# taz.de -- Baden in der Spree: Spreebaden gegen soziale Ungerechtigkeit
       
       > Paris und Kopenhagen machen es vor: Baden im stadteigenen Fluss ist
       > möglich. In Berlin gibt es regelmäßig Proteste gegen das
       > Spree-Badeverbot.
       
 (IMG) Bild: Die Spree ist sauber und sicher, sagt der Verein Fluss Bad Berlin. Warum ist das Baden dann noch verboten?
       
       Am Donnerstagnachmittag geht es auf dem Schinkelplatz gegenüber dem
       Humboldtforum rege zu: Schwimmringe werden aufgeblasen, Frotteehandtücher
       ausgepackt, Badekappen zurechtgerückt. Eigentlich ist es bis zum nächsten
       Freibad noch ein kleines Stück. Aber die etwa 200 Menschen, die hier nach
       und nach eintrudeln, wollen nicht in irgendein Becken steigen – sondern in
       die Spree.
       
       Das ist eigentlich seit 101 Jahren verboten. Die Senatsverwaltung für
       Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt weist auf erhebliche hygienische
       Risiken hin, insbesondere nach stärkeren Niederschlägen, denn dann gelangen
       über die Mischkanalisation Krankheitserreger in den Spreekanal. [1][Gegen
       das Spree-Badeverbot protestiert der Verein Fluss Bad Berlin regelmäßig und
       ruft zu Mitschwimmdemos auf.]
       
       Während der Vorbereitungen läuft Musik: Erst legen die Beach Boys mit ihrem
       Song „Surfer Girl“ los – und werden irgendwann von Patti Smiths „Pissing in
       the River“ unterbrochen. Passt gut zur Mischkanalisation. Tatsächlich hat
       es in den vergangenen 48 Stunden zu viel geregnet und die
       Veranstalter*innen müssen den Schwimmteil der Demo absagen. „Heute
       haben wir Pech gehabt, auch wenn es nicht zu einem Überlauf aus der
       Kanalisation gekommen ist“, sagt Jan Edler, Vorstandsvorsitzender von Fluss
       Bad Berlin.
       
       ## Das Badeverbot ist eine Ausrede für Untätigkeit
       
       Angesichts der durch den Klimawandel ausgelösten Wasserknappheit sinken die
       Pegelstände von Flüssen dramatisch [2][und auch der Zulauf der Spree nimmt
       ab]. Deshalb sollte sich der Senat ganz besonders für deren Erhalt
       einsetzen, findet der Verein und veranstaltet nicht nur die Demo, sondern
       formuliert konkrete Forderungen: „eine systematische Neuaktivierung der
       Gewässer als Ressource der Natur, der natürlichen Erholung, der
       Klimaanpassung und der Klimagerechtigkeit“.
       
       Für Fluss Bad Berlin führt das Badeverbot auch dazu, dass „die Entwicklung
       und Verbesserung der Berliner Gewässer insgesamt stark gehemmt wird“. Es
       gebe bereits Monitoringsysteme, die die Wasserqualität nicht nur
       überprüfen, sondern auch nachweisen würden, dass die Wasserqualität der
       Spree seit 1998 deutlich zugenommen habe.
       
       An diesem Donnerstag wird der Verein von der Volksbühne unterstützt. Das
       Motto der vierten Mitschwimm-Demo heißt nämlich „Fluss Baden: Das Volksbad
       für ganz Berlin“. Matthias Lilienthal, Intendant der Volksbühne und des
       theatereigenen Volksbads, ist gekommen, und an der Wand des Spreekanals
       hängt ein großes Banner, das das Gewässer als Volksbad bezeichnet.
       
       [3][Gleichzeitig bleibt das eigentliche „Volksbad“ vor der Volksbühne
       geschlossen.] „Das Flussbad finde ich ein super Projekt, wenn es Ökologie
       und soziales Miteinander kombiniert. Und in dieser alten preußischen
       Kultur, den gebauten Steinwänden, würde man sich ja manchmal auch eine
       gewisse Auflockerung wünschen“, sagt Lilienthal.
       
       ## Spreebaden ist auch Wahlkampfthema
       
       Auch Berliner Politiker*innen und Spitzenkandidat*innen halten
       Reden, denn das Thema Flussbaden lässt sich gut in den eigenen Wahlkampf
       einbetten. „Baden darf kein Luxus sein“, sagt Elif Eralp (Linke). „Gerade
       für Menschen, die in der Stadt wohnen, wo es eh wenig Grün gibt.“ Auch
       Linda Vierecke, Sprecherin für Umwelt und Klimaschutz der SPD-Fraktion,
       befürwortet das Projekt. „Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, sich
       abzukühlen in einer Stadt, die wirklich viel versiegelt ist“, sagt sie.
       „Ich wünsche mir eine Umweltsenatorin, die Badestellen baut, statt
       Fahrradwege zurückzubauen.“
       
       Eine Demoteilnehmerin ist heute gekommen, um sich das Schwimmen
       anzuschauen. Selbst hineinsteigen wolle sie nicht, dazu sei ihr das mit der
       Wasserqualität noch zu unsicher. „Obwohl gesagt wurde, dass 80 Prozent des
       Wassers sauber sind, geht das Bild von der verdreckten Spree nicht aus
       meinem Kopf“, sagt sie. „Aber sich abkühlen zu können, das wäre toll. Es
       ist so zubetoniert.“ Und: „Wenn man hier baden darf, halten die Menschen
       vielleicht das Wasser sauber und werfen nichts mehr rein.“
       
       21 Aug 2026
       
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 (DIR) Ann Toma-Toader
       
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