# taz.de -- Referendum in Island: Island steht nicht für die Attraktivität der EU
       
       > Die EU sollte die Abfuhr nicht persönlich nehmen. Die Isländer*innen
       > lieben ihre Unabhängigkeit und ein Abkommen mit der EU existiert bereits.
       
 (IMG) Bild: Der Jubel über den Ausgang es Referendums ist bitter für die Europäische Union
       
       Unangenehm, so eine Abfuhr! Was machen wir in der EU jetzt mit der
       Erkenntnis, dass [1][Island nicht einmal mit uns reden will], um unser
       Angebot kennenzulernen? Nur darum ging es doch bei dem Referendum auf der
       Atlantikinsel. Nun wird sie also bis auf Weiteres kein geopolitisch
       interessant gelegener EU-Außenposten werden.
       
       Die isländische Regierung hatte eventuell etwas anderes erwartet, als sie
       die Volksabstimmung im März ansetzte – die USA hatten gerade wieder eine
       akute Phase ihrer Grönland-Besitzansprüche-Anwandlungen gezeigt. Die Unruhe
       über die unsicher gewordene Weltlage ist aber in Island nicht so groß, als
       dass sie EU-Skeptiker hätte umdenken lassen.
       
       Beim Umgang mit diesem isländischen Nein kann man erst mal eins im Kopf
       behalten: Fast die Hälfte der Menschen hat beim Referendum Ja gesagt – sie
       sind heute enttäuscht. [2][Lange hatte es nach einem Unentschieden zwischen
       den Lagern ausgesehen]. Ihre Niederlage schiebt die Ja-Fraktion nicht
       zuletzt auf eine Nein-Kampagne, die mit extrem viel Geld und unlauteren
       Methoden gekämpft habe.
       
       Woher die finanziellen Mittel dafür kamen, wollte und musste die
       Organisation nicht öffentlich machen – aber in Island gilt es als
       plausibel, dass einige der reichsten Unternehmer des Landes die Absender
       waren. Dass ihre Geschäfte von außerhalb der EU profitabler seien, gilt als
       Motivation.
       
       ## Man kann nicht von allen gemocht werden
       
       Dieses [3][Nein ist bei aller Deutlichkeit] mehrschichtig, und einen Teil
       davon dürfen die Europäer in der EU einfach nicht persönlich nehmen – man
       kann nicht von allen gemocht werden. Die eigene Attraktivität in der Welt
       an Islands Entscheidung messen zu wollen, wie es bei der
       Erweiterungskommissarin zuletzt fast durchklang, würde bedeuten, sich
       unnötig klein zu machen.
       
       Island ist ein unabhängigkeitsliebendes Land, das als EWR-Mitglied bereits
       von den Vorteilen der Union profitiert – die Entscheidung dort fiel aus
       einer komfortablen Situation heraus. Nun bleibt erst mal alles so schön,
       wie es schon ist.
       
       Aber eins könnte Brüssel jetzt wirklich mal machen: dieses Referendum zum
       Anlass nehmen und noch einmal ernsthaft an der eigenen PR-Strategie
       arbeiten. Dass es immer noch und immer wieder so leicht zu sein scheint,
       Menschen mit Unwahrheiten über die EU dazu zu bringen, sie grundlegend und
       heftigst abzulehnen – das ist doch eigentlich nicht hinnehmbar.
       
       30 Aug 2026
       
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 (DIR) Anne Diekhoff
       
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