# taz.de -- Klimaprotest in der Hitzewelle: Im Supermarkt gegen die Klimakrise
> Trotz des Hitzesommers sind Massenproteste der Klimabewegung bisher
> ausgeblieben. Dabei protestieren die Aktivist:innen weiter – gegen
> SUVs und Wasserdiebstahl.
(IMG) Bild: Brandenburg auf dem Trockenen: sinkender Pegel in der Talsperre Spremberg
Die Auswirkungen der Klimakrise werden in diesem Hitzesommer immer
konkreter spürbar. Am Dienstag [1][teilte das Brandenburger
Landesumweltministerium mit], aufgrund des Niedrigwasser der Spree müssten
gemäß der zweiten Stufe eines Notfallplans einige Schleusen im Spreewald
geschlossen werden, um einen Mindestpegel in Richtung Berlin zu halten. Es
sei damit zu rechnen, dass das Paddeln im Spreewald nur eingeschränkt
möglich ist – mit welchen Folgen ansonsten für das Biosphärenreservat zu
rechnen ist, führte das Ministerium nicht aus. Grund für die
Wasserknappheit seien die hohen Temperaturen und der zu geringe
Niederschlag.
Darüber hinaus wurden in Brandenburg schon seit Längerem in zahlreichen
Landkreisen Wasserentnahmebeschränkungen erlassen, die das private Abpumpen
von Oberflächenwasser verbieten, etwa fürs Bewässern von Pflanzen oder
Befüllen von Swimmingpools. Derweil teilt das Robert Koch-Institut (RKI)
mit, die Zahl der Hitzetoten in Brandenburg und Berlin liege in diesem Jahr
deutlich über den Zahlen der vergangenen Jahre. Deutschlandweit [2][rechnet
das RKI in diesem Sommer bisher mit über 12.000 hitzebedingten Toten].
Und trotzdem: Massenproteste hat es bisher noch nicht gegeben. Als vor zwei
Wochen Fridays for Future zu einem spontanen Protest vor dem
Bundeskanzleramt aufgerufen hat, kamen jedenfalls kaum 300 Menschen. In
deutschen Medien wird deshalb aktuell gerne gefragt, wo denn nun die
Klimabewegung sei. „Kann es sein, dass die Klimabewegung es sich selbst
versaut hat mit dem Mainstream, durch zu viel Festkleben im
Berufsverkehr?“, fragte [3][da etwa die Süddeutsche Zeitung] – und rief
damit zuletzt viel Widerspruch in der Bewegung hervor.
Carla Hinrichs, Aktivistin der inzwischen aufgelösten Protestgruppe Letzte
Generation, die für genau solche Protestaktionen stand, sagte etwa, die
Klimabewegung sei von den Medien „verunglimpft, kriminalisiert und durch
den Dreck gezogen“ worden. Auch die Aktivistin Luisa Neubauer sagte, die
Schuld für die inzwischen abgeebbten Proteste gegen die Klimakrise nun bei
der Bewegung zu suchen, statt bei den Politiker:innen, die diese laufen
lassen, sei eine „Beleidigung für alle Menschen in diesem Land, die sich
seit Jahren ehrenamtlich engagieren“.
## SUVs unschädlich gemacht
Tatsächlich kann man der Klimabewegung überhaupt nicht vorwerfen, in der
Hitzekrise untätig zu sein. Erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch
haben etwa Aktivist:innen des Widerstands-Kollektivs, einer
Nachfolgeaktion der Letzten Generation, in Charlottenburg nach eigenen
Angaben etwa 20 SUVs stillgelegt. Weil die Politik im Umgang mit der
Klimakrise versage, habe man sich entschieden, „selbst Hand anzulegen“,
hieß es laut den Aktivist:innen auf Zetteln, die in die
Windschutzscheiben der überdimensionierten Stadtwagen gehängt worden, denen
mithilfe gefrorener Erbsen die Luft aus den Reifen gelassen wurde.
