# taz.de -- Studie zu Pestizideinsatz in Argentinien: Schwangere besonders gefährdet
       
       > Laut einer Langzeitstudie besteht ein Zusammenhang zwischen einem höheren
       > Risiko für Fehlgeburten und Chemikalien in der Landwirtschaft.
       
 (IMG) Bild: Ein Flugzeug in Argentinien, wie sie für das Versprühen von Pestiziden eingesetzt werden
       
       Schwangere Frauen haben in ländlichen Gebieten Argentiniens ein erhöhtes
       Fehlgeburtsrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die einen
       Zusammenhang zwischen dem intensiven Einsatz von Pestiziden in der
       industriellen Landwirtschaft und gesundheitlichen Problemen bei Frauen in
       neun [1][ländlichen Ortschaften der argentinischen Provinz Santa Fe]
       aufzeigt, darunter auch San Jorge.
       
       Die Studie mit dem Titel „[2][Spontane Fehlgeburten und
       Schilddrüsenunterfunktion in ländlichen argentinischen Bevölkerungsgruppen
       in pestizidbelasteten Anbaugebieten“] beschreibt einen statistischen
       Zusammenhang zwischen der Belastung durch Pestizide und den beobachteten
       Gesundheitsproblemen. Die Autor*innen sehen darin starke Hinweise auf
       einen Einfluss des agrarindustriellen Modells.
       
       Seit 1996 ist in Argentinien der Anbau von gentechnisch verändertem
       Soja-Saatgut erlaubt. Mit ihm begann vor 30 Jahren der rasante Ausbau eines
       Agrarmodells, das auf dem Einsatz von Glyphosat und zahlreichen anderen
       Agrochemikalien basiert. Die Anbaufläche für Sojabohnen wuchs von etwa
       sechs Millionen Hektar im Jahr 1996 auf heute rund 18 Millionen Hektar.
       
       Die Nationale Biotechnologiekommission (Conabia) hat seither über 90
       gentechnisch veränderte Saatgutsorten zugelassen. Neben Sojabohnen sind es
       vor allem Mais, Weizen, Kartoffeln, Baumwolle und Luzerne. Parallel dazu
       stieg der Einsatz von Agrochemikalien auf rund 500 Millionen Liter
       Pestizide, [3][die mithilfe von Sprühfahrzeugen oftmals auch in
       unmittelbarer Nähe von Wohngebieten ausgebracht werden].
       
       ## 2,4-fach erhöhtes Risiko für Fehlgeburten
       
       Die im Juli veröffentlichte Studie basiert auf Daten aus den Jahren 2008
       bis 2018 und umfasst 6.497 Frauen im Alter von 18 bis 70 Jahren, die
       Angaben zu Spontanaborten und zur medikamentösen Behandlung einer
       Schilddrüsenunterfunktion machten. Sie wurde vom Institut für
       Sozio-Umweltgesundheit der Medizinischen Fakultät der Universität Rosario
       erarbeitet und in der Zeitschrift für öffentliche Gesundheit der
       Universität Córdoba (UNC) veröffentlicht. Insgesamt wurden 2.870
       Schwangerschaften untersucht. Davon endeten 369 mit einem
       Schwangerschaftsverlust, die meisten im ersten Schwangerschaftsdrittel.
       
       Demnach hatten Frauen in Regionen mit intensivem Anbau gentechnisch
       veränderter Pflanzen und hohem Pestizideinsatz ein 2,4-fach höheres Risiko
       für Fehlgeburten als Frauen im landesweiten Durchschnitt. Gleichzeitig trat
       eine Schilddrüsenunterfunktion 2,5-fach häufiger auf.
       
       Die Autor*innen betonen, dass ihre Untersuchung keine eindeutige
       Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweist, aber deutliche Hinweise auf einen
       Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und den untersuchten Erkrankungen
       liefert. Als Vorsorgemaßnahmen empfehlen sie, Sprühungen am Boden erst ab
       einem Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohngebieten zu erlauben und
       Sprühungen aus der Luft vollständig zu verbieten.
       
       „Die Auswirkungen von Pestiziden auf die öffentliche Gesundheit sind
       unbestreitbar, die wissenschaftlichen Beweise sind erdrückend“,
       [4][erklärte Facundo Fernández von der Medizinischen Fakultät der
       Universität Rosario und Mitautor der Studie]. Statt jedoch
       Präventivmaßnahmen zu ergreifen, spielen die Regierung und große Teile der
       Opposition zusammen mit der Agrarlobby die gesundheitlichen Folgen für die
       ländliche Bevölkerung herunter.
       
       3 Aug 2026
       
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