# taz.de -- Zehn Jahre Haft für „Ras Bath“ in Mali: Wie ein Rastafari zum Staatsfeind wurde
       
       > Ein langjähriger Demokratieaktivist aus Mali muss zehn Jahre ins
       > Gefängnis. Die Militärdiktatur warf ihm Verunglimpfung des Staates vor.
       
 (IMG) Bild: Die letzten bekannten Aufnahmen von Ras Bath zeigen ihn unter Militärbewachung auf dem Weg zum Gericht in Bamako, 10. August
       
       Verhärmt und abgemagert, mit finsterer Miene, aber gereckter Faust wurde
       Malis bekanntester Demokratieaktivist Mohamed Youssouf Bathily am 10.
       August in der Hauptstadt Bamako [1][von schwerbewaffneten Soldaten zum
       Gericht gebracht].
       
       „Ras Bath“, wie er genannt wird – wobei Ras für „Rasta“ steht und Bath die
       Abkürzung seines Nachnamens ist – musste sich wegen „Mitgliedschaft in
       einer kriminellen Vereinigung“ und „Verunglimpfung des Staates“
       verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte für ihn und seine
       Mitangeklagte Rokiatou Doumbia zehn Jahre Haft, fünf davon auf Bewährung.
       Am 17. August erging das Urteil – und es fiel noch härter aus, als
       befürchtet: zehn Jahre Haft, nur drei davon auf Bewährung, sowie eine
       Geldstrafe.
       
       Ob der 53-Jährige jemals wieder als freier Mann in Mali auftreten kann, ist
       fraglich. Seit seiner Festnahme im März 2023 hat der unerschrockene
       Polemiker, Radiojournalist und Regimekritiker in der Untersuchungshaft
       offensichtlich gelitten. Seit [2][genau sechs Jahren herrscht in Mali das
       Militär], Kritik daran ist gefährlich. Ras Baths Festnahme fand zu einer
       Zeit statt, als Militärherrscher Assimi Goita die ursprünglich versprochene
       Rückkehr zur zivilen Demokratie endgültig absagte.
       
       Ein Jahr vorher war der frühere Premierminister [3][Soumeylou Boubèye
       Maiga] in der Haft verstorben. Ras Bath wurde festgenommen, nachdem er sich
       in den sozialen Medien mit den Worten äußerte: „Er ist nicht gestorben, er
       wurde ermordet, so muss man das sagen.“ Die Verbreitung dieser Aussage habe
       die öffentliche Ordnung gestört und falle deshalb unter das Gesetz gegen
       Cyberkriminalität, behauptete die Staatsanwaltschaft jetzt. Und: Die
       Aussage verunglimpfe die Träger staatlicher Autorität. Da Ras Bath im Radio
       die Aktivistin Doumbia zu ihrer Kampagne gegen hohe Lebenshaltungskosten
       interviewt hatte, hieß es außerdem, die beiden bildeten eine kriminelle
       Vereinigung. In einem autoritären Staat ist so etwas logisch.
       
       Bath ist Teil einer [4][Generation mutiger westafrikanischer Kämpfer für
       Bürgerrechte] und gegen Korruption und Autoritarismus, die in Senegal und
       Burkina Faso erfolgreicher gewesen ist als in Mali. Der Reggaemusiker und
       Sohn eines malischen Ministers war an der Gründung der Jugendbewegung
       [5][„Y'en a marre“] (Es reicht) in Senegal beteiligt, die 2012 den
       verfassungswidrigen Verbleib des damaligen Präsidenten an der Macht
       vereitelte. In Mali entstand 2013 das CDR (Kollektiv zur Verteidigung der
       Republik), das Frankreichs Vormachtstellung kritisierte. Ras Bath war sein
       Sprecher, im Radio und bei anderen öffentlichen Auftritten geißelte er die
       vielen Korruptionsaffären des Landes.
       
       ## Unterstützer des Militärs nannten ihn einen „Dämon“
       
       [6][„Boua ka bla“] – „der Alte muss weg“ – hieß der Slogan, mit dem Malis
       Musikwelt um Ras Bath gegen Malis damaligen zivilen Präsidenten Ibrahim
       Boubacar Keita mobil machte. Mehrmals wurde er festgenommen, zu Geldstrafen
       verurteilt, sein Radiosender geschlossen. Auch Ras Bath war daher zunächst
       zufrieden, als 2020 in Mali das Militär putschte.
       
       Diese Zeiten sind längst vorbei. Schon im Dezember 2020 wurde Ras Bath
       unter bizarren Umsturzvorwürfen wieder festgenommen und saß vier Monate in
       Haft, bis das Oberste Gericht das Verfahren aus Mangel an Beweisen
       einstellte. Im April 2023 wanderte er endgültig hinter Gitter. Eine
       Unterstützergruppe des Militärregimes nannte ihn einen „Dämon“.
       
       Klein beigegeben hat er bis heute nicht. Vor Gericht nannte er sich einen
       „republiktreuen Demokraten“ und erwiderte auf die Vorwürfe der Anklage,
       seine Radiosendungen hätten zum Ziel gehabt, die Bürger aufzuklären. Das
       genügt in Mali heute, um als Staatsfeind hinter Gitter zu wandern.
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/shorts/aZCIwX--Jms
 (DIR) [2] /Nach-dem-Putsch-in-Mali/!5704196
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Soumeylou_Boub%C3%A8ye_Ma%C3%AFga
 (DIR) [4] /Autokraten-und-Widerstand-in-Afrika/!5336683
 (DIR) [5] https://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=2659
 (DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=WkehHhEVIkw
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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