# taz.de -- Schiffbaubranche boomt: Kreuzfahrtschiffe und Yachten füllen die Auftragsbücher
> Die deutsche Autobranche schwächelt, aber die maritime Industrie kann
> sich vor Aufträgen kaum retten. Kreuzfahrtschiffe gehen weg wie
> geschnitten Brot.
(IMG) Bild: Noch nie wurden so viele Neubauten bestellt: Kreuzfahrtschiffe füllten die Auftragsbücher der deutschen Werften
Während die deutsche Autoindustrie darbt, kann sich der Schiffbau vor
Aufträgen kaum retten. „Der globale Schiffbaumarkt verzeichnet den
zweithöchsten Auftragseingang seiner Geschichte“, sagte Reinhard Lüken, der
Hauptgeschäftsführer des Verbandes Schiffbau und Meerestechnik am
Donnerstag in Hamburg. Die deutsche maritime Industrie profitiert davon
insbesondere, weil sie beim Bau von Kreuzfahrtschiffen wettbewerbsfähig
ist.
Lüken äußerte sich vor der [1][SMM] (Shipbuilding, Machinery & Marine
Technology), der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft, die vom 1. bis 4.
September in Hamburg stattfinden wird. Hier präsentieren sich Schiffbauer,
Zulieferer und Dienstleister – bis hin zum spezialisierten Anwaltsbüro.
Wie gut die Auftragslage ist, zeigt sich daran, dass gegenwärtig neuer
Schiffsraum im Umfang von 21 Prozent der fahrenden Flotte bestellt ist. Das
ist viel, aber längst nicht so viel wie 2008, als es 55 Prozent der
fahrenden Flotte waren. Kurz darauf brach der Markt zusammen. Schiffe
mussten notverkauft und verschrottet werden. Auch heute gibt es Lüken
zufolge ein Segment mit einem ähnlich hohen Wert: die sehr großen
Containerschiffe mit 49 Prozent.
Von den im vergangenen Jahr ausgelieferten Schiffen kamen am
Fassungsvermögen gemessen 90 Prozent aus China. Das heißt, auch, die
deutschen Reeder bestellen ihre Schiffe im Wesentlichen in China – mit dem
entsprechenden geostrategischen Risiko. „Das ist nicht das Ergebnis von
normalen Marktverhältnissen“, sagte Lüken. Vielmehr sei es das Ergebnis
chinesischer Industriepolitik.
## Viel Umsatz mit Kreuzfahrtschiffen
Beim besonders volumenträchtigen Bau von Containerschiffen spielt
Deutschland praktisch keine Rolle mehr. Ihren Umsatz machen die deutschen
Werften vor allem mit Kreuzfahrtschiffen und Yachten: Im gegenwärtigen
zivilen Auftragsbestand stellen diese gemessen am Raumvolumen 87 Prozent, 5
Prozent die Handelsschiffe.
Die [2][Nachfrage nach Kreuzfahrten] hat sich seit dem Einbruch im
Coronajahr 2020 kräftig erholt. Das Passagieraufkommen ist gegenüber der
Vor-Corona-Zeit um ein Viertel gestiegen. Noch nie wurden so viele
Neubauten bestellt. Dabei lässt sich mit den Kreuzfahrtschiffen auch noch
verhältnismäßig viel Umsatz machen.
16 Prozent der weltweiten Investitionen im Schiffbau fließen in die
Kreuzfahrt, 32 Prozent in die Containerschifffahrt, obwohl viel mehr
Container- als Kreuzfahrtschiffe geordert werden. Die deutschen Werften
können hier mithalten, weil sie viel Know-how für den aufwendigen Bau
dieser Schiffe erworben haben.
Der Boom bei den Kreuzfahrtschiffen steigert die Nachfrage an Fachkräften.
Dazu kommt die Produktion von Konverterstationen für Offshore-Windparks,
die den erzeugten Strom so umformen, dass er fast verlustfrei an Land
transportiert werden kann. „Das ist ein Segment, in dem wir endlich einen
Durchbruch haben“, sagte Lüken. Hier hätten europäische Hersteller einen
Vorteil, weil es sich um kritische Infrastruktur handele.
Bedarf hat auch der [3][Marineschiffbau. Die Nachfrage sei auch hier massiv
gestiegen]. „Die Industrie investiert“, sagte Lüken, „aber der Staat muss
schneller werden.“ Der Hinweis gilt dem Beschaffungswesen der Bundeswehr,
dem der Ruf notorischer Umständlichkeit anhaftet.
Den Verzicht des Bundesverteidigungsministeriums auf das sehr aufwendige
Fregattenprojekt „F126“ bedauerte Lüken mit Blick auf die involvierten
Unternehmen. Die Entscheidung, stattdessen eine bewährte Standardlösung zu
bestellen, bezeichnete er jedoch als einen Riesenschritt.
Im Volumen klein, aber für den [4][billigen Transport von Massengütern] von
Bedeutung, ist die Binnenschifffahrt, die sich mit dem Problem des [5][seit
Jahren zunehmenden Niedrigwassers] auseinandersetzen muss. Lüken beklagte
einen Investitionsstau sowohl bei der Infrastruktur, also den Wasserwegen,
als auch bei der Flotte, die im Durchschnitt 70 Jahre alt sei.
Es müssten zumindest Problemstellen beseitigt und Schiffe mit geringerem
Tiefgang gebaut werden. Dazu brauche es eine verlässliche Nachfrage,
politischen Willen und Kapital. „Das sind alles Probleme, die wir ohne den
Staat nicht lösen können“, sagte Lüken.
Aus Sicht von Umweltschützern kann es nicht darum gehen, die Flüsse immer
weiter für die Schifffahrt zuzurichten. Statt auf größere Abladetiefen und
den weiteren Ausbau von Wasserstraßen zu setzen, müsse die
Widerstandsfähigkeit der Flüsse und ihrer Auen gegen Trockenheit und
Hochwasser gestärkt werden, forderte kürzlich der Naturschutzbund (Nabu)
Niedersachsen.
„Niedrigwasser lässt sich nicht wegbaggern“, sagte der Landesvorsitzende
Holger Buschmann. „Wir müssen vielmehr dafür sorgen, dass [6][Wasser länger
in unseren Landschaften gehalten] wird.“
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.smm-hamburg.de/
(DIR) [2] /Klimafreundliche-Schifffahrt-Eine-Kreuzfahrt-koennte-reines-Vergnuegen-sein/!6202161
(DIR) [3] /Megaauftrag-aus-Kanada/!6194117
(DIR) [4] /Zu-wenig-Wasser-im-Rhein/!6203483
(DIR) [5] https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2026/08/20/correctiv-fluss-atlas-deutschlands-fluessen-trocknen-aus/
(DIR) [6] /Gewaesserexperte-ueber-niedrige-Pegel/!6203781
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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