# taz.de -- Studie zu Wahlverhalten: Wenn keine Partei mehr wählbar ist
       
       > Für Wähler*innen mit Migrationshintergrund wird das Wahlangebot immer
       > unattraktiver. Besonders bei einer Gruppe gibt es kaum gute Wahloptionen.
       
 (IMG) Bild: Wenn nichts mehr wählbar ist, wird der Gang zum Wahllokal obsolet
       
       Parteien sind darauf angewiesen, dass Menschen sie grundsätzlich für
       wählbar halten. Doch genau daran hapert es bei Wähler*innen mit
       Migrationshintergrund zunehmend. Eine [1][neue Studie] des Deutschen
       Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zeigt, dass für
       diese Gruppe die Wählbarkeit mehrerer Parteien innerhalb eines Jahres
       gesunken ist. Die Forscher*innen stellen fest, dass keine Partei von den
       migrationspolitischen Debatten, die vor allem die AfD anführt, profitieren
       konnte. Vielmehr scheint sich ein Teil der migrantischen Wählerschaft
       insgesamt von den Parteien abzuwenden.
       
       Die Studie vergleicht Befragungen aus dem Winter 2023/24 und dem Winter
       2024/25. Untersucht wurden 2.631 Wahlberechtigte, die an beiden Befragungen
       teilgenommen haben. Dabei ging es nicht um die klassische Sonntagsfrage,
       sondern darum, welche Parteien sich die Befragten grundsätzlich vorstellen
       können zu wählen. SPD, CDU/CSU, Grüne, FDP, Linke und AfD konnten auf einer
       Skala von eins bis sieben bewertet werden. Wer eine Partei mit mindestens
       drei Punkten bewertete, galt als potenzielle*r Wähler*in. Die
       Ergebnisse sagen jedoch nicht voraus, wie jemand tatsächlich abstimmen
       würde.
       
       Zunächst zeigt sich Stabilität: Menschen mit Bezug zu EU-Ländern bewerten
       die Parteien ähnlich wie Befragte ohne Migrationshintergrund. Unterschiede
       treten auf, wenn man nach Herkunftsregionen differenziert. Menschen mit
       Bezug zur [2][MENA-Region] (Middle East and North Africa) und zur Türkei
       halten die Linke häufiger für wählbar, die Grünen dagegen seltener.
       
       Bei Menschen mit Bezug zur früheren Sowjetunion ist der Anteil potenzieller
       Grünen-Wähler*innen ebenfalls niedriger. Gleichzeitig können sich in dieser
       Gruppe mehr Menschen vorstellen, die AfD zu wählen, als in anderen
       Herkunftsgruppen. Dennoch liegen auch hier SPD und CDU/CSU bei der
       Wählbarkeit vor der AfD.
       
       Interessanter als diese Unterschiede ist aber die Entwicklung über die
       Zeit. Keine der untersuchten Parteien wird 2024/25 im Durchschnitt als
       wählbarer eingeschätzt als im Jahr zuvor. Während die Werte bei Befragten
       ohne Migrationshintergrund weitgehend stabil bleiben, sinkt die Wählbarkeit
       bei Menschen mit Migrationshintergrund über alle Parteien hinweg. Besonders
       stark zeigt sich dieser Rückgang bei der Gruppe mit Bezug zur MENA-Region
       und zur Türkei.
       
       ## AfD wird am meisten abgelehnt
       
       Dort geht der Anteil derjenigen, die sich vorstellen können, die CDU/CSU zu
       wählen, von 67 auf 50 Prozent zurück. Bei der SPD sinkt er von 71 auf 60
       Prozent, bei der Linken von 59 auf 45 Prozent. Der Anteil der Befragten,
       die alle der sechs abgefragten Parteien als nicht wählbar einschätzen, hat
       sich in der Gruppe der Befragten mit Bezug zur MENA-Region/Türkei von
       Winter 2023/2024 zu Winter 2024/2025 fast verdreifacht, von 7 Prozent auf
       19 Prozent.
       
       Über alle Parteien hinweg steigt bei den Befragten mit
       Migrationshintergrund außerdem der Anteil derjenigen, die eine Partei
       kategorisch ausschließen. Am oberen Ende der Skala, also bei einer
       besonders starken Zustimmung zu einer Partei, gibt es dagegen keinen
       entsprechenden Anstieg. Die Studie sieht das als Zeichen eines
       Entfremdungsprozesses.
       
       Über alle Wähler*innen mit Migrationshintergrund hinweg wird die
       [3][AfD] am häufigsten kategorisch abgelehnt. Rund 65 Prozent der Befragten
       geben an, sie keinesfalls wählen zu wollen. Bei Menschen mit
       MENA-/Türkei-Bezug liegt dieser Wert sogar bei etwa 80 Prozent.
       
       Wer sich von den Parteien entfernt, tut das nicht zwangsläufig, weil eine
       andere Partei an ihre Stelle tritt. Bei einem Teil der Wähler*innen wird
       vielmehr das gesamte Angebot weniger attraktiv. Das sieht auch der
       Soziologe Özgür Özvatan so, der darin nicht nur ein Problem der Parteien
       sieht: „Das ganze Ökosystem Politik ist in diesem Land extrem weiß und
       damit inkompetent, migrantische Wahlberechtigte anzusprechen.“
       
       31 Aug 2026
       
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 (DIR) [1] https://www.dezim-institut.de/fileadmin/user_upload/fis/publikation_pdf/FA-6582.pdf
 (DIR) [2] /Klimaheldinnen-der-MENA-Region/!6125599
 (DIR) [3] /Schwerpunkt-AfD/!t5495296
       
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