Platzierungen in der Regel nicht gezielt aussuchen. Dennoch liegt es in
       Ihrer Verantwortung, Hetz-Kanäle als Werbepartner auszuschließen.“ Die
       Unternehmen sollten mit „ihrem guten Ruf“ und dem „Werbebudget“ keine
       Youtube-Kanäle fördern, „die Desinformationen und Hass gegen Minderheiten
       verbreiten“.
       
       Campact hat die Unternehmen aufgefordert, AfD-nahe Youtuber mit über 10.000
       Abonnent*innen als Werbepartner auszuschließen: „Wenn Sie Ihre Marke
       künftig nicht mit Hass und Hetze in Verbindung bringen wollen, nutzen Sie
       gerne die angehängte Liste von Kanälen als Grundlage für eine Sperrliste
       für Werbeschaltungen auf Youtube.“
       
       Bis zum Freitag sagten laut Campact 18 Unternehmen zu, ihre Sperrlisten zu
       aktualisieren, darunter auch Kleinanzeigen, Indeed und Aldi Süd. Weitere 10
       Unternehmen hätten angekündigt, ihre Sperrlisten zu überprüfen und sich mit
       dem Thema auseinander zu setzen. Mehrere Firmen hätten signalisiert, dass
       sie mehr Zeit benötigten, „um den Sachverhalt zu prüfen“. Einige hätten
       sich bislang noch nicht zurückgemeldet.
       
       ## FCK AfD
       
       Gravenhorst sagte: „Die Reaktionen zeigen: Viele Unternehmen wollen nicht
       mit Hass und Hetze in Verbindung gebracht werden. Aldi Süd und
       Kleinanzeigen haben bereits Konsequenzen gezogen und die entsprechenden
       Hetzkanäle auf ihre Sperrliste gesetzt.“ Das sei ein erster Erfolg und gebe
       Rückenwind, weiterzumachen. Bei Unternehmen, die bisher noch nicht
       geantwortet haben, wolle man nun noch einmal nachhaken.
       
       Die untersuchten Kanäle sind 62 Accounts der rechtsradikalen Youtube-Bubble
       mit mindestens über 10.000 Abonnent*innen. Darunter rechtslibertäre
       Anlagepodcasts wie „hkcm“ und „Aktien mit Kopf“, aber auch ein Kanal vom
       vorbestraften Rocker und Ex-Polizisten Tim Kellner. Dazu der Account der
       AfD-Fraktion im Bundestag, KetzerDerNeuzeit, Compact TV, AchtungReichelt,
       Clownswelt, Nius.de und Vermietertagebuch. Interessant auch: Neben den
       üblichen rechten Streamern wie „Weichreite“ und „Eingollan“ und rechten
       Portalen wie Tichys Einblick, Auf1 und Epoch Times finden sich auch viele
       Accounts von AfD-Abgeordneten.
       
       Die Campact-Campaignerin Friederike Gravenhorst sagte auf Rückfrage, dass
       man nur explizite Hetzkanäle bei der Auswertung berücksichtigt habe:
       „Grundsätzlich sollen und dürfen aus unserer Sicht natürlich viele
       Positionen – auch unbequem und zugespitzt – im Diskurs auch auf Youtube
       stattfinden. Wir haben nur Kanäle ausgewählt, die durchweg gegen
       Minderheiten hetzen, der rechtsextremen AfD nahe stehen oder/und
       Verschwörungsideologie verbreiten.“ Dazu habe man „strenge
       Einzelabwägungen“ vorgenommen, so Gravenhorst.
       
       Nicht auf der Liste finden sich deshalb grauzonige Podcastformate wie „Ben
       ungeskriptet“, welches zuletzt auch Rechtsextremisten wie Björn Höcke oder
       dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ohne kritische oder störende
       Zwischenfragen ein Millionenpublikum geboten und am vermeintlichen
       Tabubruch fleißig mitverdient hat. „Wir haben uns auf eindeutige Fälle
       fokussiert. Darunter fällt zum Beispiel Tim Kellner, der vom
       Verfassungsschutz als rechtsextrem geführt wird, offen für die AfD wirbt
       und NS-Parolen verwendet“, so Gravenhorst.
       
       21 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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