SUVs würden wegen ihres hohen Verbrauchs „Öl ins Feuer der
Klimakatastrophe“ gießen, erklärte eine:r der Aktivist:innen in einer
Mitteilung. Zudem würden die Großautos gerade im städtischen Raum viel
Platz einnehmen. „Wenn diese Flächen entsiegelt und zum Beispiel mit Bäumen
bepflanzt werden, dann würde das gerade in den heißen Sommermonaten die
Straßen kühlen, Schatten spenden und die Luftqualität verbessern“, so die
Aktivist:innen.
Einen anderen Schwerpunkt legen die Aktivist:innen einer [4][neuen
Protestkampagne namens Guter Grund]. Auf Videos ist zu sehen, wie die
Aktivist:innen in Supermärkten Getränkeregale mit rotem Absperrband und
Zetteln überkleben, auf denen auf die Millionenprofite hingewiesen wird,
die Konzerne in der Wasserkrise machen. Am Dienstag und Mittwoch war die
Gruppe in Neukölln unterwegs. Bereits am ersten Augustwochenende waren
Aktivist:innen bei vergleichbaren Aktionen von der Polizei festgenommen
worden.
## Red Bull pumpt in Baruth
Mit ihren Aktionen wolle man [5][die Verfügbarkeit von Wasser zur
Klassenfrage erklären], sagte Pressesprecher:in Leonie Ehlerding zur
taz. Bei den gegenwärtigen historisch tiefen Wasserständen und
Rekordtemperaturen stelle sich die Frage, wer noch Zugang zu Wasser
besitzt. „Während die normalen Menschen zum Sparen aufgefordert werden,
pumpen die Konzerne munter weiter“, so Ehlerding.
Konkret verweist Ehlerding etwa auf die Situation im brandenburgischen
Baruth, wo der Energydrink-Konzern Red Bull jährlich etwa 2,35 Millionen
Kubikmeter Grundwasser entnehmen darf – das sind 92 Prozent der
Wassermenge, die dem Ort insgesamt zur Verfügung stellen. In Brandenburg
bezahlen Konzerne für die Entnahme von 1.000 Litern Grundwasser lediglich
zwischen 10 und 11,5 Cent. „Dieses Wasser entnehmen Konzerne wie Red Bull,
aber auch herkömmliche Sprudelwassermarken – und dann verkaufen die
Konzerne uns ihre Getränke auch noch zurück“, so Ehlerding.
Die Gruppe stört auch die Geheimhaltung der Verträge, in denen das Recht
auf Wasserentnahme geregelt ist. Aktuell würde deshalb versucht, die
genauen Inhalte des Wasservertrags in Baruth freizuklagen. Zudem würden die
Genehmigungen häufig auf stark veralteten Daten basieren. In Baruth etwa
basierten die Wasserrechte von Red Bull auf einem Gutachten von 2006,
dessen Daten wiederum aus den Jahren 1981 bis 1999 stammen.
Wieder andere Aktivist:innen haben indes aufgegeben, die aus ihren
Augen offensichtlich unwillige Politik zum Handeln zu bewegen – und
bereiten sich deshalb, wie kürzlich auf dem „Kollapscamp“ bei
Wittstock/Dosse im Norden Brandenburgs, auf die Katastrophe vor.[6][[Link
auf Beitrag 8639329]] Statt danach zu fragen, wo die Klimabewegung ist,
sollte deshalb vielleicht eher nachgeforscht werden, warum viele Menschen
nicht mehr glauben, dass ihr Protest etwas verändern kann. Das aber hat
vermutlich wohl eher etwas mit der Politik zu tun, als mit der
Klimabewegung.
19 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://mleuv.brandenburg.de/mleuv/de/aktuelles/presseinformationen/detail/~18-08-2026-phase-2-niedrigwasserbewirtschaftungskonzeptes
(DIR) [2] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
(DIR) [3] https://www.sueddeutsche.de/kultur/klimakrise-niedrigwasser-berlin-kanzleramt-proteste-klimabewegung-li.3527621?reduced=true
(DIR) [4] https://guter-grund.info/
(DIR) [5] /Wasserknappheit-in-Berlin-Brandenburg/!6176703
(DIR) [6] /Anschlag-auf-Berliner-CSD/!6199997
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
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