# taz.de -- Kreuzfahrtschiffe in Hamburg: „Mit Kreuzfahrten wird ein Haufen Geld verdient“
       
       > Die Kreuzfahrtbranche boomt. Das macht es einfacher, sie zur
       > Nachhaltigkeit zu verpflichten, sagt Nabu-Chef Malte Siegert.
       
 (IMG) Bild: Cruise Days 2025: Pauschale Proteste gegen Kreuzfahrt? Da ist der Nabu nicht mehr mit dabei
       
       taz: Gibt es so etwas wie nachhaltige Kreuzfahrt, Herr Siegert? 
       
       Malte Siegert: Die Frage muss, glaube ich, eher sein, ob es so etwas wie
       nachhaltigen Urlaub gibt. Es wäre falsch, da alleine auf die Kreuzfahrt zu
       schauen. Gerade, wenn man sich die modernen Kreuzfahrtschiffe anschaut,
       sind das schon echte Mikrokosmen, die einiges vom Wasserrecycling über die
       Minimierung des Stromverbrauchs bis hin zur Müllvermeidung sehr gut
       organisieren. Eine Woche Kreuzfahrt ist nicht unbedingt weniger nachhaltig
       als eine Flugreise nach Malle inklusive schlecht isoliertem Hotel.
       
       taz: Das wundert mich. 
       
       Siegert: Klar: Die meisten denken, jetzt kommt der Umweltverbands-Fredy und
       ist erstmal der Mega-Kritiker. Aber es muss immer um eine vergleichbare
       Gesamtbilanz gehen. Ich wehre mich dagegen, so pauschal zu sagen, [1][dass
       Kreuzfahrt Mist ist].
       
       taz: B ei der Internationalen Tourismus-Messe ITB hat der Nabu gerade erst
       betont, [2][Kreuzfahrten seien nach Flugreisen die klimaschädlichste Form
       des Urlaubens …] 
       
       Siegert: Na ja, Sie hatten ja nach Nachhaltigkeit gefragt. Davon ist
       Klimaschutz nur ein Punkt. Wenn man allein darauf schaut, ist Kreuzfahrt
       wahrscheinlich immer noch keine gute Form des Tourismus.
       
       taz: Dann begrüßen Sie, wenn sich Hamburg am Dienstag als Hotspot für
       nachhaltige Kreuzfahrt in Szene setzt? 
       
       Siegert: Das kann die Stadt ja nur, weil wir als Verband seit 15 Jahren auf
       diesem Feld hartnäckig arbeiten. Wir haben 2011 unsere erste
       Kreuzfahrt-Kampagne gemacht: Mir stinkt’s, hieß die damals. Das Ziel war,
       Kreuzfahrtschiffe sauber zu machen. Damals hatten wir eine katastrophale
       Situation, was die gesamten Luftemissionen betrifft. Weil wir auch den
       politisch Beteiligten hier in Hamburg seitdem auf den Füßen gestanden
       haben, wurde hier 2016 das erste Kreuzfahrtterminal mit Landstrom
       ausgestattet.
       
       taz: Ihre Position ist also: Kreuzfahrten gibt es, und wir müssen sie
       besser machen? 
       
       Siegert: Wir haben nie gesagt, dass wir Kreuzfahrt grundsätzlich schlecht
       finden. So gut wie jede Form von Tourismus verursacht einen gewissen
       Fußabdruck …
       
       taz: … und dann ist es effizient, eine besonders große Branche, die noch
       dazu dynamisch wächst, auf Nachhaltigkeitsziele zu verpflichten? 
       
       Siegert: Einer Branche, der es gut geht, kann man leichter etwas
       abverlangen. [3][Mit Kreuzfahrten wird ein Haufen Geld verdient.] Da können
       wir von den Unternehmen natürlich fordern: Seid innovativ, baut vernünftige
       Schiffe, nutzt die bestmögliche Technologie. Das hat mit den Reedereien,
       die auf dem deutschen Markt operieren, relativ gut geklappt.
       
       taz: Übers bloße Greenwashing hinaus? 
       
       Siegert: In den zahlreichen Gesprächen mit Reedereien und Lobby-Plattformen
       nehme ich schon Interesse wahr. Das war am Anfang nicht so. Da hat man
       versucht, uns zu bekämpfen und zu marginalisieren. Weil wir aber, unter
       anderem über das jährliche Kreuzfahrtranking, mit Fachkenntnis wirkungsvoll
       Öffentlichkeit erreichen, ist die Branche mittlerweile sehr kooperativ.
       Zumindest bis Corona waren die Innovationstreiber auch für die
       Handelsschifffahrt. Jetzt müssen wir denen natürlich wieder auf den Füßen
       stehen und sie auffordern, weiter an ihrer Performance zu arbeiten, und
       beispielsweise ihre CO2-Emissionen runterzubringen.
       
       taz: Lassen sich Nachhaltigkeitsforderungen leichter platzieren, wenn die
       Regierung– wie Häfensenatorin Melanie Leonhard (SPD) – den Schulterschluss
       mit der Branche sucht und mit ihr zusammen Bilanz zieht?
       
       Siegert: Immerhin hat Jens Meier, der Chef der Hamburg Port Authority,
       jetzt angekündigt, dass in Hamburg ab 2027, also drei Jahre bevor die
       Landstrompflicht der EU greift, alle Schiffe an den Landstrom gehen sollen.
       Ich vermute, er meint damit: Alle Schiffe, die Landstrom abnehmen können,
       müssen ihn dann auch nutzen. Das sollte man nachschärfen. Unsere Forderung
       wäre, zusätzlich festzulegen, dass man diejenigen, die nicht landstromfähig
       sind, dann gar nicht mehr reinlässt. Denn das liegt im Interesse der Stadt:
       Es betrifft die Luftreinhaltung und die Gesundheit der Menschen vor Ort.
       
       16 Mar 2026
       
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