# taz.de -- Zehn Jahre Taskforce Drogen: Polizei verursacht zusätzliche Probleme
> Die Hamburger Polizei feiert ihre Taskforce Drogen, die vor allem
> Schwarze Straßendealer verfolgt, als Erfolg. Dabei verschlechtert sie die
> Situation.
(IMG) Bild: Macht Probleme und stört das Stadtbild: Polizei
Für die Betroffenen, also Geflüchtete und Anwohner*innen, ist es ein
trauriges Jubiläum: Die Taskforce Drogen der Hamburger Polizei wird in
diesem Jahr zehn Jahre alt. Seit 2016 patrouilliert die Dauereinsatztruppe
täglich mit zahlreichen Beamt*innen in St. Pauli-Süd sowie im ebenfalls
als „gefährlicher Ort“ deklarierten Schanzenviertel und im Bahnhofsviertel
St. Georg. Sie geht dabei hauptsächlich gegen junge, aus Westafrika
geflüchtete Männer vor, die in Deutschland keine Arbeitserlaubnis haben und
deshalb für 10 oder 20 Euro Tageslohn Kleinstmengen Drogen verkaufen. Das
Jubiläum der Taskforce bedeutet eine Dekade institutionalisierten Rassismus
in Hamburg.
Die Polizei [1][feiert den Einsatz durchgehend als Erfolg]. Sie geht davon
aus, dass alles noch schlimmer wäre, wenn die Taskforce nicht da wäre.
Schlimmer heißt für die Behörde: Es würden mehr Drogen verkauft.
Anwohner*innen und Geflüchtete hingegen weisen seit Beginn des
Einsatzes im Jahr 2016 darauf hin, dass die Präsenz der Polizei das Problem
verschlimmert. Durch sie kommen zu den Drogenverkäufen regelmäßig
Jagdszenen auf Schwarze Menschen, gewaltsame Festnahmen, ehrenamtliche
Begleitung durch Anwohner*innen und die Versorgung Geflüchteter in
Untersuchungshaft, [2][permanenter Stress durch die Dauerpräsenz] der
Polizei hinzu. Kurz gesagt: Die Polizei verursacht zusätzliche Probleme und
stört das Stadtbild.
Zur Lösung der vertrackten Situation trägt sie hingegen kein Stück bei.
Perspektivlosigkeit in Westafrika, globale Fluchtbewegungen, restriktive
Asyl- und Abschottungspolitik, internationaler Drogenschmuggel – solche
Probleme lassen sich nicht im Kleinen bekämpfen.
## Ob es was bringt, ist egal
Wenn man im Kleinen gegen die schwächsten Glieder dieser Kette des Elends
vorgeht, verschärft man nur deren Probleme und eskaliert die Situation.
Auch die Polizei sieht ja, dass die Dealer meistens am nächsten Tag wieder
da sind – und wenn nicht, sind es andere. Warum verschließt die
Polizeiführung sich vor der offensichtlichen Erkenntnis, dass die Maßnahme
nichts bringt? Vielleicht, weil das Ziel der Taskforce von Anfang an nur
die „Bekämpfung der öffentlich wahrnehmbaren Drogenkriminalität“ war. Man
will zeigen, dass man was tut. Ob es was bringt, ist egal.
Das einzig Sinnvolle, was man im Kleinen machen kann, ist zu helfen. Dafür
muss man auch nicht linksradikal sein (es scheint aber zu helfen). Auch
wenn die Akuthilfe der Anwohner*innen immer nur ein zu kleines
Notfallpflaster bleibt und sich an der prekären Gesamtsituation der
geflüchteten Verkäufer nichts ändert, macht es doch einen Unterschied, ob
man immer nur drangsaliert wird oder auch mal einen Tee angeboten bekommt.
Was wirklich helfen würde, wäre, den jungen, arbeitswilligen Männern Arbeit
zu geben. Echte Arbeit, nicht prekäre und kriminalisierte Scheißarbeit. Das
Drogenverkaufen auf der Straße würde sich von allein erledigen, wenn die
Verkäufer stattdessen Burger braten oder Franzbrötchen backen könnten.
Auch Investitionen in soziale Infrastruktur würden helfen, die Verelendung
in den Stadtteilen, wo viele Drogen verkauft werden, einzudämmen. Also:
bessere Übernachtungsmöglichkeiten für die Verkäufer, die oft auf der
Straße leben. [3][Mehr Sozialarbeit]. Hilfe im Asylverfahren und mit
Ämtern. Das alles würde Druck aus der Situation nehmen, anstatt sie weiter
zu eskalieren.
Das sind nicht unbedingt polizeiliche Aufgaben – aber warum eigentlich
nicht? Wenn das Ziel doch ist, die öffentlich wahrnehmbare
Drogenkriminalität zu bekämpfen und der bisherige Weg nur weiter ins Elend
führt, könnte man das Jubiläum doch zum Anlass nehmen, die Karten neu zu
mischen.
19 Aug 2026
## LINKS
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(DIR) [3] /Menschen-ohne-Krankenversicherung/!6171675
## AUTOREN
(DIR) Katharina Schipkowski
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