# taz.de -- Naturschutzkonflikt in Kenia: Giftanschlag auf Elefanten
> Mindestens 19 Dickhäuter aus einem kenianischen Nationalpark sollen
> gezielt mit Zyanid vergiftet worden sein. Flammt hier ein alter Konflikt
> auf?
(IMG) Bild: Es war Git, was die Elefanten in Kenia umbrachte, doch wahrscheinlich nicht von ihren Wildhüter*innen wie in diesem Bild
Die Ermittlungen zum [1][mysteriösen Tod von insgesamt 18 Elefanten] im
Umkreis des Amboseli-Nationalparks in Kenia haben eine überraschende
Wendung genommen. Die Behörden nahmen in einer landesweiten Operation fünf
Menschen unter dem Verdacht fest, für das Sterben verantwortlich zu sein.
Im Juli verendeten im Umkreis des Parks zunächst 16 Elefanten. Die Tiere
zeigten Lähmungserscheinungen, die offenbar auch die Lunge betrafen, und
erstickten qualvoll. Die meisten waren Elefantenkühe mit ihren Kälbern.
Zwei weitere Elefanten wurden noch lebend entdeckt und behandelt. Sie
verstarben aber nun im August, ein Tier wird derzeit noch behandelt.
Veterinäre des Wildtierschutzbehörde (KWS) untersuchten den Mageninhalt der
toten Tiere und fanden Hinweise auf eine Zyanidvergiftung. Einige der
Kadaver waren auf einer Farm jenseits der Grenzen des Nationalparks
entdeckt worden. Deshalb wurde die Vermutung laut, die Elefanten hätten
sich mit den Pestiziden vergiftet, die die Bauern auf ihre Tomaten und
Wassermelonen sprühen. Allerdings sind [2][zyanidhaltige
Pflanzenschutzmittel] in Kenia nicht offiziell zugelassen und die Bauern
argumentierten, dass ihre Ziegen, Kühe und Schafe auch Tomaten fressen
würden und keine Vergiftungserscheinungen hätten.
Gemeinsam mit der Kriminalpolizei und dem Geheimdienst leitete KWS eine
verdeckte Ermittlung ein: Agenten heuerten undercover als Hilfsarbeiter auf
den Farmen rund um den Nationalpark an. „Es ist nun klar, dass die Tiere
aus einem Wassertank tranken, der mit Zyanid verunreinigt worden war und
strategisch so dort aufgestellt wurde, dass die Elefanten nicht
umhinkommen, davon zu trinken“, sagte einer der Ermittler, der anonym
bleiben will, lokalen Medien. „Wir vermuten, dass das Zyanid aus einem
Nachbarland eingeschmuggelt worden ist.“
## Konflikte um den Nationalpark
Der Amboseli-Nationalpark liegt nahe der Grenze zu Tansania. Weltweit
verbreitet sind Marketingbilder, die Elefantenherden vor dem Panorama des
gewaltigen Kilimandscharo im Hintergrund zeigen. Die erste tote
Elefantenkuh wurde im Juli inmitten der Tomatensträucher einer Farm in
Kimana entdeckt. Der Ort liegt im Migrationskorridor zwischen dem
Amboseli-Park in Kenia und dem Kilimandscharo-Nationalpark in Tansania, in
dem die Herden je nach Regen- und Trockenzeit hin- und herwandern.
Wie überall in Afrika kommt es auch hier mittlerweile zu zunehmenden
Konflikten zwischen Wildtieren und der lokalen Bevölkerung. Die
Elefantenpopulation in Kenia hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wieder
ein wenig erholt. Laut der letzten Zählung von 2025 leben landesweit etwa
42.000 Exemplare. Von den 1960er Jahren bis 1990 war der Bestand von
160.000 zunächst auf nur noch rund 16.000 Tiere reduziert worden. Kenias
Regierung ist zuletzt aber rigoros gegen Wilderei vorgegangen. Mittlerweile
ist die Zahl der Elefanten nun aber so hoch, dass ganze Herden aus den
Parks ausbrechen und sich an den Äckern der Bauern bedienen. Allein im
Amboseli leben rund 1.600 Elefanten.
Laut einer Erklärung des Ministeriums für Wildtiere und Tourismus sind die
Ermittlungen zu den Todesfällen noch nicht abgeschlossen. Unter den fünf
festgenommenen Verdächtigen befinde sich ein Tansanier, der das Gift ins
Land geschmuggelt haben soll. In Tansania wird [3][Zyanid vor allem zum
Goldabbau] verwendet.
Bei der Durchsuchung der Farmen seien Beweismittel gesichert worden, hieß
es weiter. Jede Person, die schuldig befunden werde, „Wildtiere getötet,
vergiftet oder geschädigt zu haben, wird nach gängigem Gesetz verurteilt“.
Der „Amboseli-Vorfall“ betreffe nicht nur Elefanten, „sondern es betrifft
den gesamten Wildtierschutz und die Sicherheit des Landes“. Kenias
Staatshaushalt generiert jährlich bis zu drei Milliarden US-Dollar aus
Safaritourismus – rund ein Viertel des Bruttosozialprodukts. Die Elefanten
des Amboseli dienen weltweit quasi als Aushängeschild des Landes.
26 Aug 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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